Zirkus Flic Flac in Bonn: Punxx feiert Premiere

Erste Show des neuen Programms : Zirkus Flic Flac feiert mit „Punxxx“ Premiere in Bonn

Die Artisten von Flic Flac zeigten am Donnerstag den allerersten Auftritt der Show „Punxxx“ in Bonn. Noch bis zum 6. Oktober gastiert der Zirkus in Dottendorf. Wer Altbewährtes erwartet, dürfte eines Besseren belehrt werden.

Mallakhamb – schon mal gehört? Selbst als häufiger Zirkusgänger ist man erstaunt, dass in der Welt der Artistik immer wieder neue packende Disziplinen auftauchen. So wie das scheinbar mühelose Turnen an und auf einem Holzpfahl, das Sandeep Vithoba Kale aus seiner Heimat Indien für die aktuelle Show des Zirkus Flic Flac mit nach Bonn gebracht hat. Wer im Jubiläumsprogramm „Punxxx“ nur Altbewährtes erwartet, der wurde bei der Premiere am Donnerstagabend erfreulich eines Besseren belehrt.

Flic Flac steht seit drei Jahrzehnten für rasante artistische Unterhaltung mit ausgefeilten Bühneneffekten in seinem markanten schwarz-gelben Chapiteau. So haben zur Eröffnung nach dem komischen Kurzauftritt eines Donald-Trump-Doubles die Freestyle-Motocross-Fahrer alle Aufmerksamkeit für sich. Mit Anlauf über mobile Rampen in den Treppenaufgängen springen sie in hohem Bogen über die zentrale Bühne und verschwinden hinter dem Bühneneingang. Spätestens mit diesem rasanten Opener hat das Ensemble alle Aufmerksamkeit für sich gewonnen.

Später knattern die sieben „HellDrivers“ dann noch mit einer flotten Lady und reichlich Benzingeruch durch die übergroße Stahlkugel. Aber diesen Klassiker heben sich die Flic Flac-Chefs Larissa und Tatjana Kastein für den zweiten Showteil auf. Zunächst entführen sie ihr Publikum musikalisch unter den pumpenden Beats von Schlagzeuger Romain Vicente und auch atmosphärisch in die 1980er-Jahre. Tätowierte Typen in Lumpenlook, Leder und mit bunten Haaren gammeln in den Tag hinein. Viele Nieten in jeder Hinsicht.

Aber die „Punxxx“ von Flic Flac sollte man nicht unterschätzen. Sie tanzen grazil in strömendem „Purple Rain“ an einem Mast. Sie schwimmen in einem artistischen Wasser-Ballett wie verspielte Nymphen synchron in einem durchsichtigen Taufbecken oder formen im Trio immer neue waghalsige Gleichgewichtsübungen.

Bei allen international eingekauften Acts haben die Macher der Show darauf geachtet, dass sie sich atmosphärisch in das freche, manchmal auch andeutungsweise frivole Gesamtkonzept einfügen. Zirkusnostalgie sucht man unter den kaltweißen Scheinwerfern vergebens. Stattdessen ist hier ein ganz eigener Stil präsentiert, der seine Wurzeln nicht im 19., sondern auf den Straßen der Großstädte des späten 20. Jahrhunderts hat.

Mit am besten gelingt das dem Schweden David Eriksson. In rosa Höschen und Gummistiefeln und einer abgewetzten Lederweste ist der Glatzkopf eine Art Anti-Clown mit einer Stimme wie „Rammstein“-Sänger Till Lindemann. „Bonn“ rumort er durch das dunkle Zelt, als sei das eine Drohung. Scheinbar verzweifelt schluckt er später in frischen Reprisen immer mehr Bälle oder fängt sie mit einer Irokesenkappe auf.

Wenn auch die „Hell-Drivers“ bei Weitem den meisten Applaus ergattern – „Testosteron“, kommentiert David Erikssson – so sind es doch die zehn Chinesen ohne Kontrabass, die mit ihren furiosen Salti und Sprüngen durch mobile Reifen mit einem Durchmesser von nur 60 Zentimetern artistisch wohl am meisten faszinieren. Hohes Tempo, eigentlich unvorstellbar präzise Bewegungsabläufe und eine perfekte Koordination machen ihren Auftritt zur Sensation. Hier gibt es keine Tricks, keine Hilfsmittel, keine Licht- oder Feuereffekte. Und nach der Aufführung stehen die Jungs lässig im Gastro-Zelt und trinken ein Premierenkölsch aus der Flasche. Sympathisch normal und doch Könner ihres Fachs.

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