Es stand im General-Anzeiger

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Neujahrsgruß an Hindenburg

Herr Präsident! Es ziemt zum neuen Jahr den deutschen Männern und den deutschen Frauen, daß sie auf Sie mit tiefstem Danke schauen, der Hilfe in der Not und Vorbild war!

Sie werden, wenn die Monde weiter wandeln, bald dreiundachtzig Erdenjahre alt.... Betrachten wir in ihrem Tun und Handeln zum Jahresschluß die ragende Gestalt:

Daß ernste, immer gütige Gesicht, durchfurcht von tiefer Sorge und Beschwerde, zeigt in der klaren Augen stillem Licht die Redlichkeit und die Geduld der Erde; des Vogels Mut, der Meere überfliegt, des frohen Sommerwindes weiche Wellen, der sich um reifes Korn im Felde schmiegt, wenn, Segen bringend, alle Früchte schwellen: das Mitleid weißen Schnees, der alles Leid mit mütterliche Händen leise deckt, und der den Berg verhüllt mit seinem Kleid der einsam sich bis in die Wolken reckt; des Lichtes duldende Gerechtigkeit, das sich der kleinsten Blume willig schenkt, und das die Eiche, trotzend ihrer Zeit, mit Kraft und Säften lebensfrisch durchtränkt; des immer frischen Brunnens, der am Wege den müden Wandrer gütig reich erquickt. Geheimnisvolle Kräfte werden rege wohin sein abgeklärtes Auge blickt.

Und seine Worte gleichen alten Eichen in einem flammenstolzen Wappenschild; und seine Taten waren ohne Gleichen; sie griffen kraftvoll und durch Güte mild wie Wurzel in die Felsen der Geschichte. So ragt er, wie ein ewig grüner Baum und wenn vollendet seines Lebens Traum, dann steht er aufrecht vor dem Weltgerichte.

Aus dem General-Anzeiger 31. Dezember 1929