Nachtreportage: Mit der Polizei auf Pützchens Markt unterwegs

Nachtreportage : Mit der Polizei auf Pützchens Markt unterwegs

Zu später Stunde wird Pützchens Markt zum Tummelplatz für die Jugend. Die Bonner Polizei verfolgt auf dem Jahrmarkt in den späten Abendstunden vor allem eine Strategie: Durch starke personelle Präsenz für Deeskalation sorgen.

Grelles, flackerndes Licht. Dröhnende Bässe hämmern aus den Musikboxen der Fahrgeschäfte. Die Atmosphäre wirkt leicht gereizt. Hier ein Schubser, dort ein Ellenbogen – pubertierendes Gebaren. Junge Männer trinken Wodka, plustern sich auf, um Mädchen zu imponieren. Mitten im Geschehen stehen Gerd Peter und Silke Gremmler. Die beiden Beamten strahlen Souveränität aus: Hellwache Augen signalisieren der Szene, dass beide jederzeit eingreifen werden, sollte die Sicherheit auf Pützchens Markt gefährdet sein.

Die Bonner Polizei verfolgt auf dem Jahrmarkt in den späten Abendstunden vor allem eine Strategie: Durch starke personelle Präsenz für Deeskalation sorgen. Gerd Peter ist als Chef der Wache Ramersdorf Einsatzleiter auf Pützchens Markt. Mit Silke Gremmler hat er eine routinierte Polizeihauptkommissarin an seiner Seite. Die langjährige Berufserfahrung hat die beiden gelehrt, vor allem mit Ruhe und Verständnis auf alkoholisierte Jugendliche zu reagieren. „Zuspruch und klare Ansprache sind beim ersten Kontakt wichtig. Schon nach kurzem Wortwechsel können wir in der Regel einschätzen, wie der Dialog sich fortsetzen wird. Bei Uneinsichtigkeit schalten wir schnell auf andere Handlungsmuster um“, erklärt Gremmler.

Wiederholungstäter zahlen das Doppelte

Die Budengasse zwischen Breakdancer und Autoscooter ist laut Polizei auch ein Treffpunkt für die Klientel, mit der die Sicherheitsbeamten öfter Kontakt haben. „Hier stoßen wir hin und wieder auf gute Bekannte. Sogar Besucher, die von der Polizei einen Platzverweis erhalten haben, wagen sich im Dunkel der Nacht an den beliebten Treffpunkt“, sagt Gerd Peter. Das Aufeinandertreffen wird für die Randalierer allerdings teuer. „Wer gegen ein Betretungsverbot verstößt, erhält eine Ordnungsstrafe in Höhe von 500 Euro. Wiederholungstäter zahlen das Doppelte“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar.

Der erste Kontrollgang über die Kirmes verläuft für Gremmler und Peter ruhig. Ein Jugendlicher unter 18 Jahren muss den Rest seiner Wodka-Flasche ausschütten, ein zweiter kann mit seinem Personalausweis beweisen, dass er schon 19 Jahre alt ist. Plötzlich ereignet sich doch noch ein ungewöhnlicher Kontakt: Der kleine Jerrit bleibt vor dem hünenhaften Gerd Peter stehen, lacht ihn an und ruft: „Gib mir fünf.“ Ein Lächeln macht sich im Gesicht des Uniformierten breit. Peter hebt den Zehnjährigen hoch, nimmt ihn auf seinen Arm. Dessen Vater macht ein Foto von beiden – ein sympathischer Zug nach einem langen Arbeitstag.

Der Einsatz der Polizei dauert bis drei Uhr

Immer wieder treffen Silke Gremmler und Gerd Peter auf Kollegen. „Über den ganzen Tag verteilt sind 80 bis 100 Polizisten im Einsatz. Alle zählen zum Polizeipräsidium Bonn“, verrät der Einsatzleiter. In der Marktschule, die während der Kirmes als Leitstelle für alle Einsatzkräfte dient, können sich die Polizisten während ihres Dienstes ausruhen und stärken.

In der Nacht zu Samstag steht Gulasch mit Nudeln auf dem Speiseplan. Für die Pause streifen die jungen Beamten der Einsatzhundertschaft ihre schwere Ausstattung ab. Taschenlampe, Medipack, Handschuhe, Schlagstock, Waffe, Ersatzmagazin, Handschellen, Funkgerät, Pfefferspray und Protektoren wiegen zusammen mehr als 20 Kilogramm. „Die Kollegen machen auf Pützchens Markt einen richtig guten Job. Ihre Präsenz auf der Kirmes sorgt dafür, dass sich die Gäste sicher fühlen“, rechtfertigt Peter den hohen personellen Einsatz. Und wie hoch ist der Frauenanteil bei diesen Nachteinsätzen? „50 Prozent sind durchaus möglich. Frauen haben sich bei der Polizei etabliert, weil sie genauso durchsetzungsfähig sind wie Männer.“ Der Einsatz der Polizei dauert bis drei Uhr. Bevor Pützchen zur Ruhe kommt, wurde es doch noch mal unruhig für die Beamten (siehe „47 Platzverweise“).

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