NRW-Regierung macht Vorstoß in Berlin: Zentrum der Biodiversität soll nach Bonn kommen

NRW-Regierung macht Vorstoß in Berlin : Zentrum der Biodiversität soll nach Bonn kommen

Die NRW-Landesregierung will ein neues Forschungszentrum zur quantitativen Erforschung der Biodiversität nach Bonn holen. Das Museum Koenig plant bereits aus eigenem Antrieb den Aufbau eines Forschungszentrums für Biodiversitäts-Monitoring.

Nordrhein-Westfalens Landesregierung will ein neues, vom Bund finanziertes Forschungszentrum zur quantitativen Erforschung der Biodiversität nach Bonn holen. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) habe in Briefen an ihre Ressortkollegin im Bund, Svenja Schulze (SPD), sowie an Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) offiziell für die Bundesstadt geworben, berichtet Pressereferentin Tanja Albrecht auf GA-Nachfrage.

Wie berichtet, plant das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft aus eigenem Antrieb den Aufbau eines bislang weltweit nicht vorhandenen Forschungszentrums für Biodiversitäts-Monitoring. Bis zu neun Professorenstellen mit rund 50 wissenschaftlichen Mitarbeitern kann Museumsdirektor Wolfgang Wägele sich dafür in Bonn vorstellen. „Die Nachrichten vom Insektensterben haben die Forschungslandschaft aufgeschreckt und gezeigt, dass wir so etwas brauchen“, sagte Wägele dem GA.

Auch die Politik ist nun aufgewacht. Nachdem in Bayern knapp 1,8 Millionen Bürger in einem Volksbegehren für mehr Artenschutz von Tieren und Pflanzen votiert hatten, berieten gestern die Landesregierungen Bayerns und Nordrhein-Westfalens das Thema bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung. Heinen-Esser nahm dazu das ausgearbeitete Konzept des Bonner Forschungsmuseums mit in die Beratungen. Die Bundesregierung hatte sich schon 2018 im Koalitionsvertrag auf die Gründung eines entsprechenden Forschungszentrums verständigt. Die Entscheidung, wo das Forschungszentrum entstehen soll, solle im Frühsommer fallen, berichtet Albrecht. Auch andere Städte wie Frankfurt/Main, Berlin oder Leipzig sind im Gespräch. Aus Berliner Politikkreisen ist zu hören, auch eine dezentrale Kombi-Lösung sei denkbar.

Auf die Nachricht aus Düsseldorf reagiert Wägele – unterwegs von einer Dienstreise nach Sachsen-Anhalt – dennoch erfreut: „Wir freuen uns sehr, wenn unser Konzept in Düsseldorf Unterstützung findet. Hoffentlich kommt es schnell zu einer Entscheidung. Die Problematik drängt. Wir brauchen innovative Forschung, für die wir viele Vorarbeiten gemacht haben, und eine begleitende Ausbildung an der Universität, die dieselbe Bedeutung hat wie in der Klimaforschung.“

Wenn sich die beiden bevölkerungsstärksten Bundesländer auf Bonn verständigen, dürfte dies in der Bundesregierung und im Bundesrat erhebliches Gewicht haben. Dazu kommt, dass die Bonner sich offen für einen Anschluss des Hamburger Centrums für Naturkunde zeigen, das derzeit als Institut der Universität Hamburg betrieben wird. Es könnte den marinen Part bei der Biodiversitätsforschung abdecken und zugleich die gewünschte dezentrale Lösung ermöglichen.

Am Museum Koenig sind die Voraussetzungen für eine schnelle Aufnahme der Arbeit günstig. Hier wurden schon Monitoring-Verfahren entwickelt, die größere Datenmengen über Bestandszahlen von Tieren und Pflanzen automatisch sammeln und zur Verfügung stellen können. Beispielsweise liege dem Bundesforschungsministerium der Antrag zum Bau eines fertig konstruierten Roboters vor, der im Freilandeinsatz in regelmäßigen Abständen Insekten fängt.

„Damit können wir im Jahreslauf und über längere Zeitspannen die Entwicklung der Populationen beobachten“, erklärt Wägele. So könnte ein weißer Fleck bisheriger Forschung beseitigt werden: Derzeit fehlt es an verlässlichen Zahlen zur Individuenzahl vor allem von Klein- und Kleinstlebewesen. Zusammen mit der Uni Osnabrück plant das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz deshalb eine eigene Erhebung zum Insektenrückgang in Nordrhein-Westfalen. Zunächst solle das Vorkommen an Schmetterlingen und Heuschrecken untersucht werden, berichtet Albrecht.