Premiumwanderweg: Eifelleiter führt über die Hohe Acht nach Adenau

Premiumwanderweg : Eifelleiter führt über die Hohe Acht nach Adenau

Die Eifelleiter führt als Premiumwanderweg von Bad Breisig in drei abwechslungsreichen Tagesetappen über die Hohe Acht nach Adenau. Unser Redakteur Heinz Dietl war unterwegs.

Es fängt ganz harmlos an, nämlich flach. An der Rheinpromenade, direkt am Kurpark von Bad Breisig, startet die Eifelleiter - ein junger Premiumwanderweg, der in drei Tagesetappen zum höchsten Punkt der Eifel führt. Knapp 60 Kilometer, 1450 Höhenmeter. Ziel: Adenau. Im Kurpark befindet sich auch die Touristeninfo Bad Breisig, deren Chef Holger Klemm zu den Miterfindern zählt. "Die Idee einer direkten Wanderverbindung vom Rhein in die Hocheifel entstand in den Gemeinden Brohltal, Adenau und Bad Breisig", sagt Klemm. An der Zertifizierung vor fünf Jahren habe auch ein prominenter Wandersmann mitgewirkt: "Manuel Andrack hat mit dem Deutschen Wanderinstitut auf der Strecke die Qualitätskriterien geprüft." Beschilderung, Aussichtspunkte, Untergrund: 35 Kriterien umfasst die Checkliste.

Holger Klemm empfiehlt als Stärkung noch einen Schluck Heilwasser aus den nahen Römer Thermen, danach geht es zur Sache. Der Einstieg in dichten Wald fühlt sich fast senkrecht an, beim zweiten Blick zurück liegt der Rhein bereits weit unten und gegenüber Schloss Arenfels in sattem Ocker. Nach 150 Höhenmetern ist die Betriebstemperatur erreicht. Erste Rast an der Schäferhütte. In der Ferne grüßen die Vulkane.

Welche Abenteuer sind wohl zu erwarten? Kinofilme flimmern durch den Kopf. Robert Redford auf dem Appalachian Trail. Hape Kerkeling und der Jakobsweg. Doch es geht auch eine Nummer kleiner. Die Wanderer passieren den Segelflugplatz Mönchsheide und erreichen den Fachwerkort Waldorf, wo man von der A 61 unbarmherzig aus naturnahen Träumereien gerissen wird. Ja, auch Motoren bestimmen den Sound der Eifel. Die Eifelleiter folgt der Autobahn ein paar hundert Meter, ein Lkw-Fahrer hupt zum Gruße. Keine zehn Minuten später verschwinden die Wanderer im Bausenberg und studieren den besterhaltenen Hufeisenkrater Deutschlands. Geschafft.

Drei Tage auf der Eiffelleiter

Beliebt: Zwei Übernachtungen, eine Unterkunft

Der Transfer wartet bereits. Martina Nett chauffiert die Gäste zur Unterkunft nach Spessart in ihr Familienhotel Bockshahn und am nächsten Morgen wieder zurück nach Niederzissen zum Start der zweiten Etappe. Die meisten Wanderer bevorzugen die Option mit zwei Übernachtungen in einer einzigen Unterkunft.

Das Mittelstück der Eifelleiter beginnt spektakulär: Das Rodder Maar glänzt in der Frühlingssonne, im Hintergrund thront die Burg Olbrück, Frösche quaken, vom Baum seilt sich elegant ein stiller Eichenspinner herab. Wilde Rosen, Waldmeister, Ginster und Günsel säumen den einsamen Weg durch dieses Stück Natur, das freilich nicht ganz unberührt ist. Bewirtschaftete Flächen sind weitgehend frei von Wildblumen. Das ruft Umweltaktivisten auf den Plan, die sich um die Artenvielfalt sorgen. "Wir streuen nachts Wildsamen auf Wiesen und Weiden", verrät eine einheimische Frau und grinst.

Zweiter Abend in Spessart. Der Landgasthof Zum Bockshahn hieß früher "Wirtshaus in Spessart" - in Anlehnung an den alten Kinohit. Um weitere Verwechslungen auszuschließen, haben Martina und Norbert Nett ihrem Hotel 2002 den Namen einer alten Gemarkung gegeben.

"Die Eifelleiter ist ein Gewinn, auch weil die Gemeinden gut zusammenarbeiten", sagt Norbert Nett. Das Pauschalangebot mit Hotel, Transfers und kostenlosem Ticket für Bus und Bahn im Großraum werde gut genutzt, ergänzt Ehefrau Martina.

Deutscher Alpenverein bestätigt: "Premiumwanderweg"

Im Restaurant sitzen 27 Wanderer vom Deutschen Alpenverein aus Trier. Sie sind mit dem Bus angereist. "Elf Personen haben die ersten beiden Etappen in einem Stück bewältigt, 16 die dritte", sagt Organisator Klaus Erzig. Nach dem Essen fahren sie zurück nach Trier. Ihr Urteil: "Die Eifelleiter hat das Prädikat Premiumweg verdient", sagt Erzig.

Das Finale beginnt unter hohen Buchen, deren Alter man bestimmen kann, indem man sie umarmt, nachdem man zuvor die Spannweite seiner Arme ausgemessen hat. Im Erlebniswald Steinrausch werden Sinne geschärft. An diesem Sonntag richten Jugendliche aus Kempenich im Rahmen der bundesweiten Aktion "72 Stunden" eine neue Märchenstation ein. "Wir haben in 72 Stunden Tafeln zu diversen Märchen gestaltet", sagt der 19-jährige Sebastian Klein. "Hänsel und Gretel" steht bereits.

In Lederbach kreuzen drei Reiter auf polnischen Warmblütern den Weg, in Jammelshofen grillt die Feuerwehr, und auf dem Kaiser-Wilhelm-Turm der Hohen Acht kann man in der Ferne das Grandhotel auf dem Petersberg ausmachen. Während an der Nürburg die Motorfreunde über die Nordschleife des Rings heizen. Der Klang der Eifel. Im Wald wird's wieder ruhiger. Noch zehn Kilometer sind es bis Adenau. Das sollte zu schaffen sein.

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