Neuer Bonner Mietspiegel: Wohnkosten steigen stärker als Inflation

Neuer Bonner Mietspiegel : Wohnkosten steigen stärker als Inflation

Sofern der Stadtrat in seiner Sitzung am 30. Juni zustimmt, hat Bonn ab dem 1. Juli wieder einen qualifizierten Mietspiegel. Das neue Instrument basiert auf aussagekräftigen Daten und belegt, dass Bonns Mieten stärker steigen als die Inflation.

„Das bedeutet mehr Rechtssicherheit, wenn es um die Höhe von Mieten geht“, sagte Dieter Schubert, Leiter der Abteilung Wohnen im städtischen Amt für Soziales und Wohnen am Dienstag. Der Mietspiegel sei nicht nur eine gute Grundlage für Mietprozesse. In Kommunen mit einem solchen Instrument sei auch die Zahl entsprechender Streitigkeiten geringer als in Kommunen mit einfachem oder gar keinem Mietspiegel.

Der künftige Mietspiegel beruht auf der Auswertung von 2669 Fragebögen. Interviewt hat das Wohnamt mit dem Amt für Bodenmanagement und Geoinformation Mieter und Eigentümer. Das sind 1000 Datensätze mehr als bei der letzten Erhebung zum Stichtag 1. September 2010.

Richterspruch erforderte neuen Mietspiegel

Hintergrund für den stärkeren statistischen Unterbau ist ein Richterspruch, der die Wissenschaftlichkeit der Analyse infrage stellte. Seitdem hat Bonn nur einen einfachen Mietspiegel. Das Ergebnis der neuen Umfrage im Zeitraum Januar bis September 2015 zum Stichtag 1. Januar: In den vergangenen viereinhalb Jahren sind die Mieten um 10,47 Prozent gestiegen. Aufs Jahr betrachtet macht das durchschnittlich 2,54 Prozent. Die Betriebskosten sind dagegen im selben Zeitraum nur um 0,9 Prozent von 3,25 auf 3,28 Euro angestiegen.

„Damit liegt der Prozentsatz erstmals über der Inflationsrate“, sagte Bernhard von Grünberg, Vorsitzender des Mieterbundes Bonn/Rhein-Sieg/Ahr. Weiterhin stünde also die Frage im Raum, welche Wohnungspolitik die Stadt verfolgen wolle. „Wir müssen nachverdichten und eigene Anstrengungen unternehmen, um Baugebiete für Wohnraum auszuweisen“, sagte von Grünberg, der Bonner SPD-Landtagsabgeordneter ist.

"Unglaubliche Preise bei Immobilien"

Neben der Stadt und dem Mieterbund sind auch die Eigentümerschutzvereine Haus & Grund in Bonn/Rhein-Sieg und Bad Godesberg Herausgeber des Spiegels. Deren Geschäftsführer Helmut Hergarten lobte wie auch von Grünberg die Arbeit der Stadt und ergänzte: „Wir sind froh, dass wir ein solches Instrument haben. Der Mietmarkt braucht diese Transparenz.“

Eine sogenannte „Blase“ – also eine Überbewertung von Wohnraum – sieht Hergarten derzeit nicht. Es gebe weiterhin günstige Wohnungen im Stadtgebiet und von hohen Preisen wie in München und Frankfurt von 20 Euro Netto pro Quadratmeter sei man weit entfernt. „Bei Kaufimmobilien sieht das anders aus. Da werden zurzeit unglaubliche Preise bezahlt, allerdings von Leuten, die es sich leisten können“, sagte Hergarten.

Der Mietspiegel gibt Auskunft über Wohnungen mit Flächen zwischen 20 und 150 Quadratmetern; Ein- und Zweifamilienhäuser sind ausgenommen. Sehr beliebt sind Altbauten in Südstadt, Innenstadt, Ippendorf, auf dem Venusberg und in Rheinlage (bis zu 14 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter), besonders günstig sind Teile von Dransdorf, Tannenbusch und Auerberg, Beuel-Ost und die Umgebung der Bad Godesberger Gewerbegebiete Nord und Pennenfeld (ab 5,19 Euro).

Erstmals punktuelle Angaben möglich

Erstmals wird die Stadt wegen der vielen Datensätze laut Annette Lombard, Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Bonn, punktuelle Angaben zum Wohnungspreis machen können. Das heißt: Der Vergleichsmietenrechner, den die Stadt auf ihrer Internetseite anbietet, berücksichtigt Aspekte wie den Zustand des Wohnhauses und der Straße. Er wird aber frühestens nach dem Ratsbeschluss an den neuen Mietspiegel angepasst.

Siehe auch www.bonn.de

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