GA-Wandertag: Geläut von Sankt Peter ist wie vor 500 Jahren

GA-Wandertag : Geläut von Sankt Peter ist wie vor 500 Jahren

Der Wandertag des General-Anzeigers startet an Sankt Peter in Sinzig. Die Kirche ist ein bedeutender Sakralbau der Spätromanik.

Sie ist das Wahrzeichen der Stadt Sinzig und auf ihrem Hügel schon von weitem zu sehen: die Pfarrkirche Sank Peter mit ihren vielfältigen und doch harmonisch gegliederten Außenfassaden. Teilnehmer des GA-Wandertags am Sonntag, 22. September, können so den Startpunkt auf dem Sinziger Kirchplatz für alle vier Strecken kaum verfehlen. Ob sie nun mit Auto, Bus oder Bahn anreisen, Sankt Peter weist den Weg.

Es ist nicht irgendeine Kirche, die sich da auf einem Ausläufer des Eifelgebirges in Nähe des Rheins erhebt. In ihrer Architektur zeigt die dreischiffige Pfeileremporenbasilika Ähnlichkeiten etwa mit dem Aachener Dom, dem Bonner Münster, der Abteikirche Maria Laach und anderen bedeutenden Bauwerken. Übrigens ist ein Vorgängerbau für das Jahr 814 belegt, Reste von dessen Fußbodenbelag sind im nördlichen Querhaus durch ein Gitter zu erkennen.

Seit mehr als 750 Jahren besitzt Sinzig Stadtrechte, eine Königspfalz ist bereits für das Jahr 762 urkundlich belegt. Von 39 deutschen Königen, die dort im Mittelalter zeitweise residierten, dürfte Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190) der bekannteste sein.

Bedeutender Sakralbau der Spätromantik

Den Baubeginn für Sankt Peter datieren Kunsthistoriker auf das Jahr 1225, geweiht wurde die Kirche am 15. August 1241.Sankt Peter war von Anfang an Stadtkirche und gehört zu den bedeutendsten Sakralbauten der Spätromanik im Rheinland. Stephan Pauly ist Kunsthistoriker und Vorsitzender des Sinziger Kirchbauvereins. Er bietet fundierte Führungen durch das Gotteshaus an und ist überzeugt: „Der Baumeister hat etwas von seinem Fach verstanden, Sankt Peter mit seiner hochköniglichen Architektur sollte eine großartige Repräsentationskirche sein.“

Wie der Baumeisters hieß, weiß man nicht, aber er muss sich im Architekturschaffen der Zeit ausgekannt und auch Kirchen im frühen gotischen Stil, etwa aus Frankreich, gesehen und Elemente für Sinzig übernommen haben. Dazu gehören etwa die spitzbogig auslaufenden Wülste an den Deckengewölben. Während sie in Sinzig Zierwerk sind, sind sie in gotischen Kirchen Teil der Tragewerkskonstruktion. Pauly weist auf den Kölner Dom hin, dessen Grundstein erst 1248 gelegt wurde, als Sankt Peter schon stand.

Kirche bietet viele Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten

Zu den architektonischen „Zitaten“ gehören beispielsweise die siebenteiligen Fächerfenster, die vielen vom Bonner Münster bekannt sein dürften. Vieles ist bedeutungsvoll an Sankt Peter, so bieten sich Stadt und Kirche auch für einen längeren Besuch jenseits des GA-Wandertags an. Zu den Besonderheiten gehört etwa die Kreuzigungsgruppe im nördlichen Querflügel, die im Laufe der Jahrhunderte auseinandergerissen worden war und jetzt wieder restauriert und vereint worden ist. Die Schnitzarbeiten werden der um 1500 führenden Werkstatt des Kölner Bildschnitzers „Meister Tilmann“ zugeschrieben und weisen den Einfluss eines Stichs von Albrecht Dürer auf. Zu den Besonderheiten gehört auch das dreigliedrige Altarbild (Triptychon) mit einer Darstellung der Kreuzigung im Mittelteil und links und rechts Darstellungen der Himmelfahrt Christi und Marias. Es ist eine aus dem Jahr 1480 belegte Stiftung.

Mittelalterliche Fresken im südlichen Chornebenraum mit Szenen aus der Heilsgeschichte sind wesentlich älter. Sie stammen aus der Anfangszeit nach 1250 und wurden 1926 freigelegt. Interessant – wie im gesamten Kirchenschiff – sind die nach Originalfunden mit bunten Mustern bemalten Gewölberippen.

Mumie liegt unter einem dichten Eisengitter

Was wäre Sankt Peter für die Sinziger ohne sein „Ledermännchen“: Erst vor gut zwei Jahren ist die Mumie offiziell im Boden des Kirchenschiffs beerdigt worden, geschützt durch ein dichtes Eisengitter. Nach neuesten Forschungen sind es die mumifizierten Überreste des Bürgers Johannes Wilhelm von Holbach, der wohl von 1631 bis 1691 gelebt hat und ursprünglich in einer Klerikern und dem hohen Adel vorbehaltenen Grablege in einer Nebenkapelle beigesetzt worden war. Die Kapelle wurde von einem Hochwasser weggerissen, die Mumie überstand die Katastrophe weitgehend unbeschadet in seinem schwimmenden Sarg.

Zu den Besonderheiten gehören ebenfalls die Orgel und das Geläut. Denn den Sinzigern war es gelungen, ihre Glocken im Zweiten Weltkrieg vor der Zerstörung zu bewahren. „Es ist ein Geläut wie vor 500 Jahren“, staunt Kirchenführer Pauly.

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