Stadtentwicklung: Zurich-Areal: Verhandlungen weit gediehen

Stadtentwicklung : Zurich-Areal: Verhandlungen weit gediehen

Das Areal der Zurich-Versicherung an der Poppelsdorfer Allee wird in jedem Fall an einen Investor verkauft. Bernd Engelien, Sprecher der Versicherung, die in zwei Jahren nach Köln ziehen wird, sagte, Immobilie und Grundstück würden nicht im eigenen Besitz bleiben.

„Unser Ziel war und ist es, unsere Häuser in Köln und Bonn in einem Neubau in Köln-Deutz zusammenzuführen“, sagte Engelien. Für die Gegenfinanzierung sollen die Immobilien in der Bonner Südstadt – dazu zählt auch das Hotel Bristol – und in Köln veräußert werden. Die Verkaufsverhandlungen seien in vollem Gange, mehr wollte Engelien dazu nicht sagen. Gerüchte, dass sie kurz vor dem Abschluss stünden, wollte der Sprecher aber nicht bestätigen.

Das bebaute Gelände ist eingeschlossen zwischen Poppelsdorfer Allee, Prinz-Albert-Straße, Bonner Talweg und Heinrich-von-Kleist-Straße. Der Besitz der Versicherung zieht sich bis fast zur Hälfte der Heinrich-von-Kleist-Straße, auch das von Günnewig betriebene Hotel Bristol gehört Zurich. Was soll nun an dieser Stelle, einer der begehrtesten Stadtlagen überhaupt, passieren, wenn die 1600 Mitarbeiter – die meisten von ihnen arbeiten an der Poppelsdorfer Allee, einige im Haus an der Rabinstraße – in zwei Jahren Bonn Richtung Norden verlassen? Zurich will einen Wettbewerb ausschreiben und bezahlen. „Ein normaler Vorgang, um herauszufinden, was denkbar wäre“, erklärte Engelien. Sollte es zu einem baldigen Verkauf kommen, würde ein solcher Wettbewerb automatisch auf den jeweiligen Käufer übergehen und von ihm finanziert werden. Zurich plant eine Anmietung der Immobilie, bis der Neubau in Köln bezugsfertig ist.

Die Stadtverwaltung stellt derzeit öffentlich drei grobe Planungsvarianten vor, die aus ihrer Sicht für einen neuen Bebauungsplan infrage kommen. Die Bürger können sich noch bis morgen, Freitag, im Stadtplanungsamt im Stadthaus, Etage 8C darüber informieren und entsprechend Ideen einbringen. Erklärte Ziele in allen Fällen: eine stadtverträgliche Struktur, angepasst an die gründerzeitliche Umgebung und eine Mischnutzung mit Wohnraum. Eine Bürgerversammlung hat es bereits gegeben (der GA berichtete).

In allen drei Varianten für das Grundstück des ehemaligen „Deutschen Herold“ bleibt der Gebäuderiegel am Bonner Talweg erhalten für Büros, in der Heinrich-von-Kleist-Straße für Wohnen. Der „Schlösschen“ genannte Altbau neben dem Bristol steht ohnehin unter Denkmalschutz. Die Pläne beziehen sich vor allem auf Neubauten zur Poppelsdorfer Allee hin sowie den inneren Kern des Quartiers und die Zukunft des Hotels.

Der Betreiber, die Günnewig Betriebsgesellschaft mit Hauptsitz in Düsseldorf, kann sich einen Kauf des Gästehauses vorstellen. Das sagte der Geschäftsführer der Günnewig & Co. Verwaltungs GmbH, Karl-Wilhelm Kaiser, dem General-Anzeiger. Das zweite Haus am Platz, das Residence-Hotel in der Kaiserstraße, habe Günnewig erst im Februar dieses Jahres der Universa-Versicherung abgekauft. „Wir sind sehr zufrieden mit der Auslastung beider Häuser“, sagte Kaiser. Ob es nun mit dem Kauf des Südstadt-Hotels mit 140 Zimmern, das in den 1980er Jahren eröffnete, klappt oder nicht: Der Pachtvertrag läuft in jedem Fall weitere 15 Jahre. Kaiser: „Wir müssen mit dem künftigen Besitzer sicher über Investitionen sprechen, beispielsweise über neue Klimaanlagen und den Umbau der Restaurants, die in ihrer Größe nicht mehr zeitgemäß sind.“ 50 weitere Zimmer könne das Haus an der Prinz-Albert-Straße laut Geschäftsführer ebenfalls gut vertragen.

Die Ideen der Stadt sehen folgendermaßen aus: Plan A sieht im Inneren den umfangreichsten Neubau vor, der im Grundriss etwa eine 8 darstellt, die direkt ans „Schlösschen“ anschließt, ein Flügel des Hotels zur Wohnbebauung an der Prinz-Albert-Straße würde neu gebaut, der überwiegende Teil des in die Jahre gekommenen Gästehauses bliebe erhalten.

Plan B: Wo heute das Hotel steht, würde ein deutlich schlankerer, neuer Eckbau entstehen. Sieben verhältnismäßig kleine Neubauten entstünden im Inneren: eine deutlich luftigere Lösung mit zwei neuen Häusern an Poppelsdorfer Allee und Heinrich-Kleist-Straße.

Plan C: Zwei L-förmige Bauten lassen Raum für eine Art Innenhof. Ein Büro- und ein Wohnhaus sieht der Plan neben dem „Schlösschen“ vor. Das Bristol würde abgerissen und ein viereckiges Gebäude mit einem Innenhof errichtet.

Die Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung fließen in den städtebaulichen Wettbewerb ein, den Zurich anstoßen will. Die beste Lösung soll Grundlage für den Bebauungsplanentwurf sein. Die Stadt wird die Aufgabenstellung für den Wettbewerb mit formulieren. In dem entsprechenden Gremium sitzen Vertreter der politischen Gremien und der Verwaltung, sagte der stellvertretende Stadtsprecher Marc Hofmann dem GA.

Die Planungsvarianten und Hintergründe erörtert die Stadt auch auf ihrer Internetseite www.bonn.de, Suchwort: Deutscher Herold.