Podiumsgespräch des Bonner Architektenbundes: Zur Ermekeilkaserne soll es eine Bürgerwerkstatt geben

Podiumsgespräch des Bonner Architektenbundes : Zur Ermekeilkaserne soll es eine Bürgerwerkstatt geben

Für die Entwicklung der ehemaligen Ermekeilkaserne wird es eine "ganz besondere Form der Bürgerbeteiligung" geben. Das versprach am Dienstagabend Kerstin Hemminger, Abteilungsleiterin im Stadtplanungsamt der Bundesstadt Bonn, bei einem Podiumsgespräch, zu dem der Bund Deutscher Architekten (BDA) Bonn-Rhein-Sieg ins Geographische Institut eingeladen hatte.

Und das Interesse an der Zukunft des mitten in der Südstadt gelegenen Areals war groß. Mit mehr als 100 Gästen war der Hörsaal fast komplett besetzt.

Hemminger sagte, der Bewilligungsbescheid für einen Landeszuschuss, um ein aufwendigeres Verfahren in Art einer Bürgerwerkstatt durchzuführen, sei bereits eingegangen. Das Fachamt befinde sich voll in den Vorbereitungen. Die Stadtplanerin hatte zuvor die Eckpunkte des Projekts zusammengefasst: Die Stadt hat sich den Erstzugriff auf das Areal gesichert, der Kaufpreis wird zurzeit vom Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ermittelt. Der Rat hat bereits einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan gefasst. Unter anderem sollen "nachhaltige und attraktive bauliche Strukturen mit dem Schwerpunkt Wohnen entstehen. Dabei sind auch sozialer Wohnungsbau sowie alternative Wohnprojekte zu berücksichtigen."

Fritz Botermann von der Ermekeilinitiative unterstrich, dass es dem Verein darum gehe, hier ein "lebendiges Quartier der Vielfalt" zu entwickeln. Treffmöglichkeiten, Raum für Cafés und kleine Ateliers und Werkstätten, aber auch neue Wohnformen etwa für Menschen mit Unterstützungsbedarf sollen hier entstehen. Es soll vor allem Wohnraum sein, der bezahlbar ist. Hier wurde die erste unterschiedliche Auffassung zwischen Initiative und Verwaltung klar. Während es der Initiative darum gehe, Wohnungen für den Mittelstand bereitzuhalten, sieht Hemminger hier auch Raum für den öffentlich geförderten - also Sozialwohnungen. Doch das, ebenso wie "Luxussanierungen", lehnt die Initiative ab.

Auch die Frage von Mobilität, die Möglichkeit von Carsharing wurde angesprochen. Die Initiative meint, das Parkhaus der Telekom nebenan könnte vielleicht von den künftigen Bewohnern der Kaserne mitgenutzt werden. Die Zufahrt auf das Gelände, so das Ergebnis eines eigenen Workshops, könnte von der Reuterstraße aus erfolgen.

In der anschließenden engagierten Diskussion machte Irene Kuron von der CDU Baumschulviertel/Südstadt keinen Hehl daaus, dass sie die Rolle der Initiative kritisch sieht. Vor allem, dass die Stadt auf deren Konzept aufbaue gefiel ihr nicht. Das seien nicht die Sprecher der Nachbarschaft, zumal viele gar nicht aus der Südstadt kämen. Dies rief viel Widerspruch hervor. Hemminger stellte klar, dass Grundlage für die weitere Diskussion um die Ermekeilkaserne nicht das Nutzungskonzept der Initiative sei, sondern das Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs und ein Beschluss des Stadtrates. Und Botermann sagte, dass die Hälfte der hundert zahlenden Mitglieder aus der Südstadt komme.

Andreas Pätz, heute Wirtschaftsförderer in Königswinter, verwies auf ein ähnliches Projekt in Tübingen, das er begleitet habe. Da habe man mit ganz neuen Trägern und Investorenmodellen gearbeitet und gute Erfahrungen etwa mit Baugemeinschaften gemacht.Viel Anklang fand am Ende der Einwand eines Anwohners, der die Ermekeilkaserne seit 1949 kannte: Trotz Verteidigungsministerium hätten sich dort später einige kleine Handwerksbetriebe angesiedelt. Leben müsse aber auch um die Kaserne herum wieder einkehren. Applaus.

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