Olympiaregion Seefeld: Bergfotograf Heinz Zak zeigt Lieblingsplätze in Tirol

Olympiaregion Seefeld : Bergfotograf Heinz Zak zeigt Lieblingsplätze in Tirol

Die Region Seefeld kann nicht nur Olympia: Eine Exkursion mit Fotograf und Extremkletterer Heinz Zak zu den Isarquellen und ein Besuch im Ganghofermuseum.

Heinz Zak kennt sie alle. "Ich war auf allen Gipfeln", sagt der Kletterer und Fotograf und schaut zu den vertrauten Felsriesen im Hinterautal hinauf. Einer der markantesten: die Birkkarspitze, mit 2749 Metern der höchste Gipfel des Karwendelgebirges, eine schroffe, erhabene Schönheit in Grau. Oben hat Zak schon oft biwakiert, bei klirrender Kälte und Sommergewitter. Dabei nächtigt der Bergsteiger im Schlafsack unter freiem Himmel, nur die Isomatte gewährt ein wenig Schutz. Zak wartet in solchen Bergnächten auf die Morgendämmerung: Streicheln die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel ringsum, bannt er die Szenerie auf den Kamerachip.

Viele herrliche Morgenstimmungen über dem Karwendel hat Zak im Lauf der Jahre so fotografiert, stille Vollmondnächte, glitzernde Wasserfälle, schroffe Felswände, blühende Almwiesen. Und die besten Kletterer der Welt hat der Tiroler begleitet, um deren Performances am Fels festzuhalten: zum Beispiel Adam Ondra 2016 an der berüchtigten Dawn Wall im Yosemite Nationalpark. In Kürze wird es der bayerische Weltklassekletterer Alexander Huber sein, mit dem er ins Atlasgebirge geht.

An diesem Herbstmorgen ist von Extremklettern allerdings keine Rede: Zak streift mit einer Besuchergruppe durchs Hinterautal nahe seinem Wohnort Scharnitz am Eingang zum Karwendel, führt die Gäste zu seinen Lieblingsplätzen und gibt Tipps, wie sie Farben und Landschaft des goldenen Herbstes in der Olympiaregion Seefeld mit der Kamera am besten einfangen.

Zak holt immer wieder sein Stativ aus dem Rucksack, und zoomt mit dem Teleobjektiv Verästelungen in jahrhundertealten Bergahornen heran. Er pirscht sich ans Isarufer, um das Plätschern des ungebändigten, türkisgrünen Flusses in seinem weißen Kiesbett festzuhalten. Das Areal heißt "Bei den Quellen". Die Isar entspringt dort aus mehreren Quellen, die in einem dschungelartigen Wildnisgebiet zusammenfließen. Es gluckert, plätschert, rauscht. Überall haben Wanderer am Ufer Steinmandln aufgebaut, mancherorts scheinen ganze Armeen von Steinmännchen das wilde Hinterautal zu bevölkern. Wanderer ebenso wie Radler, darunter viele E-Biker, sind hier im Herbst unterwegs: Ausgehend von Scharnitz führt eine auch von Familien und Senioren gut zu bewältigende rund 29 Kilometer lange Teiletappe des Isar-Radweges ins Hinterautal und zum Isarursprung. Einkehren lässt sich auf der urigen Kastenalm auf 1220 Metern Höhe.

Der Weg ins Almenparadies

Wie Scharnitz gehört auch der Nachbarort Leutasch zur Olympiaregion Seefeld. Irgendwo röhrt dort in der Frühe im Oktober immer ein Rothirsch, berichtet Martina Nairz. "Die Brunft ist in vollem Gange, ich höre das im Bett fast jeden Morgen", sagt die Mitarbeiterin des Tiroler Tourismusbüros in Innsbruck, die in Leutasch zu Hause ist, während einer Wanderung im Gaistal.

Entlang der Leutascher Ache geht's zur Gaistalam. Der Weg führt geradewegs ins "Almenparadies" mit bewirtschafteten, zu Fuß und per Rad gut erreichbaren Almhütten. Mischwald mit Lärchen, Fichten, Buchen und Föhren säumt den Weg durch das ausgedehnte, zwischen 1200 und 1600 Metern hoch gelegene Tal.

Ein schwarzer Pick-up taucht auf dem Forstweg auf: Jäger Andreas hat bei Reh, Gämse und Hirsch nach dem Rechten gesehen. Das macht er im Auftrag seines Arbeitgebers, des Jagdpächters der Gaistaljagd. Jäger ist in Tirol ein Lehrberuf und die Jagd ist nicht nur Hobby, sondern kann eben auch Beruf sein. Berufsjäger Andreas etwa hat die Aufgabe, zu gewährleisten, dass der für das Revier festgelegte Abschussplan erfüllt und sein Chef und dessen Jagdgäste stets fachkundig betreut werden.

Der Weg steigt sanft an, die Weiden liegen nun verlassen da, denn der Almabtrieb war schon im September. Rechts erhebt sich das Wettersteingebirge, links die Wände der Mieminger Kette mit der stolzen Hohen Munde. Nach (ab Parkplatz Salzbach) nur fünf gut zu bewältigenden Kilometern ist die Gaistalalm auf 1377 Metern Höhe erreicht, wo es traditionell zur Begrüßung einen Marillenschnaps gibt.

Illustre Gäste im Jagdhaus

An dem schönen Herbstsamstag hat die Hütte viel Zulauf aus der Umgebung. "Ganghoferweg" steht auf der großen Holztafel, die an der Hütte abzweigt - eine Hommage an Ludwig Ganghofer, den zu seiner Zeit meistgelesenen deutschsprachigen Autor, der es auf 30 Millionen verkaufte Bücher brachte. Der 1855 geborene Schriftsteller lebte 20 Jahre lang überwiegend im Gaistal in seinem Jagdhaus Hubertus, er ließ sich in der Abgeschiedenheit zu Elogen um Liebe, Herz und Schmerz inspirieren, schrieb 1899 dort seinen Heimatroman "Das Schweigen im Walde" ebenso wie "Der Ochsenkrieg" und "Der Edelweißkönig".

Der passionierte Waidmann konnte es sich leisten, eine der größten Jagden der Nordalpen - die Gaistaljagd - zu pachten und sich illustre Gäste ins Jagdhaus einzuladen. Dort traf sich um 1900 die Künstlerprominenz: Johannes Brahms, Johann Strauß Sohn, Rainer Maria Rilke, Ludwig Thoma, Gerhard Hauptmann, Thomas Mann und Kaiser Wilhelm II. zählten zu den Besuchern. Öffentlich zugänglich ist das bis heute abgeschiedene Jagdhaus jedoch nicht, man kann es nur von außen betrachten.

Verbrieft ist, dass Ganghofer sich mit der Gemeinde Leutasch verkrachte, als diese den Pachtzins erhöhen wollte. Den kleinen Streit hat Leutasch dem berühmten Deutschen aber längst verziehen, hat die Gemeinde ihm zu Ehren doch das Ganghofermuseum in der alten Dorfschule von 1950 untergebracht. In den ehemaligen Klassenräumen werden das Leben Ganghofers, die Jagd in Leutasch und die Dorfgeschichte dargestellt.

Vom Karwendel, den Almen im Gaistal und Ganghofer ins hübsche Seefeld der Jetztzeit: Die Fußgängerzone des bekannten Tiroler Tourismusortes lädt mit zahlreichen Boutiquen, Cafés und Bars zum Shoppen und Flanieren ein. Da liegt auch schon mal eine 1200 Euro teure Hirschlederhose im Schaufenster. Seefeld als Ort mit den meisten Vier- und Fünf-Sterne-Hotels in Tirol hat gar ein Casino im alpenländischen Stil zu bieten, Abendunterhaltung ist also mitsamt zahlreicher uriger Restaurants, Cafés und Bars gesichert. Und nicht zuletzt rüstet sich die Region, die 1964, 1976 und 2012 Olympiaaustragungsort der nordischen Wettbewerbe war, jetzt bereits für das Jahr 2019 - zur 52. FIS Nordischen Ski Weltmeisterschaft.

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