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Pützchens Markt 2020: Stadt Bonn sagt Kirmes ab

Museumsmeilenfest fällt auch aus : Stadt Bonn sagt Pützchens Markt 2020 ab

Die Stadt Bonn sagt wegen der Corona-Pandemie den diesjährigen Pützchens Markt ab. Durch die Entscheidung will die Stadt allen Betroffenen frühzeitig Planungssicherheit geben. Die Gesamtzahl der Infektionen in Bonn liegt bei 579.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat am Dienstag den 653. Pützchens Markt, der vom 11. bis zum 15. September stattfinden sollte, abgesagt. Durch die Entscheidung will die Stadt Bonn allen Betroffenen frühzeitig Planungssicherheit geben.

„Pützchens Markt ist das mit Abstand größte Event in Bonn und eine der beliebtesten Veranstaltungen im jährlichen Kalender der Stadt. Aber letztlich blieb uns keine andere Wahl, denn wir müssen die Menschen weiterhin schützen“, sagte Sridharan, der die Entscheidung in Absprache mit Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus und den Schaustellern getroffen hat. Sridharan dankte auch dem Freundeskreis Pützchens Markt für dessen kooperative Haltung in dieser Frage.

Déus erklärte, dass der OB und er in den vergangenen Tagen mit vielen Fachleuten und Betroffenen Gespräche geführt hätten. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass eine verantwortungsvolle Entscheidung in der momentanen Situation nur zu einer Absage führen kann. „Die Tragweite der Entscheidung für Schausteller und Vereine ist uns ebenso bewusst, wie die enttäuschten Hoffnungen vieler Menschen auf eine positive Perspektive“, sagte Déus dem GA. Die beiden Politiker wollen sich jetzt dafür einsetzen, dass für die Schausteller nach einer Kompensation für das Jahr 2021 gesucht wird, damit zumindest ein Teil der dieses Jahr ausgefallenen Einnahmen nachgeholt werden kann. Die Bonner Stadtverwaltung soll möglichst bald Vorschläge erarbeiten.

Peter Barth, Vorsitzender des Schaustellerverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, bezeichnete die Entscheidung der Stadt Bonn „aus heutiger Sicht“ als richtig. „Niemand weiß, wie die Situation Mitte September ist. Aber wir benötigen jetzt Planungssicherheit“, so Barth, der rund 60 organisierte Schausteller-Unternehmen in der Region vertritt.

Der 58-Jährige sorgt sich um seine Branche: „Wir haben in diesem Jahr noch keinen Cent verdient. Vielen Kollegen geht das Geld jetzt schon aus. Ich fordere die Bundesregierung auf, einen Rettungsschirm speziell für Schausteller einzuplanen.“ Sollte von Bund und Ländern nicht bald finanzielle Hilfe kommen, müssten traditionsreiche Firmen aufgeben. „Ich kenne einige Kollegen, die bereits in Supermärkten Regale einräumen oder mit ihren Zugmaschinen für Speditionen arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können“, so Barth, der seit mehr als 40 Jahren im Schaustellergewerbe arbeitet.

Appell des Schaustellerbundsan Volksfestveranstalter

Auf die Frage, wann seiner Meinung nach Volksfeste wieder gefeiert werden dürfen, antwortete er: „Das weiß derzeit niemand. Vermutlich erst dann, wenn es einen Impfstoff gibt und die Bürger geimpft sind.“ Einen Strohhalm will Barth aber nicht aus der Hand geben: „Sobald es die Corona-Fallzahlen zulassen, kann ich mir vorstellen, dass wieder Kinderfeste und kleinere Veranstaltungen durchgeführt werden können. Kirmes als Therapie gegen seelische und wirtschaftliche Corona-Schäden halte ich für ein sehr geeignetes Mittel, weil Kirmes Menschen Freude bereitet.“

Der Deutsche Schaustellerbund (DSB) hat am Dienstag an alle Volksfestveranstalter appelliert, dass das Aus für das Münchner Oktoberfest nicht automatisch das Aus aller deutschen Volksfeste bedeuten darf. Das Oktoberfest sei nicht repräsentativ für die anderen 9750 deutschen Volksfeste.

Grund: Das Münchner Oktoberfest sei ein Fest der Superlative. Allein die Zahlen würden das beweisen: sechs Millionen Besucher an 18 Tagen, 400 000 Gäste täglich, große Festzelte, die 140 000 Menschen Platz bieten würden. „Wir bitten, diese strukturellen Unterschiede zu beachten. Die Absage des Oktoberfestes darf kein Indikator sein, andere Volksfeste ab Ende August in Deutschland zwingend und voreilig abzusagen. Die Feste sind für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens“, erklärte ein Verbandssprecher in Berlin. Für Pützchens Markt kam dieser Appell zu spät.

Und es gibt noch eine weitere Veranstaltungsabsage: Die Häuser der Museumsmeile – das Forschungsmuseum Koenig, das Haus der Geschichte, das Kunstmuseum, die Bundeskunsthalle und das Deutsche Museum Bonn – haben sich darauf verständigt, dass das für 6. und 7. Juni geplante Museumsmeilenfest aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen wird.

Mehr Menschen in der Fußgängerzone unterwegs

„Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, auch wenn mit der Öffnung der Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern seit Montag ein erster Schritt zurück zur Normalität gemacht worden ist“, sagt Sridharan. „Wir stehen weiterhin erst am Beginn der Pandemie, und es wird noch Monate dauern, bis sich unser Alltag wieder dem früher Gewohnten angenähert hat.“ Aufgrund der geöffneten Geschäfte sind nun wieder mehr Menschen in der Bonner Fußgängerzone unterwegs. Die Stadt bittet daher die Bürger, trotz der zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten weiterhin vorsichtig und umsichtig zu sein.

Bis Dienstag ist dem Stadtordnungsdienst kein Geschäft aufgefallen, das unerlaubt geöffnet hatte. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung tragen die Läden gut Sorge dafür, dass Kunden nur kontrolliert und im zulässigen Umfang der Zutritt gewährt wird und vor sowie in den Geschäftsräumen Hygieneregeln beachtet und ausreichende Abstände eingehalten werden.

Die Stadt Bonn meldet am Dienstag eine Gesamtzahl von 579 Menschen, die seit Beginn der Coronakrise positiv auf das Virus getestet wurden. 363 sind inzwischen genesen, fünf zwischenzeitlich verstorben, 211 sind akut erkrankt und 1069 Personen befinden sich in Quarantäne.