Junges Ensemble Marabu: Neuauflage der "Konferenz der Vögel" im Theater Marabu

Junges Ensemble Marabu : Neuauflage der "Konferenz der Vögel" im Theater Marabu

Das Junge Ensemble Marabu inszeniert "Die Konferenz der Vögel". Das Theaterstück befasst sich mit dem Klimawandel, Angst vor Radikalisierung und der Digitalisierung.

Man kennt das: "Ich alleine kann doch gar nichts erreichen!", "Jetzt ist mal ein anderer dran", "Ich muss mich erst mal um mein Studium kümmern" - die Welt liegt im Argen, und das ist auch den Mitgliedern des Jungen Ensembles Marabu bewusst. Aber es gibt so viele Gründe, die Aktivitäten jemand anderem zu überlassen. Leichtes Vogelgezwitscher begrüßt das Publikum bei der neuen Produktion des Jungen Ensembles Marabu. Titel: "Die Konferenz der Vögel".

In der persischen Dichtung von Farid ud-Din Attar aus dem 12. Jahrhundert treffen sich Tausende von Vögeln, um den bedauernswerten Zustand der Welt zu beklagen und zu beraten, was zu tun sein. Nach langem Hin und Her machen sich die Vögel auf den Weg, um den Wundervogel Simurgh um Rat zu bitten. Dabei durchqueren sie sieben Täler und sieben Berge, um am Ende zu erkennen, dass es doch ausschließlich in ihrer eigenen Macht liegt, etwas zu ändern.

Zitate von Greta Thunberg und Flüchtlingen

Diese Tierfabel haben die Marabu-Gründer Tina Jücker und Claus Overkamp mit den Jugendlichen als Rahmen genommen, um sich mit gesellschaftlich und politisch relevanten Themen auseinanderzusetzen. Klimawandel, Angst vor Radikalisierung und rechten Strömungen sowie die allumfassende Digitalisierung gehören zu diesen Themen. "Wir haben zunächst viele bereits existierende Texte zu gesellschaftlich relevanten Themen gelesen und schließlich unseren eigenen Plot gemacht", so Overkamp. Die Texte haben die Jugendlichen teils selbst geschrieben, doch es finden sich auch Zitate von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, der jungen Klima-Aktivistin Greta Thunberg sowie Liedtexte.

Die Herausforderung bestand darin, ausdrucksstarke Bilder für die Texte zu finden, erklärt Theatermacher Overkamp. "Beim Bühnenbild haben wir uns an Demonstrationen wie bei Fridays for Future orientiert. Insofern ist es spartanisch gehalten - mit Drängelgittern, Pappschildern und Spruchbändern."

Wie in der persischen Dichtung steht zu Beginn die Frage im Raum, was man selbst tun kann, um die Welt zu retten. Ausreden gibt es genug - und so kommt auch das Junge Ensemble Marabu zu dem Schluss, einen König suchen zu wollen, der die Sache in die Hand nimmt.

Ensemble Marabu behandelt aktuelle Themen

"Auch in unserem Stück gibt es im übertragenen Sinne die Einteilung in die sieben Berge und sieben Täler bei Farad ud-Din Attar, die auf den Weisheiten der Sufi und deren Weg zur Selbsterkenntnis gründen", sagt Tina Jücker. "Wir haben auch Täler kreiert - Die Angst geht über in Wut, dann in den Rausch. Aber genauso gibt es auch die Stille, in der man sich noch einmal auf sich besinnt. Hier hat eine Jugendliche einen ganz persönlichen Text zum Thema Digitalisierung geschrieben."

Die eigenen Texte der Jugendlichen haben jedoch in überarbeiteter Form Einzug in das Stück gehalten, denn eine gewisse Distanz muss sein: "Vor Publikum wird kein Beitrag vorgetragen, der noch emotional geladen ist", erklärt Tina Jücker. "In der Regel trägt auch keiner den eigenen Text vor."

Die Themen, die das Junge Ensemble Marabu in seiner "Konferenz der Vögel" auf die Bühne bringt, sind vielseitig, brandaktuell, und sie lassen keinen kalt. Das merkt man spätestens dann, wenn sich das Ensemble mit Masken von Trump, Putin, Gauland und Co. bedrohlich nähert.

Info: "Die Konferenz der Vögel", Bonn-Beuel, Theater Marabu, Kreuzstraße 16, 30. und 31. August, jeweils 19.30 Uhr; weitere Termine bis Mitte Dezember; www.theater-marabu.de

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