Markt ist eng: Zweifelhaftes Geschäftsgebaren mit Immobilien in Bonn

Markt ist eng : Zweifelhaftes Geschäftsgebaren mit Immobilien in Bonn

Der Markt für Häuser und Wohnungen im Großraum Bonn ist eng. Kunden klagen, dass die hohe Nachfrage und das zu geringe Angebot an Immobilien für Reservierungsgebühren und überhöhte Provisionen ausgenutzt werden. Alteingesessene Maklerbüros weisen die Vorwürfe zurück.

Wohnungen und Häuser sind knapp in Bonn und der Region. Und es gibt offenbar Makler, die diesen Engpass ausnutzen. Auf der Bonner Immobilienmesse beklagte sich jedenfalls eine Frau aus Alfter, die seit langem ein Einfamilienhaus sucht, dass ihr bereits Objekte mit einer Reservierungsgebühr in Höhe von 1000 Euro angeboten worden seien (der GA berichtete).

Zudem habe ein Makler statt der üblichen Provision von drei Prozent (plus Mehrwertsteuer) sechs verlangt. Dass sich Makler mit der Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge schwer tun, ist ein weiterer Vorwurf, den man aus Helferkreisen hört. Auch der Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr übt Kritik. Was an den Vorwürfen dran ist, wollte der General-Anzeiger von zwei alteingesessenen Bonner Maklerbüros wissen: der Kraft Immobilien GmbH und der R. Dieter Limbach Immobilien KG. Beide Büros sind Mitglieder des Maklerverbunds Bonner Immobilien Partner (BIP).

Wenn es um die Vermietung von Wohnungen an Flüchtlinge geht, betont Limbach-Geschäftsführer Wieland Münch: „Wir arbeiten nach dem Bestellerprinzip. Auftraggeber ist der Vermieter. Von ihm bekommen wir rechtssicher unsere Provision.“ Fakt sei, „dass Vermieter heute stärker als noch vor einigen Jahren auf die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Mieters schauen“, so Münch weiter: „Wir sind selbst oft überrascht, was alles an Liquiditätsnachweisen verlangt wird.“ Da Flüchtlinge aber oft über kein eigenes Einkommen verfügten, bleibe seinen Mitarbeitern nur eine Möglichkeit: „Wir geben den Flüchtlingen eine Kontaktliste mit den Wohnungsbaugesellschaften in der Region.“

Hundehalter und Lehrer haben's schwer

Auch Bernd Viebach, Projektleiter bei Kraft Immobilien, unterstreicht: „Es ist der Vermieter, der die Kriterien so eng setzt.“ Dazu gehöre beispielsweise, dass oft nicht an Hundehalter, Raucher, Ehepaare mit Kindern sowie Lehrer und Juristen vermietet werde.

Und es geht noch doller. Ein Bonner Makler, der nicht genannt werden möchte, schildert einen Fall, der zeigt, welche Vorbehalte es bei Auftraggebern gibt. Für eine Wohnung suchte ein Eigentümer einen solventen Mieter. Eine geeignete Mieterin fand sich rasch, eine dunkelhäutige Frau mit Mann und Kindern. Die Frau konnte eine bestens bezahlte Festanstellung bei einem bekannten Medienunternehmen nachweisen. Trotzdem bekam sie die Wohnung nicht. Schlimmer noch – das Maklerbüro verlor den Auftrag und musste sich vom Auftraggeber anhören: „Ich hätte nicht gedacht, dass Sie die Wohnung einer Dunkelhäutigen anbieten würden.“

Vorbehalte nicht neu

Solche Vorbehalte sind auch für Jürgen Schönfeld, Geschäftsstellenleiter des Mieterbunds in Siegburg, nicht neu: „Tatsächlich haben Flüchtlinge große Probleme, eine Wohnung zu bekommen.“ Sie konkurrierten mit all jenen Einheimischen, die ebenfalls nur bescheidene Einkommen haben. Manche Vermieter hätten auch eine irrationale Angst vor dem Fremden. „Selbst gut integrierte Migranten, die seit Jahrzehnten hier leben, haben Schwierigkeiten, eine Wohnung zu bekommen“, stellt Schönfeld fest.

Entscheidend ist nach seiner Erfahrung das Geld: „Ein normales Einkommen reicht schon nicht mehr. Derjenige, der am meisten verdient, bekommt die Wohnung.“ Und das Geschäft floriere prächtig: „Es war noch nie so einfach, Makler zu sein“, so Schönfeldt: „Sie müssen das Angebot nur ins Internet stellen, schon haben Sie zahlreiche Bewerber. Es kann das Maximale an Mieten herausgeholt werden.“ Das führe zu immer weiteren Steigerungen, die sich irgendwann im Mietspiegel niederschlagen – bei der Berücksichtigung der ortsüblichen Vergleichsmiete. „Der überhitzte Wohnungsmarkt wird so auch auf die Bestandsmieter durchschlagen“, warnt Schönfeld. „Das wird ein gesamtstädtisches Problem.“

Dem widerspricht Makler Wieland Münch heftig: „Tatsache ist, dass seit Einführung des Bestellerprinzips das Vermietungsgeschäft bei den Maklern massiv eingebrochen ist.“ Weniger als 50 Prozent aller Vermietungen liefen noch über Makler. Daher hätten viele Unternehmen die Vermietung eingestellt, weil das Geschäft mühevoll sei. „Da auch die Mietpreisbremse eingeführt wurde, achten professionelle Makler darauf, dass die Miete sich im zulässigen Bereich bewegt und am aktuellen qualifizierten Mietspiegel orientiert.“

Professionelle Arbeit ist gefordert

Auch sei es keineswegs leicht, eine Wohnung seriös zu vermieten, wenn sich auf eine Anzeige 100 oder mehr Interessenten melden, so Münch. Die meisten wollen ja auch besichtigen. „Hier ist professionelle Arbeit gefordert, die nicht in wenigen Stunden abgehandelt ist.“ Eine Überhitzung des Markts kann er nicht erkennen. Er betont vielmehr, dass der Mietspiegel in Teilen die tatsächlichen Marktpreise nicht widerspiegele und angepasst werden müsse.

Es kursieren aber auch Vorwürfe in der Stadt, einige Makler würden bei Immobilienverkäufen die Not von Käufern ausnutzen und ihre Provisionen nach oben schrauben. Helmut Schlotawa, Geschäftsführer der Kraft Immobilien GmbH, bestätigt das: „Wir haben festgestellt, dass einige Bonner Makler bei begehrten Objekten die Provisionsforderungen bis zum Doppelten erhöhen.“ Dieses zweifelhafte Geschäftsgebaren lehne sein Büro ab: „Bei uns zahlen Käufer und Verkäufer die für NRW übliche Provision von drei Prozent plus Mehrwertsteuer.“ Das gelte für alle Makler des BIP-Verbunds. „Nur beim Verkauf von Botschaftsgebäuden berechnen wir erhöhte Courtage“, ergänzt Makler Münch. Das hänge damit zusammen, dass die Akquise der Objekte oft Jahre dauere.

Was Reservierungsgebühren angeht, kommt es laut Schlotawa in der Praxis häufig vor, dass sich mehrere potenzielle Käufer für eine Immobilie interessieren: „In solchen Situationen gilt es für einen erfahrenen Makler, spontane Begeisterung von seriöser Kaufabsicht zu trennen.“ Bis zum Notartermin können dann immer noch einige Wochen verstreichen. „In diesen Fällen kann eine Reservierung sinnvoll sein“, erklärt er. Diese Gebühr, die zehn bis 15 Prozent der Courtage betrage, werde beim Kauf verrechnet. „Wir müssen uns als Makler ja absichern, da bei einer Reservierung das Objekt vorerst aus dem Markt genommen wird.“ Aber auch der Interessent bekomme die Sicherheit, zum Zug zu kommen. Für Makler Schlotawa ein faires Instrument für alle Beteiligten: „Unsere Firma besteht jetzt seit 35 Jahren. Ich habe noch nicht einmal erlebt, dass ein reserviertes Objekt nicht verkauft worden ist.“