Veranstaltung des Deutschen Buchhandels: Zora Werner gewinnt den 58. Vorlesewettbewerb

Veranstaltung des Deutschen Buchhandels : Zora Werner gewinnt den 58. Vorlesewettbewerb

Die 21 besten Mädchen und Jungen aus Bonner Schulen stellten sich am Dienstag dem Regionalentscheid des 58. Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels. Am Ende hatte die elfjährige Zora Werner die Nase knapp vorn.

„Warum lesen? Gibt doch TV!“ hat Florian Klein provokant auf seinem T-Shirt stehen. „Das ist Ironie“, erklärt der Zwölfjährige sicherheitshalber. Im Haus der Bildung wäre der Hardtberger sonst ja auch fehl am Platze - und besonders am Dienstagnachmittag, als dort der 58. Vorlesewettbewerb des deutschen Buchhandels vonstattengeht. In Bonn schon fast traditionell ausgerichtet von der Buchhandlung Witsch + Behrendt waren vorher wieder alle sechsten Klassen der Bonner Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien aufgerufen, ihren Schulsieger zu ermitteln. Die 21 besten Mädchen und Jungen kommen nun im Haus der Bildung zum Regionalentscheid zusammen.

In der Haut der fünfköpfigen Jury möchte man nicht stecken an diesem Nachmittag. Schon nach den ersten Beiträgen wirft Organisatorin Gundula Strauss etwas geplättet ein: „Das wird uns aber nicht leicht fallen.“ Tatsächlich zeigen die Schülerinnen und Schüler allesamt mit großem Einsatz, dass sie für den Wettbewerb bestimmt nicht zum ersten Mal ihre Nase zwischen zwei Buchrücken gesteckt haben. Am Ende fiel die Entscheidung denn auch äußerst knapp aus.

Souverän wie Profi-Synchronsprecher widmen die Kinder sich ihrem mitgebrachten Text und entführen dabei die anderen Vorleser, Klassenkameraden, Eltern und einige Großeltern in die Gedankenwelt der Kinderliteratur. Wer glaubt, in Zeiten von Youtube und Snapchat hätten nur noch eilige Schnipselgeschichten bei Teenagern eine Chance, der irrt. Dicke Wälzer wie die Harry-Potter-Romane, die Panem-Trilogie oder Bestseller von Cornelia Funke haben die Vorleser mitgebracht. Andere lesen aus modernen Detektivgeschichten oder Comming-of-Age-Romanen.

Genüsslich inszeniert etwa Eda Decker die Tisch-Dialoge einer genervten Jugendlichen mit ihren anstrengenden Helicopter-Eltern in dem Buch „Wie eine Nuss mein Leben auf den Kopf stellte“. Mancher Elternteil mit etwas Lampenfieber im Magen lacht dabei wiedererkennend auf. Nur einer trifft bereits in der dritten Generation den richtigen Ton bei den jungen Lesern: Erich Kästner. Seine Klassiker sind zahlreich vertreten. Gijs Brinkman deklamiert die Rede des Elefanten Oskar aus der „Konferenz der Tiere“ mit der Verve eines Wahlkämpfers. Der Text über die Versäumnisse der Eltern-Generation, die mit dem Feuer spielt, sei auch heute wieder aktuell, erklärte der Junge vorher .

Nach einer zweiten Runde mit einem unbekannten Text stand die Siegerin am Abend fest – war hauchdünn, aber verdient: Zora Werner wird Bonn auf der nächsten Ebene vertreten. Und alle Schulsieger freuen sich über neue Bücher.