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Der Rhein im Jahresverlauf: Bonn, die Brücke und der Fluss

Der Rhein im Jahresverlauf : Bonn, die Brücke und der Fluss

Der Rhein aus immer derselben Perspektive von der Mitte der Nordbrücke aus, den Post Tower im Zentrum. Unser heutiges Fotoalbum zeigt eine Auswahl aus insgesamt mehreren hundert Fotos, die zwischen Sommer 2012 und Sommer 2013 zu unterschiedlichen Tageszeiten entstanden sind.

Der Rhein ist nicht Deutschlands Grenze, sondern Deutschlands Strom." Dieses Zitat des Preußen und Wahlbonners Ernst-Moritz Arndt ist 200 Jahre alt und war in erster Linie politisch gemeint. Zu dieser Zeit schickten sich die Preußen an, die Franzosen im linksrheinischen Bonn abzulösen.

Dieser Satz hat aber noch heute Gültigkeit, denn er durchmisst zugleich die ganze Bedeutung des Rheins für die Region. Der Fluss verbindet und trennt, ist Wirtschaftsförderer und Wirtschaftsverhinderer zugleich - je nach dem, ob man seine Nord-Süd-Achse oder seine West-Ost-Achse in den Blick nimmt. Wer auf den Rhein blickt, empfindet heimatliches Behagen und forderndes Fernweh zugleich. Er inspirierte Dichter und Maler, Romantiker zumal, denn das Fließgewässer vermag es, große Gefühle zu inspirieren.

Dabei kann man den Rhein ganz nüchtern betrachten. Deutschlands wichtigste Schifffahrtsstraße ist 1238,8 Kilometer lang. Die Region Bonn/Rhein-Sieg durchfließt er auf rund 20 Kilometern, nimmt man den Ahrkreis dazu, sind es etwa 40 Kilometer. Die beiden Rheinseiten werden auf dieser Strecke durch drei Brücken und sieben Fähren verbunden.

Auf Höhe der Kennedybrücke ist der Fluss 400 Meter breit und hat eine mittlere Fließgeschwindigkeit von sieben bis acht Stundenkilometern - also eine freundliche Jogginggeschwindigkeit. In unserer Region geht der Verlauf des Flusses vom Schiefergebirge in die Niederrheinische Tiefebene über.

Der Rhein von der Nordbrücke aus

Für Bonn war der Rhein stets prägend. Schon vor 12.000 Jahren ließen sich die Kelten auf der linksrheinischen Halbinsel nördlich des heutigen Bad Godesbergs nieder, weil das Gebiet zentral gelegen und zugleich gut geschützt war. Das war wohl auch der Grund, weshalb die Römer vor 2000 Jahren Ähnliches taten mit ihrem Römerlager "Castra Bonnensia". Lange Zeit war der Rhein schwer überwindbar und stellte auf ganzer Länge die Grenze zwischen römischem Imperium und dem angestammten Gebiet der germanischen Stämme dar. Noch viele Jahrhunderte später war der Rhein wieder Grenze. 1794 besetzten die Franzosen das Gebiet des heutigen Rheinlands und wurden in ihrer Expansion vom Fluss eingeschränkt. Diese Phase endete mit der Ausweitung des preußischen Einflusses in Bonn ab 1814.

Im Laufe der Jahrtausende entwickelte sich die Bedeutung des Rheines als Schifffahrtsstraße und Fischfangrefugium. Für die Flaneure der Uferstraßen war es stets interessant, was da so vorbei schwamm. Im Juni 1966 war es etwas ganz Besonderes, das Eingang in die Geschichtsbücher fand: Ein weißer Wal, ein schlanker Beluga, tauchte an Bonn vorbei. Er hatte sich ganz offensichtlich verirrt und war fälschlicherweise über die Nordsee in den Rhein abgebogen. Man versuchte über Tage, das Tier zu fangen, während es öfter die Richtung wechselte und schließlich wieder ins Meer zurückfand.

27. August 2012: Nicht nur der Blick vom Ufer kann inspirieren. Wer regelmäßig den Rhein überquert, etwa über die Nordbrücke (Baujahr 1967), dem bietet sich ein unvergleichliches Panorama. Der Blick schweift vom Oelberg über Petersberg und Drachenfels. Am Fuße des Gebirges sind Kräne erkennbar, die schon seit Monaten im Zentrum Beuels an der Rathausbaustelle stehen. Die Pfarrkirche Sankt Josef macht sich am Horizont bemerkbar. Es folgen der Post Tower, leicht verdeckt durch den Langen Eugen. Gebäude des früheren Regierungsviertels sind erkennbar. Dann die gestuften Hochhäuser von Bonn-Castell rund um das Wohngebiet "Am Römerlager". Auf der rechten Rheinseite ist der Kies zwischen den Kribben erkennbar, denn im Sommer sinkt der Wasserstand nach mehreren Tagen Trockenheit. Der Rhein wird immer schmaler und der Kies lockt Angler an.

20. November 2012: Eine imposante Morgenstimmung zeigt dieses Foto. Die Sonne ist von einem Wolkenfeld verdeckt, ihre Strahlen schieben sich dennoch ins Bild. Der Post Tower ist durch den Nebel kaum noch erkennbar. Das Siebengebirge verschwindet. Die Farbgebung ist monochrom.

22. November 2012: Nur zwei Tage später hat sich das Wetter komplett gewandelt. Der Himmel ist beinahe frei. Lediglich ein paar Schleierwolken ziehen von Süden her den Horizont hinauf. Die Sonne strahlt und spiegelt sich im Rhein. Die morgendliche Gegenlichtsituation macht aus der Skyline von Bonn eine scherenschnittartige Kontur.

18. April 2013: Noch ganz und gar nicht frühlingshaft wirkt das Foto, auf dem die schweren, dunklen Regenwolken dominieren. Sie färben auf den jetzt dunkel und grau wirkenden Rhein ab.

25. April 2013: Eine Woche später ist eines der freundlichsten Fotos aus der Jahresserie entstanden. Kleine Schäfchenwolken, die als Schönwetterwolken gelten, sind zu erkennen. Die Spätnachmittagssonne gibt dem Rheinufer ein sattes Grün. Die Wasseroberfläche spiegelt das helle Himmelblau. Im Vordergrund ist der lange Schatten eines Brückenträgers zu erkennen. Der Rheinfrachter tuckert gemütlich gegen die Strömung an. Im Zentrum des Bildes glänzt der Post Tower.

5. Mai 2013: Der Himmel ist wolkenfrei. Die bereits rötliche Abendsonne steht schon tief und trifft nur noch die höher stehenden Gebäude von Bonn-Castell und der Gronau. Die wirken dadurch golden. Die rechte Seite des Bildes liegt schon im abendlichen Schatten.

23. Mai 2013: Die Sturm verheißenden Regenwolken sind aufgepeitscht, der Himmel ist getupft zwischen Hell- und Dunkelblau. Der spiegelnde Rhein trägt dadurch eine ganz dunkle, stahlblaue Farbe. Das Ensemble aus Post Tower und Langem Eugen ist zu einem einzigen Schatten verschmolzen. Ebenfalls fast ganz verschwunden sind die Kribben am Ufer des Rheines, denn zu dieser Zeit herrschte immer wieder Hochwasser.

Wer sich die Zeit nimmt, immer mal wieder den Rhein zu besuchen und die Bewegungen zu beobachten, der erlebt Zeiten, zu denen sich die Frachter auf dem Fluss knubbeln, aber auch Zeiten, zu denen der Rhein wie leer gefegt erscheint. Sportboote wechseln sich mit Ruderern ab. Ausflugsdampfer weichen riesigen Lastschiffen aus. Ob bei Sonne, Wind oder Regen, ob morgens oder abends: Langweilig ist der Fluss nie. Denn alles fließt.