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Vorbereitungen zur Festzeit: Weihnachtszeit in Bonn kündigt sich an

Vorbereitungen zur Festzeit : Weihnachtszeit in Bonn kündigt sich an

Langsam kündigt sich die Weihnachtszeit in Bonn an. In den Schaufenstern einiger Geschäfte in der Innenstadt steht schon die erste Dekoration.

Wenn es jemanden in Bonn gibt, der die Weihnachtszeit einläutet, dann ist das David Kersch. Er baut die 90. Modelleisenbahn im Spielwarengeschäft Puppenkönig auf. "Für mich ist das Urlaub, hier kann ich mich austoben", sagt der 38-Jährige, der dafür extra aus Wien anreiste. Am Samstag muss er fertig sein.

15 Jahre lang lebte Kersch in Bonn, absolvierte ein Übersetzerstudium und ging dann zurück nach Österreich, wo er jetzt für Elektrotechnik eingeschrieben ist. "Ich habe lange als Aushilfe im Puppenkönig gearbeitet, irgendwie ergab sich daraus der Modelleisenbahnbau", erzählt er. Vor fünf Jahren durfte er das erste Mal die traditionsreiche Weihnachtsbahn gestalten. Und die feiert 90. Geburtstag.

Was passiert, wenn sie fehlt, weiß Geschäftsinhaber Alfred Westenhöfer. "Einmal schafften wir es einfach nicht, die Bahn zu errichten, das sorgte für einen riesigen Aufschrei bei den Bürgern", erinnert er sich. Von "Traditionsbruch" war damals die Rede. Mancher Kunde wollte sogar nicht mehr im Puppenkönig einkaufen, weil er vermutete, dass man nur noch darauf aus sei, Geschäfte zu machen und nicht mehr die Menschen mit Spielzeug zu erfreuen.

Zeitdruck ist die größte Herausforderung

Für David Kersch, der seit Ende September kistenweise künstliche Bäume festklebt, Häuser wie den Bahnhof Jünkerath aufstellt und aus Styroporplatten die Eifellandschaft um das Hohe Venn formt, ist die größte Herausforderung der Zeitdruck. "Da darf ich mich nicht zu sehr mit Details aufhalten, das Gesamtbild muss stimmen", sagt er. Auseinandergebaut wird die Jubiläumsbahn übrigens nicht. Weil sie als Partner für das Beueler Unternehmen "Donnerwetter" und unter dem Thema Klima und Klimawandel steht, wird sie im firmeneigenen Wetterpark in Hellenthal dauerhaft ausgestellt.

Die Modelleisenbahn ist aber nicht der einzige Vorbote der Weihnachtszeit. Die Stadtwerke hängen bis zum verkaufsoffenen Sonntag "Bonn leuchtet" am 8. November schon einen Teil der Weihnachtslampen auf. "Zehn Stadttore leuchten dann für einen Tag", weiß Veronika John von den Stadtwerken.

Dass einige Lämpchen schon jetzt für ein paar Stunden in der Dunkelheit glühen, habe mit der Funktionsüberprüfung zu tun. Das ganze Jahr über lagert die Beleuchtung, zu denen auch etwa 15 Kilometer Lichterketten gehören, in der sogenannten Lampenwerkstatt. "In der Karlstraße wird sich um alle Straßenbeleuchtungen gekümmert", sagt John.

Weihnachtsmarkt startet am 20. November

Bis zum Start des Bonner Weihnachtsmarktes am 20. November hängt stadtweit fast die komplette Dekoration. Drei Tage später wird dann der große Weihnachtsbaum vor dem Alten Rathaus aufgestellt, an dem alleine 600 Lampen brennen. Am ersten Advent, der dieses Jahr auf den 29. November fällt, ist der offizielle Start der Beleuchtung. Erst mit den Heiligen Drei Königen am 6. Januar verschwindet sie wieder.

Bis dahin ist noch ein Menge Zeit, die für den Einzelhandel volle Geschäfte bedeutet. Deshalb sind zwei der insgesamt drei verkaufsoffenen Sonntage im November und am 20. Dezember. "Bonn leuchtet" rief das Citymarketing ins Leben, um für die erste weihnachtliche Stimmung in der düsteren Jahreszeit zu sorgen. "Das kommt auch jedes Jahr gut an", sagt Citymarketing-Geschäftsführerin Maike Reinhardt. Dazu trägt natürlich auch die Dekoration in den Schaufenstern bei, die hinter der meterlangen Scheibe der Galeria Kaufhof wohl am prominentesten ist. Ganze Familien stehen vor den turnenden und winkenden Steiff-Tieren.

Auch die Straßenmusiker stellen sich langsam auf die andächtige Stimmung ein. So spielt Nana Ansong, der mit seiner ghanaischen Flöte auch die Siegburger Fußgängerzone und die Kölner Domplatte beschallt, immer öfter Weihnachtslieder. "Die Leute geben wirklich mehr Geld, das Gerücht stimmt", erzählt er. Sein Lieblings-Weihnachtslied? "Mary's Boychild" von Boney M. Wen wundert es also, dass er das am häufigsten spielt.

Bei Blumenhändler Tim Iking, der seine Auslage in der Münsterstraße hat, will die Weihnachtsstimmung dennoch nicht so richtig aufkommen. Das einzige, was ein bisschen weihnachtlich aussieht, sind die restlichen Gestecke von Allerheiligen. "Aber diese Woche kommen Weihnachtssterne", sagt er. Dazu passen für ihn ein Päckchen Butter-Spekulatius oder Christstollen, die jetzt auch die Bäckereien verkaufen.