GA-Radtour in der Region: Immer an der Ahr entlang: Tour von Blankenheim nach Remagen

GA-Radtour in der Region : Immer an der Ahr entlang: Tour von Blankenheim nach Remagen

Auf dem Ahrradweg kann man von der Quelle bis zur Mündung des Flusses radeln. Eine anspruchsvolle Strecke, die jedoch viel Abwechslung bietet.

Zugegeben: Man kann sich diese Tour auch schwer machen. Wer es gerne etwas anspruchsvoller hat, der fährt nach Remagen und von dort den Ahrradweg bergauf. Wem gerade nicht nach Ehrgeiz ist, macht sich auf nach Blankenheim (Wald) an der Bahnstrecke von Köln nach Trier. Von dort geht es auch und es geht vor allem meistens bergab. Aber Vorsicht: Ein paar fiese kleine Steigungen gibt es doch. Gegen den Bahnhof Blankenheim als Ziel spricht auch der Zustand der Haltestelle. Vorsichtig formuliert ist sie renovierungsbedürftig. Die Bahn lässt sie seit Jahren konsequent vergammeln. Da sind Sinzig oder Remagen am Rhein auf der anderen Seite doch weitaus attraktiver.

Blick in die Brunnenstube

Also Blankenheim: Dort entspringt die Ahr mitten in der kleinen Altstadt unter einem Fachwerkhaus. Die Brunnenstube ist von 1726 und von außen gut einsehbar. 700 Liter Wasser pro Minute sprudeln aus dem Fels. Nach 89 Kilometern erreicht die Ahr den Rhein. Ihr folgt der Radweg mal sehr nah am Ufer, mal mit ein wenig Distanz. Aber die Ahr ist immer da, ein schöner Fluss: anfangs kaum mehr als ein unruhiger Bach, dann auch mal wild, wo es über Stufen und Steinlagen geht, am Ende unter Erlen, Weiden und Gebüsch ein breiter, fast gemächlicher Strom.

Der Weg zu Tal hat noch ein anderes Leitmotiv. Das ist die Eisenbahn. Kurz hinter Blankenheim führt der Ahrradweg auf die Trasse einer stillgelegten Bahn. Sie hat einst Dümpelfeld mit Blankenheim verbunden und entstand um 1910, als das Deutsche Reich seine Aufmarschwege gegen Frankreich ausbaute und dafür eine neue Eisenbahn quer durch die Eifel schlug. Das war aufwendig, denn die Eifel ist kein einfacher Ort für Schienenstränge. Große Viadukte mussten her, Brücken und Stützmauern für die schiefrigen, zerbröckelnden Felswände.

Ein Stück Bahngeschichte

Die Bahn liegt auf halber Höhe am Hang. Unten fließt die Ahr, und in der Ferne sind die Autos zu hören. Während der ganzen Fahrt tauchen Reste der Eisenbahn immer wieder auf. Manchmal auch neben der Strecke, denn nicht überall ist es gelungen, den Radweg auf dem Bahndamm zu führen. Einige Brücken sind verschwunden. Daher geht es beim Radeln manchmal kurz und heftig von der Straße wieder hinauf auf den Damm. Eine gute Gangschaltung hilft.

Die Militärbahn gegen die Franzosen markiert auch den Endpunkt der Radstrecke, denn am Ende der Reise passiert der Weg die Pfeiler der Brücke von Remagen, die für den gleichen Zweck gebaut wurde und im Zweiten Weltkrieg Weltgeschichte machte, als die Amerikaner sie unversehrt eroberten und über den Fluss setzten.

Wo der Wein fließt, sind die Touristen nicht weit

Das obere Ahrtal war einst eine klassische Sommerfrische mit Landwirtschaft, Dörfern, Gasthäusern und Pensionen. Das ist lange her. Bis Dümpelfeld passiert der Weg eine Reihe verwaister Gasthäuser, leerer Scheunen und baufälliger Gehöfte, um die sich niemand mehr kümmert. Für Wein ist es hier zu kalt, ein paar Campingplätze am Fluss laden zum Bleiben ein. Die Weltabgeschiedenheit ist schön für Gäste und lässt doch immer mehr Einheimische in die Städte abwandern. Zum Pendeln nach Köln ist es zu weit und Arbeitsplätze sind knapp.

In Altenahr ist etwa die Hälfte der Strecke geschafft. Schon vor der kleinen Stadt mit ihrer markanten Burgruine sind Terrassen aufgegebener Weinberge an den Hängen zu erkennen. Doch erst ab hier wächst der Wein an den sonnigen Hängen, zumeist roter. Wo der Wein fließt, da sind auch die Touristen. Hotels und Gasthäuser locken Gäste von Rhein und Ruhr, aus Belgien und den Niederlanden. Wandern, Feiern, Spaß haben. Die Zeiten waren schon mal besser. Viele Häuser stehen leer und sind im Verfall. Wer schlau ist, hat eine leere Satteltasche dabei, denn sie lässt sich hier, in Rech, in Dernau oder Mayschoss mit Flaschen leckerem Wein füllen.

Viele Möglichkeiten zur Einkehr

Hinter Altenahr ist das Tal eng, der Weg folgt weiter der alten Bahntrasse gleich neben der noch befahrenen Strecke. Das ist praktisch, denn wer nicht mehr kann, steigt mit dem Fahrrad einfach in den Zug und fährt zu Tal. Zwischen Ahrbrück und Bonn gibt es eine direkte Verbindung. Links und rechts des Weges steigen die Weinberge steil in die Höhe. Je näher der Rhein rückt, desto enger folgen die Dörfer aufeinander und in so ziemlich allen gibt es schöne Einkehrmöglichkeiten für jeden Geldbeutel und Geschmack. Die Welt ist eine andere als im oberen Ahrtal, denn hier sind die Dörfer intakt und zeigen sich als gute und leistungsfähige Fremdenverkehrsorte.

Kurz vor Ahrweiler liegt linker Hand ein wenig ab vom Weg das Kloster Marienthal in den Weinbergen. Die Kirche ist eine Ruine, im Kreuzgang ist ein Gasthaus und es gibt Wein aus eigener Herstellung, denn aus dem vor 200 Jahren aufgegeben Kloster wurde später eine Staatsdomäne. Es gibt keinen besseren Ort für eine Pause.

Mittelalterlich und mondän

Es sei denn, man mag die Stadt lieber. Wenige Kilometer weiter führt die Strecke am Ahrtor der mittelalterlichen Stadtmauer von Ahrweiler vorbei. Dahinter verbirgt sich eine malerische Altstadt. Den Fluss entlang geht es dann durch Vorstadtsiedlungen nach Bad Neuenahr, einer der ganz mondänen Badeorte Europas seit dem 19. Jahrhundert. Der Weg führt durch den Kurpark, vorbei an Grandhotel und Spielbank.

Bad Neuenahr war schon immer etwas Besonderes. Betuchte Pensionäre führen ihre Hunde aus, und in der Bar am Park wird nachmittags Champagner getrunken. Die letzte Stunde bis Remagen geht es unter Autobahnbrücken, durch Siedlungen und Kleingartengelände weiter. Aus der wilden Ahr ist ein rasch fließender breiter Kanal geworden. Kurz vor Remagen ein deutscher Soldatenfriedhof des Zweiten Weltkrieges, der Rest eines großen Gefangenenlagers der Amerikaner gleich hier in der Nähe.

Dann ist der Rhein endlich erreicht. Es wartet eine breite, neue, schöne Rheinpromenade auf die müden Radler. Wer stramm in die Pedale tritt und wenig Pausen macht, ist nach sieben Stunden hier. Eisessen, Kaffeetrinken, Rheinschiffe gucken und dann irgendwann zum Bahnhof. Mehr Raderlebnis gibt es selten.

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