Benefizgala in Beuel: Zwei syrische Künstler im Brückenforum

Benefizgala in Beuel : Zwei syrische Künstler im Brückenforum

Mut, Hoffnung und Zuversicht standen im Fokus des Benefizabends „Stark für uns Pänz“ im Beueler Brückenforum zugunsten des Familienfonds „Robin Good“ von Caritas und Diakonie gegen Kinderarmut.

„Wir wollen mit dieser Veranstaltung ein Zeichen gegen die skandalöse, wachsende Kinderarmut setzen“, sagten die Initiatoren Peter Kox und Felix von Grünberg. Herausragende Künstler des Abends waren zwei Geflüchtete: Aehan Ahmad und Shahin Najafi. Aehan Ahmad bedeutet steigender Berg. Standhaftigkeit bewies der syrisch-palästinensische Pianist, als er in Syrien zwischen zerbombten Häusern gegen den Schrecken des Krieges spielte – bis die Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staates sein Klavier in Brand setzte.

Bis zu dieser Barbarei schenkte er mit Beethoven, Bach, Chopin und Mozart den traumatisierten Menschen im Flüchtlingslager Jarmuk vor den Toren von Damaskus ein wenig Freude und Zuversicht. „Ich wollte den Menschen Hoffnung geben, sie zum Durchhalten animieren“, erzählte der mit dem Internationalen Beethovenpreis ausgezeichnete Pianist. Ein BBC-Video auf YouTube machte seinen couragierten Widerstand mit dem Klavier weltweit bekannt.

2008 musste Aehan Ahmad fliehen, kam über die Balkanroute nach Deutschland. Shahin Najafi floh 2005 nach Deutschland, nachdem er für sein Lied „Ich trage einen Bart“ zu drei Jahren Gefängnis und 100 Peitschenhieben verurteilt worden war. Vor fünf Jahren gaben ihn zwei Großmullahs zum Abschuss frei, erließen ein Todesdekret wegen „Gotteslästerung und Abfall vom Glauben“ und setzten ein Kopfgeld von 100 000 Dollar aus. Bis heute wird er immer wieder mit dem Tode bedroht.

Doch der Rapper und Gitarrist ließ sich nicht einschüchtern, dichtete schärfer gegen den islamischen Extremismus als zuvor. Heute ist Ahmad ein Youtube-Star für junge Iraner, die sich für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte in ihrer Heimat einsetzen. „Ich habe keine Angst, lasse mich nicht einschüchtern. Ich mache weiter“, sagte er unter dem Beifall der 350 Zuhörer im Brückenforum.

Wallraff sagt aus gesundheitlichen Gründen ab

Auch Günter Wallraff wollte bei der Benefiz-Gala dabei sein, musste aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. „Er hat einen Schwächeanfall erlitten. Er hat sich überarbeitet. Schon bald wird er aber bei einer Demonstration des DGB in Bonn auftreten“, teilte von Grünberg mit. Die Bonner Poetry-Slammerin Ella Anschein gab der Abschottungspolitik der EU und den Losungen des Rechtspopulismus den verbalen Knockout.

Trotz des ernsten Themas der Benefiz-Veranstaltung kam der Humor nicht zu kurz: Konrad Beikircher gab Geschichten aus dem rheinischen Kosmos zum besten. Robert Alich hatte bemerkenswerte Ratschläge für protestantische Kostverächter und andere Fundamentalisten. Dave Davis, Comedian mit ugandischen Wurzeln, fragte sich, ob „Petri Heil“ ein Anglergruß oder ein Aufruf, die rechte Hand zu heben, ist. Laut Kox kamen bei der Gala 4500 Euro zugunsten von Robin Good zusammen. Ziel des Familienfonds sei es, Familien, die in eine Notlage geraten sind, schnell und unbürokratisch zu helfen.