„A Rainy Day in New York“ : So ist Woody Allens neuer Kinofilm

„A Rainy Day in New York“ : So ist Woody Allens neuer Kinofilm

Woody Allens neuer Film „A Rainy Day in New York“ kann nicht recht überzeugen. Es ist der erste Film des Regisseurs, der in den USA nicht auf die Leinwand kommt und erst mit einem Jahr Verspätung langsam durch die europäischen Kinos tingelt.

Woody Allen braucht das Filmemachen wie die Luft zum Atmen. 49 Werke füllen seine Filmographie und seit 1981 ist kein Jahr vergangen, ohne dass ein Allen-Film in die Kinos kam. Das könnte sich jetzt ändern. In den letzten Jahren hatten sich US-Finanziers vornehm zurückgehalten, was dazu führte, dass Allen seine Filme mit europäischen Partnern in dekorativen Metropolen wie Barcelona, London, Rom oder Paris drehte. Schließlich landete Allen bei Amazon. Vier Filme sollte er für den Streaming-Dienst drehen, der sich jedoch nach erneuten Missbrauchsvorwürfen von Allens Adoptivtochter Dylan Farrow aus dem Vertrag zurückzog.

Und so ist Allens neustes Werk „A Rainy Day in New York“ der erste Film des Regisseurs, der in den USA nicht auf die Leinwand kommt und erst mit einem Jahr Verspätung langsam durch die europäischen Kinos tingelt. Schaut man sich den Film an, so stellt sich auch unabhängig von der Skandal-Vorgeschichte die Frage, die sich viele schon oft gestellt haben: Braucht die Welt wirklich jedes Jahr einen neuen Woody-Allen-Film?

Wie zuletzt in „Wonder Wheel“ drehte der Altmeister erneut in seiner Heimatstadt, die hier zwar als Gegenwartskulisse dient, jedoch von Vittorio Storaro konsequent in ein nostalgisches Licht getaucht wird. Der Film folgt dem jungen Studenten Gatsby (Timothée Chalamet), der mit seiner Freundin ein Wochenende in New York verbringen will. Die angehende Journalistin ­Ashleigh (Elle Fanning) hat einen Interviewtermin mit dem ebenso legendären wie depressiven Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber), der Gefallen an der provinziellen Frische und naiven Ehrlichkeit der Unizeitungs-Reporterin findet.

Und so wird Ashleigh hineingezogen in die schillernde Filmwelt, begegnet dem Drehbuchautoren Ted Davidoff (Jude Law), der seine Frau (Rebecca Hall) beim Seitensprung erwischt, sowie dem Hollywood­star Francisco Vega (Diego Luna), der die blutjunge Studentin abzuschleppen versucht.

Derweil muss sich Gatsby immer wieder vertrösten lassen, treibt allein durch Manhattan, wo er aufgewachsen ist und nun seiner superreichen Familie aus dem Wege zu gehen versucht. Schließlich trifft er auf Shannon (Selena Gomez), mit deren älterer Schwester er in der Schule zusammen war. Nach einer gestellten Kuss-Szene für einen Studentenfilm geraten auch hier die Gefühle in Wallung. „A Rainy Day in New York“ hat auf den ersten Blick alle Zutaten, die einen unterhaltsamen Woody-Allen-Film ausmachen: redselige Figuren, die sich immer tiefer in ihren Beziehungsschlamassel hineinreiten, hervorragende Schauspieler bis in die kleinste Nebenrolle hinein, melancholische Bilder eines dauerverregneten New Yorks mit viel Retro-Flair.

Dennoch will die Angelegenheit nicht funktionieren, weil Allen zwar versucht, durch seinen jugendlichen Cast das eigene filmemacherische Sein zu verjüngen, aber eben doch ganz der Alte bleibt. Wenn Zwanzigjährige mit Filmzitaten aus den 50er und 60erJahren um sich werfen, wirkt das genauso wenig glaubwürdig wie die naive Faszination der Journalistik-Studentin für den intellektuellen Sexappeal von ergrauten Arthouse-Regisseuren im MeToo-Zeitalter. Und so versuchen die jungen Schauspieler auch eher, den Vorbildern aus alten Allen-Filmen nachzueifern, als einen eigenen Ton zu finden. Allein Selena Gomez schafft es mit feinem Sarkasmus ihre Generation ein wenig zum Leuchten zu bringen.