Thomas-Mann-Straße in Bonn: Plattenladen "Mirrorball"

„Mirrorball“ in Bonn : Das bietet der Plattenladen in der Thomas-Mann-Straße

Im Mirrorball an der Thomas-Mann-Straße kosten Schallplatten bis zu 250 Euro. Die Bonner Ravindra Murti und Roger Specht haben sich damit selbstständig gemacht.

Wo der Besucher auch hinblickt, überall sieht er Schallplatten. An der Wand, auf Regalen und in speziellen Kästen. Die Einrichtung des Plattenladens Mirrorball ist schlicht gehalten und versprüht  eine gewisse Eleganz. „Die Leute wollen wühlen“, sagt Ravindra Murti mit Blick auf die gut gefüllten Kästen.

Rund 5000 Schallplatten hat Murti, der den Laden mit Roger Specht betreibt, derzeit im Angebot. „Mit der Zeit wurden es immer mehr Platten. Die Schallplatte feiert ein Revival, also nach mehr als 30 Jahren kommt die LP nun wieder“, so Murti. Die Vorteile liegen für ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Nicht nur die Haptik, sondern auch der Klang sei einzigartig. „Wenn ich heutzutage eine CD in die Hand nehme, brauche ich eine Brille, um alles lesen zu können. So klein ist das. Bei den LPs ist das etwas anderes“, sagt Roger Specht. Damit spielt er auch darauf an, dass einige der LP-Verpackungen kleine Kunstwerke sind. Aufwendige Fotografien, Zeichnungen oder Collagen zieren die meisten Plattencover.

Eine Passantin bleibt vor dem Laden stehen, blickt in das Ladenlokal, das auch von außen die Blicke auf sich zieht, weil die atmosphärische Beleuchtung bereits von der Straße aus sichtbar ist. Die Frau mittleren Alters betritt das Geschäft. In seiner lockeren Art ruft ihr Mirrorball-Chef Murti ein lautes „Hi“ zu. Die Frau hat eine eigene Schallplattensammlung und möchte diese nun veräußern. Ob Interesse besteht, fragt sie. Murti ist gleich begeistert und fragt gezielt nach den Platten. Als er hört, dass es sich überwiegend um brasilianische Musik handelt, huscht ihm ein Lachen über das Gesicht und mit einem „Wow“ übergibt er der Dame seine Visitenkarte. Im Mirrorball finden Musikliebhaber Platten jeglicher Musikrichtungen und vor allem auch in allen Preiskategorien. Es gibt Evergreens für sechs Euro, aber auch Platten für echte Sammler, die schon mal bis zu 250 Euro für eine Rarität auf den Tisch legen müssen.

Murti und Specht haben im Mai 2018 ihr Geschäft in der Thomas-Mann-Straße in der Bonner Innenstadt eröffnet. „Wir sind wie die Jungfrau zum Kinde zu diesem Laden gekommen, da war auch sehr viel Glück dabei“, erzählt Murti. Es sei auf jeden Fall die „beste Entscheidung seines Lebens“ gewesen. Beide glauben fest an ihr Geschäft und haben alles genau kalkuliert. „In den ersten Jahren der Selbstständigkeit zahlt man immer etwas drauf, aber das pendelt sich dann alles mit der Zeit ein“, ist sich Murti sicher. In einer „Nacht- und Nebelaktion“ hätten sie ihren Laden dann eingerichtet und mit der Zeit immer mehr Kontakte zu Schallplattenvertrieben aufgebaut. Ravindra Murti kontrolliert auf seinem Laptop daher stets, was die Vertriebe anbieten und ordert dann. „Bonn hat gerade eine gute Musik-Zeit“, findet er, „es wird vieles geboten. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass im Mai 2020 Kraftwerk auf der Hofgartenwiese spielen werden?“. Außerdem kehrt allmählich die Liebe zum Analogen zurück. Legt man sich am heimischen Spieler eine Platte auf, habe das etwas ganz anderes, als wenn man sich Musik einfach über das Smartphone herunterlade, so Plattenverkäufer Murti.

Für die richtigen „Platten-Nerds“ halten die beiden Musikfans eine spezielle Plattenwaschmaschine bereit. In der Zukunft sollen die Kunden auch die Möglichkeit haben, Plattenspieler zu erwerben – An zwei Geräten kann in die Platten reingehört werden. Werbung machen die beiden Geschäftsmänner kaum. „Wir haben keine Website, sind nur bei Facebook aktiv. Das reicht bislang“, so Ravindra Murti. Viele Kunden kommen über Mund-zu-Mund-Propaganda: Es spricht sich bei den Musikliebhabern schnell herum, wo es seltene und besondere Musik gibt.