GA-Podium und Fotovortrag zur Asyl- und Grenzpolitik der EU: "Zäune nützen nichts"

GA-Podium und Fotovortrag zur Asyl- und Grenzpolitik der EU : "Zäune nützen nichts"

Das Flüchtlingsboot treibt vor der Mittelmeerküste, Menschen springen von Bord. Dann gerät die Nussschale mit 500 Menschen aus dem Gleichgewicht und kentert. 106 Flüchtlinge sterben, die Journalisten Benjamin Stöß und Dietmar Telser beobachten das Unglück.

Am Mittwochabend hielten sie vor rund 80 Besuchern beim GA-Podium "Das gelobte Land" einen Fotovortrag über ihre dreimonatige Reise entlang der Grenzen Europas. Anschließend diskutierten sie und GA-Redakteur Lutz Warkalla mit den Zuhörern im Saal der Deutschen Welle.

Was Stöß und Telser bei ihrem multimedialen Projekt "Der Zaun" antrieb, waren die wenig zuverlässigen Informationen. Sie besuchten Bulgarien, Griechenland, die Türkei und Marokko und fanden heraus, dass es früher "relativ sichere Landwege nach Europa" gab. Mit dem Ausbau der Grenzen seien die allerdings abgeschnitten worden, weshalb sich die Flüchtlingsrouten nun häufig änderten und danach richteten, wie gut sie überwacht würden.

Im türkischen Aksaray trafen sie Flüchtlinge, die warteten, Schlepper suchten und Wege diskutierten. "Wie bezahlen die Menschen das überhaupt?", fragte ein Besucher. Stöß antwortete, dass die Menschen Häuser, Geschäfte und Grundstücke verkauften. Das reiche aber oft nur für ein Familienmitglied. "Das sind keine armen Leute, die nach Europa wollen, das ist eine gut ausgebildete Mittelschicht", sagte Telser.

Anstatt das Asylsystem auszubauen, investierten einige Länder in ihre Grenzssicherung. So steht in der spanischen Exklave Melilla in Marokko ein sieben Meter hoher Zaun, der nahezu unüberwindbar ist. "Der wird ständig erweitert, zum Beispiel mit Tränengas", erzählte Telser. In Griechenland sprachen die Journalisten mit Grenzern, die den Job nur machen, um nicht arbeitslos zu sein. "Dementsprechend resolut gehen sie mit den Flüchtlingen um und missachten auch Gesetze", erklärte Stöß. Die Beweggründe zu flüchten seien immer gleich: Menschen versuchten, in Europa eine bessere Zukunft aufzubauen. "Deshalb bin ich für ein neues Zuwanderungssystem ohne Zäune", antwortete Stöß auf die Frage eines Zuhörers nach einer Lösung.

Ein Mann aus dem Publikum sah das kritisch: "Wenn wir die Zäune abreißen, wird unser System auseinanderbrechen." Ein anderer schämte sich für die europäische Flüchtlingspolitik, weil sich die Staaten nicht einmal auf Aufnahmezahlen einigen könnten. "Was dort passiert, ist menschenverachtend", sagte er. Um Schleusern das Wasser abzugraben, schlug ein älterer Herr vor, Asylanträge schon in den Flüchtlingsländern stellen zu können. "Wenn die aber abgelehnt werden, versuchen sie es dennoch", gab Stöß zu bedenken. Zum Schluss bekam ein Gast viel Beifall: "Die Geschichte hat uns doch gezeigt, dass Zäune und Mauern nichts nützen."

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