Kindergartenbetreuung: Wohin mit dem Geschwisterkind?

Kindergartenbetreuung : Wohin mit dem Geschwisterkind?

Katharina Janczak-Leidig, Mandy Wiebelhaus, Elisabeth Ogasa und Olga Rasmus haben alle dasselbe Problem: Das ältere ihrer jeweils zwei Kinder geht in den katholischen Kindergarten St. Laurentius in Lessenich. Und eigentlich wollten die Familien das jüngere Geschwisterkind auch dort anmelden. In der Regel kein Problem, wenn schon ein Geschwisterkind in den Kindergarten geht. Umso erschrockener waren die Familien als sie jetzt erfuhren, dass ihre Zweitgeborenen voraussichtlich keinen Platz im St.Laurentius Kindergarten bekommen werden.

Der Grund: Ab dem 1. August 2013 haben auch Kinder, die unter drei Jahre alt sind, einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Und die werden, so die Eltern, bevorzugt behandelt. "Uns wurde gesagt, dass nur ein Platz für ein Ü3-Kind geschaffen wird, aber acht für Kinder unter drei", sagt Janczak-Leidig.

"Meine Tochter Marie ist im September dreieinhalb, sie bekommt keinen Platz, obwohl sie einen Bruder im Kindergarten hat und ich mich außerdem ehrenamtlich engagiere", erzählt Olga Rasmus. "Die Ü3-Kinder bleiben auf der Strecke", so Janczak-Leidig.

Die Tageseinrichtung befindet sich in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius. "Und wir versuchen derzeit, eine Lösung für diese Geschwisterkinder zu finden", kündigte Pfarrer Hermann Bartsch gegenüber dem GA an.

Er kritisierte, dass sich die Betroffenen nicht direkt an ihn gewandt hatten. "Außerdem hatten andere Eltern massiv die U3-Betreuung gewünscht", sagt Bartsch. Da nur 9 Kinder in die Schule gehen würden, gebe es nur begrenzt Plätze.

Acht Plätzen für Kinder unter drei Jahren stünden immer noch 36 Plätze für Kinder, die älter sind entgegen. "Für die betroffenen Eltern ist das in diesem Jahr eine schwierige Situation, in der Startphase müssen wir durch einen Engpass", so Bartsch.

Die betroffenen Familien wohnen fast durchweg im Neubaugebiet "Hinter den Lessenicher Gärten", also dort, wo eigentlich ein Kindergarten gebaut werden sollte, der Investor sich jedoch weigert.

Der Grund: Die Stadt hatte irgendwann signalisiert, dass dort wegen fehlenden Bedarfs an Kindergartenplätzen auch Wohnungen gebaut werden können. Darauf beruft sich der Investor jetzt (GA berichtete). Sprich: Nicht zuletzt wegen dieser Panne haben sie betroffenen Familien jetzt Probleme, einen Kindergartenplatz zu bekommen.

"Rund um Duisburg haben wir zu wenig Kindergartenplätze", räumt Jugendamtsleiter Udo Stein ein. An drei verschiedenen Stellen arbeite die Stadt daran, diesen Mangel zu beheben: ein Kindergarten soll im geplanten Neubaugebiet auf dem ehemaligen Gelände von Steinbach-Schäfer entstehen, der Kindergarten im Neubaugebiet Am Bruch wird erweitert, außerdem bemühe sich die Stadt, Grundstücke an der Lessenicher Forellstraße zu kaufen, um auf dem Gelände an der Laurentiusschule einen Kindergarten bauen zu können, das bislang als Schulerweiterungsfläche ausgewiesen ist.

Sollte das klappen, wäre dieser Kindergarten der Ersatz für den ursprünglich geplanten im Neubaugebiet "Hinter den Lessenicher Gärten". Parallel dazu habe die Stadt jedoch auch erste Gespräche mit einem Enteignungskommissar geführt.

Stein kündigte an, dass die Stadt den betroffenen Eltern helfen werde. "Wir werden versuchen, wohnortnah Plätze zu bekommen". Auch das Familienbüro sei informiert worden.

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