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Unterwegs in Köln: Kinderführung durch die Domstadt

Unterwegs in Köln : Kinderführung durch die Domstadt

Stolze 157 Meter hoch ragen die Türme des Kölner Doms in den blauen Himmel. Tim (12), Ben (9) und Paul (7) müssen den Kopf weit in den Nacken legen, um hoch zu den Spitzen zu schauen. Während um sie herum Passanten mit Einkaufstüten vorbeihasten und Touristen Fotos schießen, warten die drei Jungen mit Solvejg Rellecke, der Tante von Tim und Ben und Mutter von Paul, auf den Beginn der Kinderführung von Colonia Prima. In der werden sie den Blick aber auch genau in die umgekehrte Richtung werfen und die Domstadt auf eine besondere Art kennenlernen: von unten.

"Was meint ihr, was man unten in der Stadt sehen kann?", lautet dann auch gleich die erste Frage von Stadtführerin Laura Winkler an die Gruppe von Kindern und Erwachsenen. "Kanalisation", sagt ein Junge. "Ja, richtig", erfährt er, "und was noch?" Die Kinder schweigen. "Köln hat eine ganz, ganz alte Geschichte, die Stadt ist 2000 Jahre alt", erklärt die 29-jährige Stadtführerin, die Ethnologie und Geschichte studiert hat. "Wir werden Reste von Bauten, die vorher da waren, sehen und Sachen von Menschen, die früher hier gelebt haben." "Die Römer", weiß Tim, von wem die Rede ist. "Ja, die haben auch Köln gegründet", sagt Winkler.

"800 Jahre alt sind die ältesten Teile vom Dom", erzählt die Stadtführerin weiter. "Wenn ihr euch so umschaut, was ist hier wohl noch älter?" "Dieses Tor da", ruft ein Junge, und die Gruppe schlendert hinüber in Richtung Trankgasse zum römischen Nordtor, dessen steinerner Seitenbogen als Nachbildung daran erinnert, dass hier einst die römische Stadtmauer stand. In einer Platte auf dem Boden ist deren Verlauf nachgezeichnet.

Und dann ist es soweit, es geht nach unten: Um die Fundamente des Nordtores, das die Römer 50 nach Christus erbauten, und Reste der Stadtmauer zu besichtigen, nimmt Laura Winkler die Gruppe ein paar Schritte weiter mit - ins Parkhaus. Verwunderte Blicke bei den Erwachsenen, als es die Stufen zur Tiefgarage hinuntergeht. Doch tatsächlich werden schnell die ersten Mauerreste sichtbar. "Das wusste ich gar nicht, dass man hier so etwas sehen kann", ist auch Solvejg Rellecke überrascht, dabei wohnt sie in Köln. In der eigenen Stadt mache man so eine Führung ja eher selten mit, sagt die Lindenthalerin. "Wir haben uns ganz spontan dazu entschlossen. Ich wollte meinen Neffen, die aus der Nähe von Koblenz kommen, mal was mit Köln nahe bringen."

"Was meint ihr, was früher über und was unter der Erde lag?", fragt Laura Winkler. "Das, was weiter vorne ist, war unter der Erde", meint eines der Kinder. "Genau, das Fundament der Stadtmauer war breiter, und über der Erde waren die Steine auch ordentlicher aufgereiht", erklärt die Stadtführerin und zeigt auf die Mauer. "Ihr dürft die Steine auch anfassen", sagt sie, und Ben und Jonas testen auch gleich mal, wie standfest diese noch sind: Mit beiden Händen stemmen sie sich dagegen, doch die Mauer hält stand. Und wie fühlen sich so alte Steine an? "Cool", findet Ben. "Uneben", ergänzt Tim. "Und hart", sagt Deborah.

Nur wenige Schritte weiter können die Kinder ein Häuschen an der Stadtmauer erkennen, in dem früher der Küster saß. "Der hatte im Keller eine Klappe im Boden, über die konnte man durch einen geheimen Gang raus aus der Stadt gelangen", erzählt Winkler. Die Kinder hören vom Erzbischof Anno, der durch diesen Tunnel geflüchtet ist. Und von heiligen Knochen, für die die Menschen von weit her kamen, um sie zu sehen. Die Stadtführerin zeigt ein Foto vom Dreikönigenschrein und erklärt, dass die Gebeine der Heiligen Drei Könige der Grund waren, "warum die Kölner die schönste, größte und prächtigste Kirche der ganzen Welt bauen wollten. Und so eine hohe Kirche braucht auch ziemlich tiefe, breite Fundamente", sagt sie. Bis zu elf Meter breit seien sie.

Und die möchte sich die Gruppe auch anschauen. Am Eingang zur Turmbesteigung des Doms geht es durch einen Tunnel quer durch die Mauern hindurch. Die Kinder streichen über die glatten, schwarzen Basaltsteine im Fundament und schauen zur Decke, als Laura Winkler sagt: "Über uns ist der Fußboden vom Dom, die Leute im Dom laufen also über unseren Köpfen lang." Dann geht es zurück ins helle Sonnenlicht und zum Theo-Burauen-Platz, wo ein Teil des früheren römischen Abwasserkanals aufgestellt ist.

Doch nicht nur die Römer prägten die Stadt von unten. Im jüdischen Viertel holt die Stadtführerin einen Schlüssel. Eine angenehme Kühle und ein muffiger Geruch empfangen die Besucher, als sie die Tür zum jüdischen Ritualbad aus dem Mittelalter, der Mikwe, aufschließt. 17 Meter tief geht es über einen engen Treppengang hinab zu einem kleinen Becken mit Wasser. "Die jüdischen Bewohner kamen hierher, um ihre Seele zu reinigen", erklärt Winkler, "wenn sie gegen die jüdischen Gesetze verstoßen hatten, zum Beispiel etwas gegessen hatten, was nicht koscher war.

Und für Frauen war es Pflicht, sich nach einer Geburt hier zu reinigen." Das Wasser einer Mikwe müsse "lebendig" sein, "was meint ihr, warum lebendig?" "Weil das Grundwasser ist", sagt eines der Kinder. "Richtig", lautet die Antwort, "es kann fließen, mal steigt es, mal sinkt es." Doch die Stadtführerin erklärt auch, dass die Kölner das Bad nach der Vertreibung der Juden aus der Stadt dazu nutzten, um ihren Müll abzuladen. "Deshalb stinkt es hier so", meint Ben und erfährt: "Nein, das liegt an der Feuchtigkeit."

Zurück an der frischen Luft verabschiedet sich Winkler. Was für sie den touristischen Reiz der Stadt ausmache? "Außer dass Köln kulturell sehr viel zu bieten hat, gibt es viel zu entdecken, auf dass man nicht kommen würde", sagt sie, "wie die Mauerreste im Parkhaus."

Führungen für Kinder

Ob Köln von unten, ein Ausflug zu den Römern oder auf den Spuren der Heinzelmännchen - der private Anbieter Colonia Prima hat samstags sowie in den Ferien werktags um 11 Uhr öffentliche Kinderführungen mit verschiedenen Themenschwerpunkten im Programm. Die Touren dauern jeweils anderthalb Stunden, Treffpunkt ist die Kreuzblume vor dem Domhauptportal. Für Kinder kostet die Teilnahme fünf Euro, für Erwachsene 7,50 Euro. Nähere Auskünfte und Buchung unter 0221/3103385 oder online auf www.colonia-prima.de. In der Regel ist eine Teilnahme auch ohne Anmeldung möglich.

Die Köln Tourismus GmbH, offizielle Tourismusorganisation der Stadt Köln, bietet zudem Gruppenführungen für Kinder an. Näheres unter 0221/22130400 sowie unter www.koelntourismus.de.