GA-Filmecke 29. Dezember - 4. Januar: Bonner Kinos bieten besonderes Silvesterprogramm

GA-Filmecke 29. Dezember - 4. Januar : Bonner Kinos bieten besonderes Silvesterprogramm

Jede Woche werfen wir einen Blick auf neue Filmstarts sowie auf das Programm in den Bonner Kinos. Diese Woche mit einer neuen "Jane Austen"-Verfilmung, einem anstrengendem Familientreffen und Specials an Silvester.

Wer in diesen Tagen ins Kino geht, kommt an einer Person kaum vorbei: Marion Cotillard. Die wunderbare, französische Schauspielerin ist aktuell in drei Filmen zu sehen. Bereits in der vergangenen Woche lief der Thriller "Allied" (Kinopolis) an, Anfang dieser Woche startete dann die visuell berauschende und überwältigende Videospiel-Verfilmung "Assassin's Creed" (Woki, Kinopolis), in der sie an der Seite von Michael Fassbender überzeugt. Ein Film, der trotz erzählerischer Schwächen mit herausragenden Action-Choreographien und virtuosen Bildern überzeugt.

Die vielen Facetten ihres Spiels lässt sich im nun startenden "Einfach das Ende der Welt" sehen. Darin spielt sie die Schwägerin des jungen Autors Louis, der nach vielen Jahren erstmals wieder zu seiner Familie fährt, um ihnen zu sagen, dass er bald sterben wird. Doch allein die Ankündigung seiner Ankunft versetzt die Familie in große Aufregung. Umgeben von Vorwürfen und Streitigkeiten fällt es dem 34-Jährigen schwer, den Moment zu finden, ihnen seine Nachricht zu übermitteln.

"Einfach das Ende der Welt" ist der sechste Film des Franko-Kanadiers Xavier Dolan - mit jedem wurde er zum Festival in Cannes eingeladen. Wie auch seine vorherigen Werke wie "Mommy" oder "Sag nicht, wer du bist" ist es die Inszenierung des 27-Jährigen, die heraussticht. Wie die Figuren im Raum positioniert sind, die die Kamera sie einzeln und auch zueinander einfängt, wie ihre Blicke wahrgenommen werden - hier zeigt der Regisseur, warum er auch als "Wunderkind" bezeichnet wird.

Doch waren auch schon Filme wie "Mommy" thematisch herausfordernd, wird das mit Vincent Cassel und Léa Seydoux prominent besetzte Kammerspiel "Einfach das Ende der Welt" im Laufe jedoch schwer erträglich. Oft schreien sich die Figuren an, machen sich Vorwürfe. Ruhige Gespräche und sachliche Diskussionen werden häufig im Ansatz erstickt. Nur manchmal durchbrechen fröhliche Momente und Erinnerungen die angespannte Situation. Einzig die Figur der Schwägerin zeigt sich besonnen und ruhig, funktioniert, trotz überzeugenden Spiels von Marion Cotillard, jedoch nicht als Gegenpol, da sie meist unter den den tobenden Konflikten untergeht. Louis beachtet das Geschehen meist, redet nicht viel. Wie soll er seiner Familie in dieser Situation von seinem baldigen Tod erzählen?

Diese innere Zerrissenheit macht Dolan sehr eindrücklich deutlich, schafft es aber nicht, den Zuschauer an die Figuren zu binden. Am Ende, in einem Moment der Ruhe, findet Dolan dann doch noch einen starken und im Gedächtnis-bleibenden Abschluss. Hängen bleibt auch der ungewöhnliche Soundtrack. Dolan setzt den schon fast in der Versenkung verschwundenen Song „Dragostea Din Tei“ ein, als er in Rückblenden die Kindheit von Louis beleuchtet. So unpassend das klingen mag, gelingt dem Regisseur doch ein stimmiger Einsatz. "Einfach das Ende der Welt" ist täglich im Rex zu sehen.

Eine neue Jane-Austen-Verfilmung

Generell starten an diesem Donnerstag bloß vier Filme in den Lichtspielhäusern, von denen zwei weitere auch in Bonn gezeigt werden. In der Neuen Filmbühne ist die Tragikomödie "Die Überglücklichen" zu sehen. Darin leben zwei grundverschiedene Frauen in einer psychiatrischen Anstalt, bis sie eines Tages die Möglichkeit nutzen zu fliehen und sie gemeinsam durch die sommerliche Toskana reisen. Verfolgt von Psychologen, freunden sich die beiden immer mehr an. Ebenfalls in der Neuen Filmbühne startet "Love & Friendship". Das prachtvoll ausgestattete und Ende des 18. Jahrhunderts angesiedelte Drama basiert auf Jane Austens Briefroman „Lady Susan“: Eine schöne sowie intelligente Witwe ohne Rücksicht auf Verluste ist auf der Suche nach einem Ehemann, um einer gesellschftlichen Ächtung aufgrund von Gerüchte über angeblichen Affären entgegenzusteuern. Als sie ihre Pläne durch das Auftauchen ihrer Tochter in Gefahr sieht, versucht die Witwe, auch für ihre Tochter einen Mann zu finden.

Specials und Sondervorstellungen an Silvester

Zu Silvester lassen sich die Kinos in Bonn besonderes einfallen. Das Kino in der Brotfabrik zeigt am Samstag, 31. Dezember, um 19.30 Uhr ein Silvester-Kurzfilmprogramm mit Stummfilmen aus der Frühzeit des Kinos in zumeist analogen 35mm-Fassungen. Das Rex zeigt am gleichen Tag um 20 Uhr einen Silvester-Überraschungsfilm, dazu gibt es Sekt und Wein. Zuvor ist im Rex bereits um 17 Uhr bereits die Liveübertragung des Silvesterkonzerts mit den Berlinern Philharmonikern zu sehen. Wer nach den Abendvorführungen noch feiern möchte, kein Problem: Sowohl die Vorstellungen in der Brotfabrik als auch im Rex sind gegen 21.30 Uhr bzw. 22.15 Uhr beendet.

Zu beachten sind zum Jahreswechsel teilweise verkürzte Öffnungszeiten: Die Filmbühne, das Kinopolis und im Stern gibt es bloß Vormittags- und (Nach)Mittagsvorstellungen, das Woki hingegen verzichtet einzig auf Spätvorstellungen, das Kino in der Brotfabrik zeigt vor den Stummfilmen keine weitere Vorstellung.

Film, Diskussion und Überraschungen

Im Rahmen der Kulturfilmreihe zeigt das Kinopolis am Montag, 2. Januar, um 19 Uhr "Frantz". Das deutsche Drama erzählt im Jahr 1919 von der jungen Frau Anna, die täglich das Grab ihres verstorbenen Verlobten besucht, als sie dort einen trauernden Franzosen entdeckt und ihn bei den Eltern des Toten einführt. Im Anschluss des Films diskutiert die Bonner Filmkritikerin Clara-Maria Schellhoss mit dem Publikum.

Das Woki nimmt nach zwei Wochen Pause wieder die Sneak Previews ins Programm auf. Los geht es im neuen Jahr am Mittwoch, 4. Januar, um 20:30 Uhr und um 22:30 Uhr. Einen Überraschungsfilm vor Bundesstarts zeigt auch das Kinopolis am Montag, 2. Januar, um 20.30 Uhr.

Alle Programme der Bonner Kinos in der Übersicht:

Und auch der deutsche Kritikererfolg "Toni Erdmann" ist am Samstag, 31. Dezember, 15 Uhr sowie am Sonntag, 1. Januar, 13.15 Uhr, auch mehr als einem halben Jahr nach Kinostart immer noch in der Neuen Filmbühne zu sehen. Ansehen lohnt sich!

Und zum Schluss bleibt noch eins: Ab ins Kino und viel Vergnügen.

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