Prostitution an der Immenburgstraße: Wohin mit dem Straßenstrich in Bonn?

Prostitution an der Immenburgstraße : Wohin mit dem Straßenstrich in Bonn?

Städtische Verrichtungsboxen an der Immenburgstraße, in der Prostituierte eine Sexsteuer am Automaten entrichten, müssen vielleicht weichen. 2020 läuft der Vertrag aus. Ob er verlängert wird, ist ungewiss.

Acht Jahre war Ruhe, doch jetzt droht neues Ungemach am Straßenstrich. Zwar hat sich das sogenannte Verrichtungsgelände an der Immenburgstraße in der Weststadt bewährt. Aber der Vertrag, mit dem der Grundstückseigentümer dem Aufstellen von Holzboxen zugestimmt hat, läuft im nächsten Jahr aus. Ob er verlängert, ist ungewiss.

Damit stellt sich erneut die Frage, wo die Stadt mit ihrer Sperrbezirksverordnung Straßenprostitution zulässt. Jahrelang warteten die Frauen Am Propsthof und an der Gerhard-Domagk-Straße auf Kunden. Nach Beschwerden von Anwohnern und einem Ultimatum der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde verlagerte die Kommune die Szene auf die nahe gelegene Immenburgstraße.

2011 ging das Verrichtungsgelände in Betrieb: Die Stadt ließ für 120.000 Euro sechs Holzboxen ohne Dächer bauen, in die Freier mit ihren Autos fahren können, und stellte einen Sanitärcontainer für die Frauen auf. Ein Wachdienst, der jährlich rund 140.000 Euro kostet, soll für Sicherheit sorgen. Prostituierte dürfen nach 20 Uhr den Bereich zwischen Karlstraße und Dickobskreuz als Anbahnungszone nutzen.

Nach Stadtangaben sind etwa 25 Frauen aktiv, von denen täglich acht bis 15 vor Ort sind. „Seit Betriebsbeginn gingen die Beschwerden von Anliegern und Gewerbetreibenden deutlich zurück“, erklärt Isabel Klotz vom Presseamt. „Aktuell sind der Bundesstadt keinerlei Beschwerden bekannt.“ Auch für die Polizei ist der Straßenstrich unauffällig. In den vergangenen zwölf Monaten habe es 25 Einsätze am Verrichtungsgelände gegeben, berichtet Behördensprecher Robert Scholten. „Es waren keine szenetypischen Straftaten, und die Allgemeinkriminalität lag im alltäglichen Maß.“

Illegale Prostitution an der Ennemoserstraße

Das Problem ist: Die Stadtverwaltung hat das Grundstück von den Stadtwerken gepachtet, die wiederum Pächter bei einer Privatfirma sind. Dieses Unternehmen hat der Nutzung als Verrichtungsgelände schriftlich zugestimmt – allerdings nur mit einer Laufzeit bis 2020. Wie es weitergeht, lässt die Kommune auf Nachfrage offen: „Wir sind im Gespräch mit den Beteiligten“, bestätigt Klotz. „Näheres kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden.“

Selbst wenn der Grundstückseigentümer seine Zustimmung verlängert, steht mittelfristig eine Verlagerung des Straßenstrichs bevor. Hintergrund sind Überlegungen, das Areal zwischen Immenburgstraße, Müllverwertungsanlage, Am Dickobskreuz und Bahntrasse neu zu bebauen. Mittendrin: der ehemalige Schlachthof mit knapp 29.000 Quadratmetern Fläche. Dafür liegen der Kommune wie berichtet Kaufangebote sowohl der Stadtwerke als auch der „Bauprojekt ehemaliger Güterbahnhof GmbH“ vor, hinter der unter anderem der Unternehmer Detlev Klaudt steht. Seine Architekten haben für das Gelände erste Entwürfe für eine Konzerthalle, ein Parkhaus, Büros, ein Hotel und einen „Foodcourt“ erstellt. Die Stadtwerke planen einen „Umwelttechnikstandort für alternative Energien und Recycling“, wie einer Vorlage der Stadtverwaltung zu entnehmen ist. Dort heißt es weiter, dass bei beiden Nutzungskonzepten der Straßenstrich verlagert werden müsse.

Illegaler Straßenstrich an der Ennemoserstraße

Schon vor zwei Jahren hat der zuständige Sozialausschuss bei einer Ortsbegehung einen Alternativstandort für das Verrichtungsgelände besichtigt – zwischen Bahntrasse und Autobahn unweit des Kreisverkehrs Siemensstraße/ Am Dickobskreuz. Nicht weit entfernt entsteht gerade das „Westside“-Wohngebiet. „Wir haben zum auslaufenden Vertrag für das Verrichtungsgelände von der Stadtverwaltung noch nichts gehört“, sagt Angelika Esch (SPD), Vorsitzende des Sozialausschusses. „Das muss man aber frühzeitig klären.“ Ihre Fraktion werde deshalb eine Anfrage an die Stadt richten.

An der Ennemoserstraße hat sich unterdessen ein illegaler Straßenstrich entwickelt. Die Polizei hat dort in diesem Jahr vier Platzverweise wegen verbotener Prostitution ausgesprochen; zwei Frauen erhielten zusätzlich Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Ordnungswidrigkeitengesetz. Der Stadtordnungsdienst kontrolliert dort laut Presseamt „intensiv und nahezu täglich“. 2019 seien bislang fünf Bußgeldbescheide erlassen worden. „Freier“ müssen 55 Euro Verwarnungsgeld zahlen.