Wanderer sind über Rodungen im Hardtbergwald irritiert

Wanderer sind über Rodungen im Hardtbergwald irritiert

Förster: Abholzungen sind legal

Brüser Berg. Georg Heinlein und seine Ehefrau wandern seit 1984 regelmäßig durch den Hardtbergwald. Die rüstigen Senioren gehen nahezu täglich ihre sechs Kilometer lange Runde durch den Wald zwischen der ehemaligen Schießanlage und der Autobahn 565.

Seit geraumer Zeit wundern sich die beiden Pensionäre über massive Abholzungen im Wald. "Das geht aber nicht nur uns so. Viele Bekannte, die ebenfalls hier spazieren gehen, stören sich an dem wüsten Anblick. Das sieht alles so unkontrolliert und unfachmännisch aus", erklärte Georg Heinlein.

Willi-Josef Wild, der im Forstamt Rhein-Sieg-Erft für die Betreuung der Privatwaldbesitzer zuständig ist, verschaffte sich am Dienstag vor Ort einen Eindruck von den Fällarbeiten. "Hier geht alles mit rechten Dingen zu", stellte der Förster fest. Wild erläuterte Heinlein, dass es sich bei den Parzellen um Privatwald handelt, der nicht zum Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) des Kottenforstes zählt.

"Es handelt sich zwar um Landschaftsschutzgebiet und es gibt auch Auflagen für die Waldbewirtschaftung, aber grundsätzlich sind private Waldbesitzer hier ziemlich frei in ihren Entscheidungen", sagte der Vertreter des Forstamtes.

Wild informierte Heinlein darüber, dass es für diese Waldstruktur zwei Methoden der Bewirtschaftung gibt. Entweder Kahlschlag und Aufforstung oder die sogenannte Naturverjüngung. Will heißen: Der Waldbesitzer lichtet den Wald durch Abholzung. Er entscheidet sich für gesunde Bäume, die er stehen lässt. Die schwächeren Exemplare, die in unmittelbarer Nähe stehen, werden gefällt. Dadurch bekommen die gesunden Bäume mehr Licht, Luft und Wasser.

"Durch Samen und Stockausschlag vermehren sich die Bäume dann. Dadurch gibt es in aller Regel einen gesunden, artenreichen und meistens auch standortgerechten Wald", betonte Willi-Josef Wild. In 30 bis 50 Jahren werde es an dieser Stelle sicherlich einen interessanten Mischwald geben. Für Waldbesitzer sei das ein Spiel mit Licht und Schatten. Werde zu viel abgeholzt, gebe es viel Licht. Dann würden Brennnessel und Gras wachsen. Gebe es zu viel Schatten, würden die jungen Bäume nicht wachsen.

Der Förster hat aber noch einen zweiten möglichen Grund für die Abholzungen ausfindig gemacht: "Was hier passiert ist, hat sicherlich auch etwas mit Besucherlenkung im Wald zu tun." Damit spielte Wild auf das Lagern der Holzreste im Gelände an. Viele Spaziergänger würden aus Gedankenlosigkeit querfeldein gehen. Dadurch entstünden wilde Trampelpfade. Die Folge sei, dass sich das Wild zurückziehen und die Vegetation platt getreten würde.

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