Eine Flusskreuzfahrt durchs Mittelrheintal mit Phoenix Reisen aus Bonn

Unterwegs mit einem Bonner Reiseveranstalter : So ist eine Flusskreuzfahrt durchs Mittelrheintal

Eine Flusskreuzfahrt auf vertrauter Strecke: Der Rhein liegt quasi vor der Haustür, aber vom Wasser aus gewinnt man ganz neue Eindrücke von alten Burgen, berühmten Sagen und der Schönheit der Landschaft. So ist die Fahrt durchs Mittelrheintal.

Mit gut 20 Kilometern pro Stunde schwimmt die MS Anna Katharina mit dem Strom. Die meisten Gäste auf dem Sonnendeck haben sich ein Plätzchen im Schatten gesucht. Einige sitzen auch um den Pool herum - und genießen die Sonne und vor allem die Landschaft. Genauer gesagt: das Mittelrheintal. Denn das jüngste Schiff der Flotte des Bonner Reiseveranstalters Phoenix Reisen ist auf dem Rückweg von Rüdesheim über Koblenz nach Bonn und passiert dabei einen der schönsten Abschnitte des Rheins.

Er gilt als Inbegriff der Rheinromantik und zählt seit 2002 zum Unesco-Weltkulturerbe."Es gibt dort Natur und Berge. Und nur die Mosel hat am Ufer ähnlich viele Burgen wie der Rhein auf diesem Abschnitt. Aber der Rhein ist viel abwechslungsreicher", sagt Carola Hoppe, die erst vor Kurzem von der Hochsee- zur Flusskreuzfahrt gewechselt ist.

Die Reiseleiterin sitzt im Steuerhaus der Anna Katharina an der Seite von Kapitän Melvin van den Boom und erläutert ihren Gästen via Lautsprecher die Region mit ihren gut 40 Burgen und Schlössern. "Ich bin das Stück bestimmt schon 50 Mal gefahren, aber ich entdecke immer wieder etwas Neues. Jeder Kapitän, mit dem ich fahre, kann mir noch etwas zeigen oder erklären, was ich noch nicht wusste", erklärt Hoppe.

Kapitän Melvin van den Boom. Foto: GA/Marcel Wolber

Unübersehbar und einer ihrer Favoriten auf dem Abschnitt ist Burg Pfalzgrafenstein, die bei Kaub auf einer Felsinsel mitten im Strom liegt. Das Anfang des 14. Jahrhunderts aus einem Turm entstandene Bauwerk diente einst als Zollburg. Es hatte die Aufgabe, die Einnahme des Schiffszolls in der gegenüber gelegenen rechtsrheinischen Zahlstelle zu überwachen.

Während Hoppe weiter ihren Gästen die Landschaft näher bringt, heißt es für Kapitän van den Boom höchste Konzentration. Denn die Anna Katharina steuert eine der schwierigsten Passagen auf dem Rhein an: die Loreley. Der Streckenabschnitt hat zwar nach der Sprengung einiger Felsen in den 1930er Jahren viel von seiner früheren Gefährlichkeit verloren. Aber bei deutlich weniger als 200 Metern Breite und einer Tiefe von bis zu 25 Metern windet sich der Fluss in engen Kurven durch das Felsmassiv und ist immer noch sehr anspruchsvoll.

Daher wird die Schifffahrt von Sankt Goar bis nach Oberwesel auch durch Lichtsignalstellen geregelt, erklärt der erst 27 Jahre alte Schiffsführer van den Boom, der bereits seit fünf Jahren sein Kapitänspatent besitzt. Der Niederländer stammt aus einer Schifffahrer-Familie und wurde selbst auf einem Boot geboren. Auf der Anna Katharina ist der Kapitän gemeinsam mit Hotelmanager Rudolph van der Meulen und Reiseleiterin Hoppe verantwortlich für 157 Passagiere und 55 Crewmitglieder aus neun Nationen.

"Die Loreley gehört zu den Stellen im Rhein, an denen man mehr aufpassen muss. Wie auch beim Oberrhein zwischen Mannheim und Iffezheim. Aber ich laufe nicht davor weg. Je öfter man fährt, desto vertrauter wird die Strecke. Das ist so, als ob man jeden Tag die gleiche Autobahn fährt, die kennt man dann auch", erklärt van den Boom.

Derweil berichtet Hoppe von der Sage, die sich um die Loreley rankt. Bereits im Mittelalter seien Nymphen für die gefährlichen Strömungen und die Echos an dem Felsen verantwortlich gemacht worden. Erst der Dichter Clemens Brentano übertrug den Felsennamen auf eine Frau. Brentano schrieb in seinem Roman Godwi eine Ballade über Lore Lay, eine Frau, die aufgrund ihrer Anziehungskraft auf Männer für eine Zauberin gehalten wurde und sich schließlich aus Liebeskummer vom gleichnamigen Felsen stürzte: "Zu Bacharach am Rheine / Wohnt eine Zauberin, / Sie war so schön und feine / Und riss viel Herzen hin."

Heinrich Heine beschrieb die Loreley als eine Art Nixe, die durch ihren Gesang und ihre Schönheit die Rheinschiffer in ihren Bann zog: "Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh. Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan.

"Ein Stück flussabwärts dreht sich eine weitere Sage um die mit 230 Metern höchstgelegene Feste am Mittelrhein, Burg Liebenstein, auf die die Urlauber bei Kamp-Bornhofen schauen. Gemeinsam mit Burg Sterrenberg bildet sie die "feindlichen Brüder". Da die Burg Sterrenberg seit dem Jahr 1320 zum kurtrierischen Bezirk gehörte, sei sie gegen die nahe gelegene Burg Liebenstein stark befestigt worden. Das habe später zu der Sage von zwei feindlichen Brüdern geführt. Eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den Burgen soll es aber nie gegeben haben.

Die wohl bekannteste Burg des Abschnitts dürfte aber die Marksburg kurz vor Koblenz sein. Diese Feste auf dem Hügel oberhalb von Braubach entging als einzige Burg in diesem Teil des Rheintals 1689 der Zerstörung durch die Truppen Ludwigs XIV. Überhaupt ist sie die einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein.

Der Tag endet schließlich am Deutschen Eck in Koblenz, auf das die Kreuzfahrer einen besonders guten Blick von der gegenüberliegenden, 180 Meter hohen Festung Ehrenbreitstein werfen können.

Beim Sonnenuntergang zurück an Deck zeigt der Rhein, warum er zu den beliebtesten Fahrgebieten der Flusskreuzfahrt gehört. 36 Prozent der knapp 500 000 Deutschen, die 2018 eine Flusskreuzfahrt unternahmen, entschieden sich für den Rhein - Platz eins noch vor der Donau (35 Prozent)."Der Rhein ist eine klassische und hochfrequentierte Destination, und dies schon seit Goethes Zeiten. Er ist aus dem klassischen Flusskreuzfahrtenprogramm nicht wegzudenken", erklärt Pressesprecherin Heike Euskirchen von Phoenix Reisen, denn: "Der Romantische Rhein ist einfach eine Traumstrecke."