Feierliche Messe: Wolfgang Picken ist neuer Stadtdechant in Bonn

Feierliche Messe : Wolfgang Picken ist neuer Stadtdechant in Bonn

Bonns Katholiken begrüßen Wolfgang Picken mit einer Messe im neuen Amt als Stadtdechanten. Die Remigiuskirche war am Sonntagabend bis zum letzten Stehplatz gefüllt.

Ein „nachhaltiger Abend“. So empfand es Wolfgang Picken, als er nun erstmals vor seiner neuen Gemeinde das Wort ergriff. Längst war da das festliche, vom Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zelebrierte Pontifikalamt zur Einführung des neuen Bonner Stadtdechanten und Münsterpfarrers zu einem großen Willkommensakt geraten.

Mehrmals hatte Zwischenapplaus die vielen Wortbeiträge am Sonntagabend unterbrochen, bis zum Schluss blieb die Remigiuskirche buchstäblich bis auf den letzten Stehplatz gefüllt.

Er werde alles zum Wohle von Kirche und Stadt tun, versicherte der neue Stadtdechant den versammelten Gläubigen – gab diesen aber auch Nachdenkliches mit auf den Weg: Die Kirche in Bonn, so Picken, stehe „vor erheblichen Veränderungen“.

Ihn ließen nun das Vertrauen in Gott, die Unterstützung und Gebete der Gemeinde, ein von ihm angestrebter „offener Dialog“ und nicht zuletzt der Segen des Erzbistums optimistisch nach vorne blicken.

Gut zwei Stunden waren vorüber, als das Hochamt mit „Maria, breit' den Mantel aus“ nicht weniger feierlich endete, als es begonnen hatte. Mehrere Dutzend Messdiener und die Priester aus dem gesamten Dekanat folgten den Chargierten der Studentenverbindung Bavaria, den Schützen und den Vertretern von Ordens- und Rittergemeinschaften.

Weihrauchumwoben der Tross, gewohnt glasklar und wohlgesetzt die Töne sämtlicher Münsterchöre und Solisten, welche die Liturgie mit Thiemo Dahmen an der Orgel musikalisch gestalteten. Symbiotisch verband die musikalische Auswahl – und ähnelte darin durchaus einem Wesenszug des neuen Stadtdechanten – Tradition mit Innovation.

Wo mühelos Antons Bruckners „Os justi“ zur Wandlung und Audrey Snyders „Ubi caritas“ zur Kommunion erklingen, so ließe sich die Auswahl interpretieren, dort versteht man sich aufs Brückenbauen.

Wie wichtig diese Fähigkeit für den neuen Stadtdechanten bleiben wird, klang nicht zuletzt in den Grußworten an. Oberbürgermeister Ashok Sridharan setzte erkennbar versöhnliche Akzente, als er seinen Glückwünschen an Picken ausdrücklich den Dank an dessen Vorgänger Wilfried Schumacher voranstellte – und damit ebenfalls breiten Applaus auslöste.

Schumacher war bekanntlich wegen finanzieller Misswirtschaft unter seiner Ägide vom Erzbistum zum Rücktritt gedrängt worden. Wolfgang Picken, dem er „sehr viel Freude“ wünsche, werde „ein guter Ansprechpartner sein“, sagte der Oberbürgermeister und ließ dieser Überzeugung einen Appell folgen: Als OB wünsche er sich „eine Stadtgesellschaft, die mehr miteinander und weniger übereinander redet“.

Und auch dafür gab es Applaus. Sridharans Anspielung war überdeutlich: Nach dem Amtsverzicht Schumachers hatten sich rund um die Münstergemeinde tiefe Gräben aufgetan – und auch Ressentiments gegenüber dem Nachfolger.

Der Diskurs dürfe niemanden verletzen; er erhoffe sich „vom heutigen Tag diesbezügliche einen Neuanfang“, so Sridharan. Kardinal Woelki mag ähnliches im Sinne gehabt haben, als er in seiner Predigt hervorhob: „Die schönste Aufgabe eines Pfarrers liege darin, den Menschen zu sagen, dass Gott es gut mit ihnen meint.“