Ärztetest in Bonn: Vertreter der Krankenkassen überrascht das Ergebnis

Ärztetest in Bonn : Vertreter der Krankenkassen überrascht das Ergebnis

Das Ergebnis des GA-Ärztetests überrascht Karin Hamacher, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein in Düsseldorf, nicht wirklich. In der Tat beobachte sie, nicht nur in Bonn, die Tendenz, dass sich immer mehr Augenärzte von "konventionellen Praxen" zu rein operierenden Praxen umorientieren. Der Grund: Man verdient mehr.

Die Folge: Die wenigen Praxen, die noch die übliche Behandlung und Untersuchung anbieten, sind total überlaufen. Dabei ist Bonn laut KV sogar überversorgt mit Augenärzten. 25 niedergelassene Augenärzte sind als Soll angesetzt, 27 niedergelassene Ärzte versorgen die Bonner mit zusätzlich drei angestellten Augenärzten.

Ähnlich sieht der Versorgungsgrad in anderen Fachbereichen aus: Bei 128,3 Prozent liegt er bei den Orthopäden, bei 119 Prozent bei Kinderärzten und sogar bei 150 Prozent bei den ambulanten Chirurgen.

Ablehnen darf eine Praxis Kassenpatienten rein rechtlich, wenn sie überlaufen ist - außer bei einem Notfall, erklärt die KV-Sprecherin. Richtwerte gibt es zwar nicht, "aber man kann von keinem Arzt verlangen, dass er jeden Tag zwölf Stunden arbeitet". Dass es bei einigen Ärzten sofort, bei anderen erst in mehreren Wochen Termine gibt, erkläre sich mit der Auslastung: "Viele Patienten gehen über Empfehlungen zum Arzt. Da kann es sein, dass die eine Praxis ausgelasteter ist als die andere."

Das sieht ein niedergelassener Arzt aus Beuel, der nicht genannt werden möchte, anders: "Ich bin besser organisiert als viele andere Kollegen", meint er. Dass ein Privatpatient aber auch in solch einer ausgelasteten Praxis schneller einen Termin bekommt, erklärt Hamacher so: "Jede Praxis hält sich ein Zeitkontingent für Privatversicherte frei. Das muss auch so sein, weil viele Praxen ohne Privatpatienten gar nicht überlebensfähig wären."

Das sieht der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) völlig anders. "Die Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Vertreter der Krankenkassen haben sich beim kalkulatorischen Arztlohn auf 105.572 Euro brutto im Jahr geeinigt. Das ist das Durchschnittseinkommen eines Arztes, wenn er nur gesetzlich Versicherte behandelt", erklärt die stellvertretende Pressesprecherin der GKV in Berlin, Ann Marini. 105 572 Euro brutto - das heißt, die Kosten für Geräte und Praxis sind bereits abgezogen. Ebenso die Personalkosten für seine Mitarbeiterinnen.

Die KV-Sprecherin verweist auf die Liste der Regelleistungsvolumen. Danach bekommt ein Augenarzt pro Kassenpatient 12,91 Euro pro Quartal, unabhängig, wie oft er kommt. Der Orthopäde kann 22,72 Euro pro Patient pro Quartal abrechnen. Ein Psychotherapeut bekommt zwar 40,64 Euro für seine Behandlung, kann aber pro Quartal maximal 490 Fälle abrechnen, der Orthopäde 1 140 Patienten. Hamacher: "Jeder Patient, den er zusätzlich versorgt, wird abgestaffelt vergütet."

Laut GKV dürfen sich Ärzte nicht beschweren, denn der kalkulatorische Arztlohn von 105.000 Euro ist ein Durchschnittswert, "und da liegen alle Ärzte drüber. Ich tu mich schwer, deren Argumente zu akzeptieren", so Marini. 90 Prozent der Patienten seien gesetzlich versichert, die Privatpatienten profitierten von der Infrastruktur, die diese Patienten erst ermöglichten. Marini: "Kein Arzt wird gezwungen, für die KV zu arbeiten. Da ist es konsequenter, wenn ein Arzt sagt, er behandelt nur Privatpatienten. Aber ausgerechnet seine Hauptkunden schlechter zu bedienen, ist nicht nachvollziehbar."