Neu im Kino: "Das schönste Paar": Leben nach dem Trauma

Neu im Kino: "Das schönste Paar" : Leben nach dem Trauma

Sven Taddicken erzählt in seinem Beziehungsdrama, wie eine traumatische Erfahrung eine fast perfekte Liebe verändert.

Liv und Malte lieben sich. Das sieht man. Im wortwörtlichen Sinne, wenn das Paar zu Beginn des Filmes in einer abgelegenen Meeresbucht bei Sonnenuntergang Sex miteinander hat. Die romantische Leidenschaft der beiden bleibt nicht unbeobachtet. Oben in den Klippen haben drei Jugendliche heimlich zugeschaut, was Liv (Luise Heyer) und Malte (Maximilian Brückner) kichernd zur Kenntnis nehmen.

Aber als sie am Abend aus dem Restaurant zurückkehren, dringen die drei jungen Männer in ihr Apartment ein. Der Anführer zwingt die beiden sich auszuziehen und vergewaltigt Liv, während die Komplizen Malte festhalten.

Es ist ein schreckliches Horrorszenario, in das Regisseur Sven Taddicken das Publikum in den ersten fünf Filmminuten hinein wirft, um dann nach einem klaren Schnitt zwei Jahre vorzuspulen. Denn in „Das schönste Paar“ geht es um das Weiterleben nach traumatischen Erlebnissen. Auch wenn die Angreifer nie gefasst wurden, versuchen die beiden allmählich die Ereignisse auf Mallorca hinter sich zu lassen.

Nach Malte hat nun auch Liv gerade ihre Therapie beendet. Das Lehrerpaar strahlt im Alltag eine liebenswerte Vertrautheit aus, auch wenn die Harmonie immer wieder Risse bekommt und das sexuelle Miteinander noch überschattet ist. Aber dann begegnet Malte dem Täter (Leonard Kunz) unvermittelt in einem Imbiss und die hart erkämpfte Normalität ist dahin. Tagelang lauert er dem Vergewaltiger heimlich auf und erzählt schließlich seiner Frau von der Begegnung. Liv will zunächst nichts davon wissen. Es war für sie schwer genug einen Schlussstrich zu ziehen. Malte hingegen kann es nicht ertragen, dass der Gewalttäter frei herumläuft.

Mit einfühlsamen Analysevermögen widmet sich „Das schönste Paar“ der tiefen, seelischen Erschütterung, die sexuelle Gewaltverbrechen bei den Opfern hinterlassen, und den Auswirkungen, die solch traumatische Erlebnisse auf eine Paarbeziehung haben. Die unverhoffte Konfrontation mit dem Täter führt zu Kurzschlusshandlungen, in der Rachebedürfnisse und das Verlangen die Vergangenheit hinter sich zu lassen, gegeneinander antreten.

Dabei gelingt es Taddicken das unberechenbare Verhalten der Figuren stets schlüssig aus der psychischen Verfassung herzuleiten. Die Stärke des Films ist, dass er die tiefe Verbundenheit des Paares genauso glaubwürdig zeigt wie die individuellen Unterschiede im Umgang mit den hereinbrechenden Ereignissen. Luise Heyer und Maximilian Brückner sind als Leinwandpaar auf verhaltene Weise herzergreifend und verkörpern die offenen wie unterschwelligen Gefühle ihrer Figuren mit hoher Sensibilität. ⋌Brotfabrik

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