GA-Radtour in der Region: Erkundung der wundersamen Bäume im Kottenforst

GA-Radtour in der Region : Erkundung der wundersamen Bäume im Kottenforst

Bei der Radtour durch den Kottenforst gibt es viel Natur zu bestaunen und Geschichtliches zu lernen. Das Waldgebiet vor den Toren Bonns lässt sich entspannt erkunden.

Eine Runde zur Entspannung nach Feierabend, eine sportliche Fahrt oder eine gemütliche Tour mit der Familie: Es gibt viele Möglichkeiten und noch mehr Wege, um mit dem Fahrrad durch den rund 40 Quadratkilometer großen Kottenforst zu fahren – entweder als Rundfahrt oder als Tour mit getrenntem Start und Ziel. Letzteres trifft auf die vorliegende, rund 25 Kilometer lange Radtour zu. Startpunkte für eine Fahrt durch den Kottenforst gibt es viele, in diesem Fall ist es der Bahnhof in Bornheim-Roisdorf. Dort halten mehrmals in der Stunde Nahverkehrszüge mit Platz für Fahrräder aus Richtung Bonn und Köln.

Bevor in der Ruhe des Waldes geradelt werden kann, geht es über die Brunnenallee, den Bendenweg, den Kölner Pfad, die Bahnhofstraße, den Schlossweg und den Buchholzweg durch Bornheim-Roisdorf und Alfter-Ort. Ab der Bahnhofstraße geht es steil bergan. Niemand sollte sich schämen, auf diesem Teil der Strecke das Rad zu schieben. Kurz bevor es vom Buchholzweg ab- und am Waldrand vorbeigeht, lohnt sich ein erster Stopp. Ein paar Meter abseits der Strecke am Hühnerbuschweg bleibt die Erinnerung an ein echtes Alfterer Original wach.

Wo der Friedensaktivist Maucher Spuren hinterließ

Kurz hinter einem alten jüdischen Friedhof führt der sogenannte Friedensweg hinauf zu einer Christusstatue. Beides wurde von Wilhelm Maucher errichtet. Der in Alfter geborene und gestorbene Maucher (1903-1993) war nicht nur Gärtner und Landwirt, sondern zudem ein bekannter Friedensaktivist. 1945 ließ er die vom Bonner Bildhauer Jakobus Linden geschaffene Statue des „Segnenden Christus“ aufstellen. 1978 schuf Maucher den Friedensweg. Entlang des Aufstiegs zur Statue verlegte er Gebotssteine, deren Inschriften zu Frieden, Mitmenschlichkeit oder Umweltschutz mahnen. Über Alfter hinaus ist Maucher durch seinen Brombeerwein „Rebellenblut“ bekannt.

Die nächste lokalhistorisch bedeutsame Stätte wird über die Alfterer Hufebahn erreicht. Dort, wo der Radler auf die Roisdorfer Hufebahn trifft, steht der Kamelleboom, oder treffender: zwei Exemplare davon. Im Spätmittelalter markierte der Baum die Grenze zwischen Alfter, Bornheim und Heimerzheim. Vom ihm steht aber nur noch der hohle Stamm. Und das auch nicht mehr am ursprünglichen Platz. An seinem alten Standort haben die Heimatvereine Alfter und Bornheim 1978 eine Linde gepflanzt. Der Name des Baums rührt von einer Legende her. Bauersfrauen aus den Dörfern an der Swist gingen zu Fuß durch den Wald, um ihre Waren zur Roisdorfer Station der 1844 eröffneten Eisenbahn zu bringen. In Köln verkauften sie Obst und Gemüse. Abends liefen ihnen auf dem Heimweg von der Bahnstation ihre Kinder entgegen, die darauf warteten, mit aus der Stadt mitgebrachten Süßigkeiten beschenkt zu werden. Die Geschichte menschlicher Aktivitäten im Kottenforst geht indes viel weiter zurück als bis ins Mittelalter. So weisen im Wald Tafeln und Schilder auf die alte römische Wasserleitung zur Versorgung Kölns hin, von der noch heute Gräben oder gar erhaltene Überreste zu sehen sind.

Der Eiserne Mann und der Kurfürst

Vom Kamelleboom geht es über den Pützweg und den Neuen Weg weiter zum Eisenern Mann, der sich auf dem Gebiet der Gemeinde Swisttal befindet. Der Barren aus Roheisen ist 2,18 Meter lang und steckt mit seinem Anker einen Meter tief in der Erde. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Eiserne Mann 1625 als Grenzmarkierung zwischen Heimerzheim und Alfter. Wahrscheinlich im Jahr 1727 wurde er an seine heutige Stelle versetzt. Er diente als Markierungspunkt beim Bau des Schneisensystems für die Parforcejagd von Kurfürst Clemens August.

Apropos Clemens August: Spätestens ab diesem Teil der Radtour fällt auf, wie gerade viele Wege durch den Kottenforst sind. Auch das hat mit der Leidenschaft des Kurfürsten für die Jagd zu tun. Diese breiten Wege wurden schnurgerade angelegt und mit Gräben versehen. Über einen dieser Wege, die Schmale Allee, führt die Route – nun wieder auf Alfterer Gebiet – bis zur Kreuzung mit der Bundesstraße 56 und der Möglichkeit, sich in der Waldschänke „Im Zuschlag“ zu stärken. Jenseits der B 56 wird der Kottenforst nicht nur durch die Alfterer Orte Witterschlick und Volmershoven, sondern besonders durch große Quarz- und Tongruben unterbrochen: Schwerlastverkehr statt Waldesruhe, Arbeitslärm statt Vogelgezwitscher.

Zwischenstopp am Bahnhof Kottenforst

Letztendlich im Wald ist der Radfahrer wieder, wenn die Landesstraße 113 bei Volmershoven überquert ist. Allerdings ist Vorsicht geboten: Anders als bei der Querung der B 56 gibt es dort keine Ampel. Eine weitere Einkehrmöglichkeit bietet sich bald: die Waldgaststätte Bahnhof Kottenforst. Nun befindet sich der Radler auf dem Gebiet der Stadt Meckenheim. Zwar halten regelmäßig S-Bahnen an dem Bahnhof aus dem Jahr 1880, aber heute ist er doch eher ein Restaurant mit Schienenanschluss. An dieser Stelle könnten müde Radfahrer vom Sattel steigen und mit einem Zug in Richtung Bonn, Meckenheim, Rheinbach oder Euskirchen fahren.

Diese Tour geht allerdings weiter: wenige Hundert Meter über die schnurgerade Flerzheimer Allee und dann rechts – nun auf Bonner Gebiet – in die nur unwesentlich kurvigere Weingartsbahn. Auf dieser unterquert der Radler zunächst die A 565, um unmittelbar danach die Landesstraße 261 zu überqueren. Weiter geht es auf der Weingartsbahn, bis ein Bauwerk erreicht wird, das wie die geraden Wege ebenso auf Kurfürst Clemens August zurückgeht. Um 1730 bis 1740 gebaut, diente das Jägerhäuschen als Station für die Hetzjagden des Kurfürsten. Heute steht das Häuschen unter Denkmalschutz, betreten werden kann es nicht.

Ziel: Bad Godesberg

Um ein weiteres Kuriosum zu sehen, wird die eigentliche Radroute dann um wenige Meter verlassen. Am Rand des Communicationswegs ruht die Dicke Eiche auf dem Waldboden. Der damals rund 300 Jahre alte Baum fiel im Dezember 2010 unter der Schneelast um und wurde 2011 aufgebockt, umso die Verrottung des Baums zu verlangsamen. Irgendwann wird er verschwunden sein. Etwas von ihm dürfte die Zeit aber überdauern. Schließlich hat ein Bildhauer aus Teilen des Baumes Gegenstände für eine Bonner Kirche geschaffen.

Es geht zurück auf die eigentliche Radroute, die nun über den Professorenweg und den Hummerichsweg zur Venner Straße führt. Mehr und mehr nähert sich der Radler der Zivilisation. Die Venner Straße führt in den Bad Godesberger Ortsteil Schweinheim. Dessen Name erinnert daran, dass der Kottenforst viele Jahrhunderte zur ausgedehnten Viehwirtschaft genutzt wurde, etwa zur Eichelmast.

Wie es in Alfter bergauf ging, geht es in Schweinheim bergab – ins Zentrum von Bad Godesberg. Dort warten Restaurants und Imbisse auf hungrige Radler – sowie Busse und Bahnen darauf, sie wieder nach Hause zu bringen.

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