Miami Beach: Mehr als nur der Treffpunkt der Reichen und Schönen

Miami Beach : Mehr als nur der Treffpunkt der Reichen und Schönen

Palmen, Strand, Meer und spärlich bekleidete Menschen - das ist der Ocean Drive in Miami Beach. Doch die US-Metropole im Süden Floridas hat noch viel mehr zu bieten als die berühmte Strandpromenade.

Sehen und gesehen werden - der Ocean Drive in Miami Beach lockt unendlich viele skurile Typen an: die PS-Protzer, die ihre Ferraris und Lamborghinis aufheulen oder ihre aufgemotzten Muscle Cars an der Ampel hüpfen lassen. Und die spärlich bekleideten Männer und Frauen, die ihre schönen Körper bestaunen lassen wollen. Und mittendrin die Touristen, die ein bisschen von dem atemberaubenden Flair der Schönen und Reichen an einer der berühmtesten Strandpromenaden der Welt erleben wollen. Und dafür in den Bars und Restaurants in der ersten Reihe schnell mehrere hundert Dollar auf den Tisch legen müssen.

Doch Miami Beach hat noch viel mehr zu bieten, als den funkelnden Ocean Drive. Schließlich war der Plan von Beginn an, die Insel zu einer Touristenattraktion zu machen. "Es ist die unglaublichste Entstehungsgeschichte einer Stadt in den Vereinigten Staaten", sagt der Historiker Seth Bramson.

Die Vision sollte sich erfüllen: Inzwischen wurde Miami Beach sogar um einige kleinere Inseln künstlich erweitert. Zahlreiche Prominente haben oder hatten dort ihr Luxus-Anwesen - zum Beispiel die exilkubanische Sängerin Gloria Estefan sowie der Basketballstar Shaquille O'Neal. Auch der Mafioso Al Capone war einst in Miami Beach zu Hause. Wer mehr dazu erfahren will, geht auf eine Bootstour entlang der "Millionairs Row".

"Es ist eine der buntesten Geschichten, die eine Stadt haben kann", sagte Bürgermeister Philip Levine anlässlich des 100. Geburtstags von Miami Beach vor ein paar Jahren. Selbst die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren konnte der Stadt kaum etwas anhaben: Hotels sprossen aus dem Boden und schafften Arbeitsplätze.

Von renommierten Architekten gebaute, pastellfarbene Hotels im Art-déco-Stil, die während des Zweiten Weltkrieges zu Kasernen umfunktioniert wurden. "Es war eine Geschichte mit Höhen und Tiefen", sagt dann auch Bürgermeister Levine über Miami Beach. Die 1950er, 60er und 70er Jahre zählen zu den glanzvollen Zeiten der Stadt, als Frank Sinatra und Elvis Presley im Luxushotel Fontainebleau auf der Bühne standen. Auch der spätere Weltmeister im Schwergewicht Muhammad Ali verlieh der Insel Ruhm. Noch unter bürgerlichen Namen, als Cassius Clay, trainierte er in der bekannten Boxschule "Fifth Street Gym".

Doch in den 70er und 80er Jahren begann in großen Mengen Kokain aus Südamerika nach Florida zu fließen, die Mordrate verdreifachte sich. Die geografische Lage des südlichen Floridas sei ideal für die Drogenrouten, erklärt Jorge Zamanillo vom Museum HistoryMiami. Das Touristenparadies wurde zur Drogenmetropole. Schnell formten sich Gangs, Gewalt war die Folge. Die Zeitschrift "Time" schrieb auf ihrem Titelblatt sogar vom "Verlorenen Paradies". Die Drogenkriminalität der 70er und 80er porträtierte auch der Dokumentarfilmer Billy Corben in "Cocaine Cowboys" (2006).

Damals entstanden auf dem Festland die ersten Wolkenkratzer, auf der Insel wurden im Touristenzentrum South Beach die Art déco-Gebäude mit öffentlichen und privaten Mitteln restauriert. Doch: Das Geld für viele dieser Bauvorhaben stammte aus dem Drogenhandel, sagt Zamanillo. Dies sei auch ein Grund dafür gewesen, dass dieser teilweise toleriert worden sei. Als Unschuldige Opfer der Drogengewalt wurden, seien die Behörden schließlich eingeschritten.

Auch in der TV-Serie "Miami Vice" (1984-89) ermittelten die Agenten Crockett (Don Johnson) und sein Kollege Tubbs (Philip Michael Thomas) verdeckt gegen Drogenbosse, Waffenschieber und Zuhälter. Die Serie wurde zum Hit und schaffte es sogar, den Ruf der Region wieder aufzupolieren: "Plötzlich hatte Miami ein neues, anziehendes Image - sexy und gefährlich", erinnert sich Zamanillo. "Jeder wollte auf einmal dieses Leben mit den Autos, den Hotels, den Frauen, dem Strand und dem tropischen Lebensstil."

Seit den 90er Jahren gilt Miami Beach, dessen größte Einnahmequelle heute der Tourismus ist, wieder als angesagtes Urlaubsziel. Auch, weil Miami - verbunden durch mehrere Brücken - mit dem kubanischen Viertel Little Havana, dem Künstlerviertel Wynwood Walls, Coconut Grove, Coral Gables und der Biscane Bay sowie einigen großen Einkaufszentren einiges bietet. Und auch in die berühmten Everglades ist es nur ein Katzensprung. Ebenfalls lohnenswert: eine Fahrt über die Keys: eine Kette aus über 200 Koralleninseln mit einer Gesamtlänge von über 290 Kilometern, die schließlich in Key West endet.

Derweil bleibt Miami Beach auch weiterhin ein Ziel für die Reichen und Schönen. Doch zahlreiche Museen und namhafte Messen wie die Art Basel zeigen, dass Miami Beach mehr zu bieten hat als Partys und Körperkult. (mit Inhalten von dpa)

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