Tour durch den UN-Campus: Zu Besuch bei den Vereinten Nationen in Bonn

Tour durch den UN-Campus : Zu Besuch bei den Vereinten Nationen in Bonn

Mehr als 4000 Besucher haben im vergangenen Jahr den undurchdringlich erscheinenden Zaun durchschritten. Was sich dahinter verbirgt zeigt Senior Advisor Harald Ganns, ehemaliger Botschafter in Namibia und Südafrika.

Wer das Glück hat, mit Harald Ganns, dem 1935 in Bonn geborenen ehemaligen Botschafter in Namibia und Südafrika, eine Führung durch den immer größer werdenden Bonner Campus der Vereinten Nationen (UN) zu machen, kann Bonner Hauptstadtgeschichte aus erster Hand erleben. Bis zu zwei Vorträge und Führungen bestreitet der 83-jährige Berater (Senior Advisor) des Regionalen Informationszentrums der Vereinten Nationen in Bonn (UNRIC) am Tag. Das halte ihn mental fit, schmunzelt Ganns, der zudem für sein körperliches Wohlbefinden noch regelmäßig Fußball spielt.

Obwohl inzwischen durch einige Studenten der Bonner United Nation University unterstützt, wäre sein Büro kaum in der Lage, mehr als diese beiden Führungen pro Tag anzubieten. "Im Vergleich zu den großen UN-Standorten in New York, Genf oder Wien stecken wir in Bonn ja noch in den Kinderschuhen", so Ganns. Trotzdem konnte der Besucherdienst in 2018 bereits mehr als 180 Gruppen über die Aufgaben der Bonner UN-Sekretariate informieren. So durchschritten immerhin etwa 4000 Besucher, den für manch einen "undurchdringlich" erscheinenden Zaun, der den UN-Campus umschließt. "Es ärgert uns immer ein wenig", so Ganns, "wenn die Leute behaupten, hier käme man nicht rein. Das ist jedoch nicht richtig. Man kommt rein!"

Blick aus dem Langen Eugen über Bonn

Entweder man ist Teil einer angemeldeten Gruppe, oder man besucht die UN mit einem Vortragsangebot der Volkshochschule. Einschränkend fügt der ehemalige Diplomat hinzu, dass er keine rein touristischen Führungen anbiete. "Das sind alles eher akademische Veranstaltungen", in denen jeweils ein Vortrag zu einem UN-relevanten Thema gehalten werde, der dann jedoch meist mit einem Besuch des 29. Stockwerks im "Langen Eugen" genannten ehemaligen Abgeordnetenhochhaus seinen krönenden Abschluss mit einem weiten Blick über Campus, Bonn und das Siebengebirge findet.

Zuvor konnte man dann beispielsweise ganz allgemein etwas über die Arbeit der Vereinten Nationen in Bonn erfahren, oder auch über Aufgaben und Arbeit der UN weltweit, über humanitäre Hilfe, die Blauhelmeinsätze der UN, Frieden und Sicherheit, Themen aus dem Bereich Umwelt sowie über nachhaltige Entwicklungsziele.

"Nachhaltigkeit gestalten" ist das Hauptthema der etwa 20 Bonner UN-Organisationen mit ihren rund 1000 Mitarbeitern, die Regierungen und Menschen weltweit helfen, Antworten und Wege für eine nachhaltige Zukunft auf unserem Planeten zu finden. Für Ganns ist die UN-Stadt Bonn "eine Erfolgsgeschichte, die noch nicht zu Ende geschrieben ist". Bonn sei 1991 nach der Hauptstadtentscheidung für Berlin keineswegs in einen "Dornröschenschlaf" gefallen, sondern habe einen bemerkenswerten Veränderungsprozess geschafft. Ein wichtiger Teil dieses Strukturwandels sei dabei die Entwicklung der Bundesstadt zu einem bedeutenden Standort der Vereinten Nationen geworden.

Unter den UN-Standorten von New York bis Wien spiele Bonn "in der ersten Liga", so Ganns. Was Infrastruktur, Arbeits- und Umweltbedingungen für die tägliche Arbeit der UN-Mitarbeiter betreffe, müsse sich Bonn hinter keinem der anderen Standorte der Vereinten Nationen verstecken. Dass Bonn "in rheinischer Tradition gastfreundlich und weltoffen" ist, wüssten auch die internationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schätzen. Man fühle sich in Bonn gut aufgehoben, weiß der Botschafter a. D. vor allem auch von den aus der ganzen Welt hinzugezogenen Familien zu berichten.

Und er empfiehlt dem einen oder anderen jungen UN-Mitarbeiter, dem es in Bonn auf Dauer vielleicht ein wenig zu ruhig und zu beschaulich sein könnte, sich in die Straßenbahn zu setzen und nach Köln, den "lebhaften Vorort Bonns", zu fahren.

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