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Prozess nach Feuer in Bad Godesberg: Zwei Albaner stellten eigene Brandstiftung als Film ins Netz

Prozess nach Feuer in Bad Godesberg : Zwei Albaner stellten eigene Brandstiftung als Film ins Netz

Für ein Feuer in einem Asylbewerberheim müssen sich zwei junge Männer verantworten. Bei der Tat filmten sie sich selbst. Statt wie geplant abgeschoben zu werden, könnten sie jetzt länger in Deutschland bleiben - allerdings in Haft.

Seit Oktober 2015 gilt Albanien als sicheres Herkunftsland. Entsprechend zügig werden seither fast alle Asylanträge, die von Bürgern des Westbalkanlandes in Deutschland gestellt werden, als offensichtlich unbegründet abgelehnt. So auch im Falle von zwei jungen Männern im Alter von 19 und 24 Jahren, die im April vergangenen Jahres nach Bonn gekommen waren. Bereits nach drei beziehungsweise sechs Tagen wurde den beiden mitgeteilt, dass sie ausreisepflichtig seien und die Zentrale Unterbringungseinheit (ZUE) in der Godesberger Deutschherrenstraße demnächst verlassen müssten. Das sollen sie zum Anlass für eine folgenschwere Straftat genommen haben.

Die Einrichtung dient als eine Art Zwischenstation für Asylbewerber, in der sie nach ihrer Registrierung in der Regel einige Wochen bleiben. Die Ablehnung ihres Antrags gefiel den beiden Männern natürlich nicht, aber anstatt die Entscheidung zu akzeptieren, sollen sie aus Unmut über ihre Situation das von ihnen gemeinsam bewohnte Zimmer in Brand gesteckt haben. Das wird ihnen von der Bonner Staatsanwaltschaft vorgeworfen.

Möglicherweise bereits Ende des Monats müssen sie sich daher wegen schwerer Brandstiftung vor dem Landgericht verantworten. Falls sie schuldig gesprochen werden, könnten die beiden bis zu 15 Jahre im Lande bleiben – allerdings in Haft, denn für den Tatbestand der schweren Brandstiftung sieht das deutsche Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe zwischen einem und maximal 15 Jahren vor. Mindestens die Hälfte der verhängten Strafe müssten die jungen Albaner in Fall einer Verurteilung in Deutschland verbüßen; frühestens dann könnten sie abgeschoben werden.

Einsatzkräfte konnten Brand glücklicherweise schnell löschen

Als am 5. August um 13.20 Uhr wieder einmal Sirenengeheul durch Godesberg tönte, fürchteten viele einen weiteren schlimmen Brand: Schließlich hatte gerade zwei Tage zuvor ein Feuer in der Schreinerei Ungerathen für Unruhe im Stadtbezirk gesorgt. Die Befürchtungen bestätigten sich – glücklicherweise konnte das Feuer aber dank der schnell eintreffenden Hilfskräfte zügig unter Kontrolle gebracht werden. Dennoch stand das Zimmer V 736, in dem die beiden Albaner untergebracht waren, beim Eintreffen der Feuerwehr bereits „in Vollbrand“, wie es Einsatzleiter Albert Lehmann seinerzeit ausgedrückt hatte.

Den Ermittlern zufolge hatten die beiden Bewohner gegen Mittag damit begonnen, Matratzen, Wolldecken, Schuhe sowie weitere Kleidung auf einem Tisch in der Zimmermitte zu stapeln. Der Jüngere soll dabei laut Anklage hauptsächlich Anweisungen gegeben und anschließend mit seinem Smartphone gefilmt haben, wie sein Kumpane den Textilhaufen mit Hilfe eines Papierstücks in Brand setzte.

Gesamtschaden von rund 120.000 Euro

Wie geplant, breiteten sich die Flammen schnell im gesamten Raum aus. Nach Abschluss der Löscharbeiten war zu sehen, dass der Innenputz großflächig abgeplatzt war und die Fensterscheiben geborsten waren. Auch die Außenfassade war in Mitleidenschaft gezogen worden, der Gesamtschaden wurde auf rund 120.000 Euro taxiert.

Ernsthaft verletzt wurde bei dem Vorfall keiner der zum Tatzeitpunkt zirka 250 Bewohner, allerdings wäre der Brand ohne das zügige Eintreffen der Feuerwehr wohl kaum auf das Zimmer begrenzt geblieben. Während der Löscharbeiten mussten rund 150 Menschen evakuiert werden. Offenbar posteten die mutmaßlichen Brandstifter nach ihrer Tat ein Video des Geschehens in diversen sozialen Medien.