Neu im Kino: "Paranza" ist eine Geschichte über Kinder in der Mafia

Neu im Kino : "Paranza" ist eine Geschichte über Kinder in der Mafia

"Paranza – Clan der Kinder" erzählt eine Geschichte aus dem italienischen Mafiamilieu. Der fabelhafte Franceso Di Napoli verkörpert die Entschlossenheit, Fragilität und adoleszente Energie seiner Figur mit einer enormen Leinwandpräsenz.

Auf den riesigen Weihnachtsbaum im Einkaufszentrum haben es der 15-jährige Nicola (Francesco Di Napoli) und seine Bande abgesehen. Als eine konkurrierende Gang herbeistürmt, klettert Nicola in den Baum und lässt sich nicht abschütteln, bis die Feinde in die Flucht geschlagen sind.

Die Trophäe wird mit vereinten Kräften aus der Shopping-Mall gezerrt und der Sieg mit einem großen Feuer gefeiert, um das die Jungs in Kriegsbemalung herumtanzen.

Das kindliche Ritual zu Beginn von Claudio Giovannesis Film „Paranza – Clan der Kinder“ zeigt die enorme, pubertäre Energie der Jugendlichen, die sich mit tollkühner Entschlossenheit nehmen, was ihnen nicht gehört. Es sind Kinder, die Gefahr als Spiel begreifen, und es sind Jungs, die sich danach verzehren, endlich Männer sein zu können.

In ihrer Heimatstadt Neapel bietet das System der Mafia ihnen eine Abkürzung. Als der Großteil des herrschenden Clans bei einer Hochzeit von der Polizei festgenommen wird, besorgen sich die Minderjährigen automatische Waffen, um die kriminelle Macht im Viertel an sich zu reißen. Auf Schutzgelder verzichten sie. Die Erlöse aus dem Drogenverkauf reichen aus für den Erwerb von Markenklamotten, kitschiger Wohn- und Schlafzimmereinrichtung für die liebe Mama und den ersehnten Logenplatz in der Diskothek.

Aber schon bald merkt Nicola, dass ihn die ersehnte Macht nicht nur zum Mann, sondern auch zum Mörder werden lässt. Mit „Paranza“ verfilmt Giovannesi den gleichnamigen Roman von Roberto Saviano. Seit seinem 2006 erschienenen Buch „Gomorrha“ gilt Saviano als ausgewiesener Mafiaexperte, dessen sorgfältig recherchierten Werke regelmäßig als Vorlage für Kinofilme und TV-Serien dienen. Dieser Hauch von Authentizität weht auch durch „Paranza“, der vornehmlich mit jungen Laiendarstellern aus Neapel besetzt wurde. Und so sind die jungen Schauspieler auch das eigentliche Kapital des Filmes.

Vor allem der fabelhafte Franceso Di Napoli verkörpert die Entschlossenheit, Fragilität und adoleszente Energie seiner Figur mit einer enormen Leinwandpräsenz. Diese Energie treibt auch den dynamischen Erzählfluss an, der erfolgreich verschleiert, dass sich die Story mehr an den einschlägigen Genrevorlagen orientiert als an der Widerspiegelung der Wirklichkeit.

Innerhalb dieser narrativen Begrenzungen zeichnet Giovannesi dennoch ein genaues Bild einer Gesellschaft, in die sich das organisierte Verbrechen tief eingeschrieben hat und kriminelle Gewalt für Jugendliche als naheliegende, selbstverständliche Alternative zum Leben an der Armutsgrenze darstellt.

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