Künstlernachlass: Wohin mit der Kunst?

Künstlernachlass : Wohin mit der Kunst?

Stiftungen und Archive versuchen, das Werk zu sichern und zu erforschen. Verkauf ist nicht ausgeschlossen.

"Jeder Künstler möchte zunächst sein eigenes Atelier dort, wo es steht, in eine Stiftung umwandeln, die von ganz vielen Leuten besucht wird, wo jeder Nagel da bleibt, wo er ist und wo jedes Bild an diesem Nagel auch hängen bleibt, so wie es hing. Dieses funktioniert überhaupt nicht." Gerhard Pfennig, Rechtsanwalt, Urheberrechtler, lange Zeit Vorsitzender der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst und der Stiftung Kunstfonds in der Bonner Weberstraße, sind solche Vorstellungen und Künstlerträume geläufig.

2010 gründete die Stiftung Kunstfonds ein Archiv für Künstlernachlässe in Brauweiler bei Köln, wo die Künstlerträume zwar nicht eins zu eins umgesetzt wurden, sich Künstler aber bewerben können, damit deren Werk archiviert wird und der Nachwelt erhalten bleibt. Es steige das Bewusstsein, "dass man die Künstler und die Einschätzung von Kunst nicht allein dem Markt überlassen kann", sagte Pfennig dem Deutschlandfunk.

Wohin mit der Kunst? Das ist ein großes Thema, das Künstler und deren Erben umtreibt. Museen als begehrte Orte, wo viele Maler und Bildhauer ihre Werke untergebracht wissen wollen, können nur selten ganze Nachlässe aufnehmen. Initiativen wie das Archiv in Brauweiler müssen sich auf einen begrenzten Kreis von Künstlern konzentrieren - momentan sind 33 im Archiv vertreten. Rund hundert Nachlässe beherbergt das rührige Rheinische Archiv für Künstlernachlässe in Bonn, das sich auf Dokumente und Fotos konzentriert und mit dem Stadtarchiv zusammenarbeitet.

Zwei Stiftungen unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn

Mit dem Ziel, künstlerische Werke zu lagern, zu bewahren, zu inventarisieren und auszustellen haben sich in Bonn zwei Stiftungen gegründet, die unter dem Dach der Bürgerstiftung Bonn angesiedelt sind. Sie sind den Malern Douglas Swan und Horst Rave gewidmet.

Jürgen Reske, Stiftungsmanager und Jurist, ist nicht nur der Architekt dieser beiden Stiftungen, er ist auch der Geschäftsführer der 2001 gegründeten Bürgerstiftung. Umgeben von konstruktivistischen Bildern Raves, die den Sitzungsräumen im zweiten Geschoss eine ganz besondere Aura verleihen, erläutert er in der Sparkassenzentrale am Bonner Friedensplatz, was bei Stiftungen zu bedenken ist. "Man muss gründlich prüfen, ob das Stiftungsvermögen reicht, um den Nachlass nachhaltig zu verwalten", sagt Reske.

Kunst alleine reicht also nicht, es muss ein Finanzstock vorhanden sei, damit die Stiftung arbeiten kann. Ab 100.000 Euro sei es grundsätzlich möglich, eine Stiftung zu gründen, sagt Reske. Und dann stelle sich noch die Frage, wo die Kunstwerke gelagert werden können. Im Fall von Swan erklärte sich Tom Macke - Sohn von Till Macke, der eng mit Swan befreundet war - bereit, die Kunst in der Firma Gerhardt in Oberdollendorf unterzubringen.

Die Werke von Rave lagern in einem Anbau eines Wohnhauses in St. Katharinen, in dem Ort, wo der Vorsitzende der Stiftung, Jan Wagner, eine Kfz-Werkstätte betreibt. Ohne das ehrenamtliche Engagement Einzelner, wozu auch die Gremien der jeweiligen Stiftungen zählen, laufe das alles nicht, räumt Reske ein.

Im Juni 2000 starb der lange Zeit in Bonn ansässige, in den USA geborene und in Schottland aufgewachsene Maler Douglas Swan an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Sein in Mailand lebender Sohn Robin Alexander Swan gründete 2005 die Douglas Swan Stiftung, in die ein Vermögen von rund 80 000 Euro sowie Werke aus dem Nachlass flossen, die verkauft werden können. 2009 wurde erstmals der Douglas Swan Förderpreis vergeben.

Abstrakte Kunst als Schulprojekt

Horst Rave hatte noch zu Lebzeiten Kontakt zur Bürgerstiftung Bonn aufgenommen. Der gebürtige Berliner, unter anderem Mitglied der Künstlergruppe Bonn, starb 2009. Seine Stiftung hatte er testamentarisch mit einem Vermögen von 100.000 Euro ausgestattet. Außerdem erhielt die Stiftung rund 1800 Kunstwerke des Malers, von denen nur ein Kernbestand als unveräußerlich festgelegt wurde.

Das Stiftungskapital kann also durch den Verkauf von einer Vielzahl von Kunstwerken aufgestockt werden. Der Stiftungszweck der Horst Rave Stiftung ist die "Förderung von Kunst und Kultur sowie die Förderung von Wissenschaft und Forschung insbesondere in Zusammenhang mit dem künstlerischen Werk Horst Raves".

Konkret heißt das, dass mit dem Geld das Werk Raves archiviert und katalogisiert wird und damit erforscht werden kann. Ferner soll das Werk des Malers etwa durch Ausstellungen lebendig gehalten werden. Schließlich soll die konstruktiv-konkrete Kunst gefördert werden.

Einen geradezu nachhaltigen Baustein für die Erinnerung an Horst Rave hat Reske gemeinsam mit Eva-Christine Raschke vom Fachbereich Kunst am Bonner Friedrich-Ebert-Gymnasium konzipiert: Mit Mitteln der Stiftung werden Schüler mit der Kunst Raves in Berührung gebracht. Es gibt eine Fülle von Aktionen für die Klasse 9 und die Graphic-Design-AG, die das Erscheinungsbild und ein Farbleitsystem der Schule erarbeitet.

Raves Kunst - konkret-geometrische Abstraktion - und dessen Affinität zu neuen Medien bieten sich für diese Schülerprojekte ideal an. Die Frage "Wohin mit der Kunst?" wird im Friedrich-Ebert-Gymnasium auf eine sehr originelle und kreative Weise beantwortet.

Kontakt: Jürgen Reske, c/o Bürgerstiftung Bonn, Telefon 0228/60651166, douglas-swan-stiftung.de, horst-rave.de

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