Weiterer Zuwachs erwartet: Zahl der Polizisten in Bonn nimmt zu

Weiterer Zuwachs erwartet : Zahl der Polizisten in Bonn nimmt zu

Die Bonner Polizei verzeichnet eine Trendwende. Erstmals seit 20 Jahren ist die Zahl der Beamten in allen operativen Dienststellen gestiegen.

Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ist die Zahl der Polizisten in der Bonner Polizeibehörde angestiegen - und das in allen operativen Dienststellen. Dafür gibt es laut Udo Schott, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), zwei Gründe: Zum einen wurden die Einstellungszahlen landesweit schrittweise erhöht auf mittlerweile 2300 pro Jahr, zum anderen wurden in ganz NRW 500 Tarifbeschäftigte eingestellt, um die Polizeibeamten zu entlasten. 15 davon arbeiten nun für das Bonner Polizeipräsidium (PP). "Es ist aber noch lange nicht alles gut", sagt Schott.

Bislang sei auf den Straßen vom Personalzuwachs noch nichts zu merken. Dafür gebe es eine einfache Erklärung, so Schott. Wegen der neuen Arbeitszeitverordnung mussten neue Schichtdienstmodelle umgesetzt werden. Unter anderem müssen nun zwischen verschiedenen Diensten mindestens elf Stunden Pause liegen. Dies sei aber unumstritten nur mit zusätzlichem Personal zu realisieren.

Neues Schichtmodell erfordert mehr Personal

Den einmal eingeschlagenen Weg möchte die schwarz-gelbe Landesregierung weitergehen. So sollen auch künftig jährlich 2300 neue Beamte die 47 Kreispolizeibehörden verstärken. Doch es gibt laut Schott ein Problem: "Erfahrungsgemäß brechen rund zwölf Prozent der Studienanfänger ihre Ausbildung ab." Dem will Düsseldorf entgegenwirken. Derzeit diskutiert die Politik unter anderem über die GdP-Forderung, die Einstellungsquote um die zu erwartende Zahl der Studienabbrecher zu erhöhen - macht 276 mehr. "Das ist noch nicht entschieden, wir sind aber zuversichtlich, dass es umgesetzt wird", sagt Schott

Auch in Sachen Tarifbeschäftigte soll es weitergehen, so sollen im nächsten Jahr weitere hinzukommen. Wie viele Kollegen das sein werden, steht noch nicht fest. Schott rechnet wiederum mit 500. Ein Muss, so der GdPler. Die 2300 neuen Beamten befänden sich in der Ausbildung. Erst nach drei Jahren seien sie "vollwertige" Polizisten. Diese Lücke sollen Tarifbeschäftigte schließen, die dort eingesetzt werden, wo sie Beamte entlasten - die dann wiederum "originäre" Polizeiarbeit leisten können.

Zwar wurden in der Bonner Behörden alle 15 zugewiesenen Tarifstellen besetzt, dennoch sei man nicht am Ziel der Träume, so Schott. "Wir stehen am Beginn eines Prozesses, der unbedingt weitergehen muss." Nur so sei es möglich, die Zahl der Polizisten für die Bürger spürbar zu steigern. Nur so könnten sie auch präventiv tätig werden - und nicht als Feuerwehrpolizei agieren, die nur noch bei Alarmierung reagiert. Denn noch sei die polizeiliche Versorgung in Bonn, Königswinter, Bad Honnef und den Kommunen im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis unzureichend.

Polizeipräsidentin begrüßt die aktuelle Entwicklung

"Polizeipräsenz erzeugt Wirkung, sie erzeugt Beruhigung und ein Sicherheitsgefühl", ist Schott überzeugt. Nur wenn die Zahl der Polizisten auch in den kommenden Jahren weiter steige, gelange man den Punkt, "dass auch mehr Aktionen vor Ort möglich sind". Nur wenn es so weitergehe, könnte es "vielleicht in drei bis vier Jahren so sein, dass die Polizei NRW mehr Beamte in operative Einsätze bringt". Generell aber gilt: "Die Situation hat sich verbessert. Es kommen mehr Fachhochschulabsolventen in die Polizei hinein, als wir vor zwei bis drei Jahren gedacht hätten."

Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa begrüßt die aktuelle Entwicklung: "Wir sind einen weiteren Schritt vorwärts gekommen. Wir spüren eine deutliche Verstärkung und Verjüngung unseres Personals, die vor allem im Wach- und Wechseldienst ankommt." Die eingestellten Tarifbeschäftigte unterstützten "uns spürbar zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung, Spurensicherung, Kriminalprävention oder Öffentlichkeitsarbeit. Auch in den nächsten Jahren erwarten wir einen Zuwachs bei den Tarifbeschäftigten."