Die Bundesstadt für Einsteiger: Was man in Bonn unbedingt wissen sollte

Die Bundesstadt für Einsteiger : Was man in Bonn unbedingt wissen sollte

Wo fängt man an, um eine neue Stadt kennenzulernen? Am besten bei A wie Anfang oder Alle-mal-malen-Mann. Dieser Streifzug durchs Alphabet zeigt, was typisch bönnsch ist und soll Lust auf mehr machen. Denn bei Z ist die Stadtgeschichte nicht zu Ende.

Alle-mal-malen-Mann: Jan Loh ist die lebende Legende des Bonner Nachtlebens. Mit seinem eigenwilligen Zeichenstil bannt der weißhaarige Stadtmaler Gruppen von Kneipengästen auf Papier, was ihm eine Fanseite im Internet beschert hat. Seinen Spitznamen verdankt er der stets wiederkehrenden Frage: "Soll ich euch alle ma' malen?"

Beethoven: Der berühmteste Sohn der Stadt wurde 1770 in der Bonngasse geboren. Das dortige Beethoven-Haus ist erste Adresse für den Elternbesuch. Außerdem kann es nicht schaden, sich als Neu-Bonner Schillers "Ode an die Freude" anzueignen: "Freude schöner Götterfunken..."

Castra bonnensia: 400 Jahre lang prägten den Römer die Stadt. Davon zeugen zahlreiche Straßennamen und Ausgrabungen. Zu besichtigen ist etwa das römische Bad unterm Collegium Albertinum an der Adenauerallee.

Daxe: In Bonn haben die Deutsche Telekom und die Deutsche Post ihren Sitz, das sind mehr Dax-Unternehmen als in Berlin.

Eiermann, Egon: Der Architekt entwarf das Abgeordneten-Hochhaus im Regierungsviertel, auch "Langer Eugen" genannt. Gleich neben dem Symbol des "alten Bonns" ragt das "neue Bonn" auf: der Post Tower.

Fluss: Der Rhein ist Wirtschaftsfaktor, Lieblingsmotiv romantischer Dichter und beliebtes Freizeitziel. Zum Auftakt der Tourismus-Saison Anfang Mai gibt es "Rhein in Flammen", ein Riesenspektakel mit Feuerwerk, Konzerten und Schiffskonvoi.

Gummibärchen: Haribo steht für Hans Riegel Bonn. 1920 ließ sich der Bonbonkocher ins Handelsregister eintragen. Die Geschichte des Unternehmens begann in einer Hinterhof-Waschküche in Kessenich. Dort kann man heute noch riechen, wenn Lakritz gekocht wird.

Halsbandsittiche: Wer einen knallgrünen Papagei im Garten entdeckt, muss nicht das Tierheim alarmieren. Die Exoten sind in Bonn inzwischen heimisch, fühlen sich besonders in den alten Alleebäumen wohl und fliegen mit lautem Geschrei über die Stadt.

Immi: So werden die Zugezogenen genannt, von denen es inzwischen mehr gibt als echte Ur-Bonner.

Jahrmarkt: Pützchens Markt heißt der geschichtsträchtige Riesenrummel, der Anfang September stattfindet. Ein Heimspiel für die Bonner Schausteller, die im Anschluss mit Achterbahn und Riesenrad zum Münchener Oktoberfest weiterziehen.

Karneval: Kein Grund, fluchtartig die Stadt zu verlassen. Am besten man fängt klein an: mit dem Karnevalszug vor der Haustür oder der Kostümparty. Das Gute am närrischen Treiben: Ganzjährig guckt niemand schief, wenn man ungewöhnlich kostümiert in die U-Bahn steigt, frei nach dem Motto: Jeder Jeck es anders.

Legenden: Die Bonner Stadtpatrone sind Cassius und Florentius, die als römischen Soldaten christlichen Glaubens den Märtyrertod gestorben sein sollen. Die heilige Adelheid bewahrte als Äbtissin die Menschen vor Elend und Dürre und ließ mit ihrem Stab in Pützchen eine Quelle sprudeln.

Moby Dick: Der Walfisch, der heute auf dem Rhein schwimmt, ist ein Schiff der Bonner Personenschifffahrt. Es verdankt seinen Namen und sein Aussehen dem weißen Wal, der 1966 den Rhein hinaufschwamm und in Bonn aufgetaucht war.

Nibelungen: Der sagenumwobene Ort, wo Siegfried den Drachen besiegt haben soll, ist nicht weit weg. Auf dem Drachenfels im Siebengebirge wird gerade ein neues Ausflugsrestaurant gebaut.

Ortsteile: Bonn ist eigentlich ein großer Haufen Dörfer. In den Ortsteilen gibt es oft ein reges Vereins- und Kulturleben. Die richtige Antwort auf die Frage "Woher kommst du?" lautet deshalb nicht Bonn sondern Poppelsdorf, Dottendorf, Muffendorf, Buschdorf, Dransdorf, Plittersdorf...

Promis: Man kann hier Stars aus Funk und Fernsehen treffen. Was vielleicht daran liegt, dass Bonner Kleinkunstbühnen wie Springmaus-Improvisationstheater und Pantheon ein kreatives Umfeld schaffen. Bonner sind zum Beispiel Rüdiger Hoffmann, Konrad Beikircher, Bernhard Hoecker, Bill Mockridge und Anka Zink. Aber auch René Obermann, Maybrit Illner, Norbert Blüm, Wolfgang Clement oder Peer Steinbrück kann man treffen.

Quälend: Der größte Nachteil der Stadt ist stetiges Kopfschmerzwetter, im Sommer oft heiß und feucht. Darüber stöhnen zumindest viele Zugereiste.

Rheinisches Grundgesetz: Um den Rheinländer besser zu verstehen, sollte man die Bündelung kölscher Redensarten kennen. Artikel 1: Et es wie et es (sieh den Tatsachen ins Auge).

Sauerbraten: Wer eine Ponyhof-Vergangenheit hat, sollte auf der Speisekarte genau hinschauen. Der Rheinische Sauerbraten wird nämlich im Original aus Pferdefleisch gemacht.

Telekom Baskets: Nicht nur sportlich in der Stadt die Nummer eins, sondern zurzeit an der Tabellenspitze der Basketball-Bundesliga.

UN: Nach dem Regierungsumzug wurde Bonn nicht nur Bundesstadt, sondern auch UN-Stadt. 18 Organisationen mit mehr als 950 Mitarbeitern haben hier ihren Sitz. Tendenz: steigend.

Verpoorten: Ei, Ei, Ei steht in großen Buchstaben am Verteilerkreis im Bonner Norden. Der gelbe Eierlikör gehört zu den Exportschlagern der Stadt.

WCCB: Wer alles über das Pleite-Bauwerk World Conference Center Bonn am ehemaligen Plenarsaal und den laufenden Prozess vor dem Bonner Amtsgericht wissen möchte, liest am besten auf www.ga-bonn.de/ millionenfalle nach.

X steht für Kuss, rheinisch Bützje: Das wertvollste Küsschen verteilt die Bonna, die Bonner Karnevalsprinzessin.

Y: Mit diesem Buchstaben beginnen die Kfz-Kennzeichen der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium hat seinen ersten Dienstsitz auf der Bonner Hardthöhe.

Zesammestonn: Eine der wichtigsten Tugenden des Rheinländers ist "zusammen stehen". Und dieser viel besungene Zusammenhalt ("Echte Fründe stonn zesamme") kann auch beim Semesterstart helfen.

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