Kommentar zu Bauprojekten in Bonn: Wo bitte ist der Reset-Knopf?

Kommentar zu Bauprojekten in Bonn : Wo bitte ist der Reset-Knopf?

Der Bauherr des Rhein-Palais fordert mehr als 20 Millionen Euro von der Stadt Bonn. Das Grundstück am Bonner Bogen hat aber nur 13 Millionen Euro in die Stadtkasse gespült.

In Bonn reiht sich ein Millionen-Grab neben das andere: Beethovenhalle, Viktoriabrücke, Rhein-Palais - um nur die jüngsten Pannen aufzuzählen. Kaum eine Redaktionskonferenz vergeht, ohne über Baupleiten und andere Versäumnisse in Bonn diskutieren zu müssen. Wenn Redakteure feststellen, dass sie nicht mehr genug Finger an den Händen haben, um sie in die Wunden des Stadtgeschehens zu legen, ist man an dem Punkt angelangt, an dem man den Reset-Knopf drücken möchte.

Noch einmal alles auf Null setzen und zum Beispiel entscheiden können, ob ein Festspielhaus nicht die bessere Beethovenhalle wäre, ob ein Investor wie Jörg Haas nicht besser das gesamte Gelände der ehemaligen rechtsrheinischen Entwicklungsmaßnahme Regierungsviertel kaufen sollte. Die Liste der „ob's“ lässt sich nahezu beliebig verlängern. Die Pannen-Monotonie bei der Stadtentwicklung nervt nicht nur, sie löst bei einem gebürtigen Bonner Seelenschmerz aus. Bonn sorgt vielfach nicht mehr für die Freude, die der städtische Werbeslogan verheißen will.

Die Ernsthaftigkeit der Realität lässt diese Träume leider wie Seifenblasen platzen. Deshalb zurück zur inhaltlichen Auseinandersetzung: Was muss Bonn tun, damit sich die Schlinge nicht noch mehr zu zieht? Liegt es nur an den beteiligten Personen beiderseits des Verhandlungstischs? Fragen über Fragen, die leider nicht nur mit einem Satz beantwortet werden können.

Festzuhalten ist jedenfalls, dass die Stadtverwaltung offensichtlich an vielen Stellen überfordert ist. Zu wenig Personal für zu viele Aufgaben. Zu wenige Kreativköpfe, die die Anforderungen an eine internationale Bundesstadt zufriedenstellend bewältigen können. Und wenn die Stadt dann auch noch wie im Fall „Rhein-Palais“ auf anscheinend taktierende, Millionen schwere Baulöwen stößt, wird der Bonner Löwe schnell verbissen. Wer welche Fehler auf dem Areal am Bonner Bogen gemacht hat, werden leider Richter entscheiden müssen. Aber auch das Rechnungsprüfungsamt ist gefordert aufzuklären, ob bei der Verhandlung über die Vertragsinhalte die städtischen Interessen ausreichend berücksichtigt worden sind und wessen Unterschriften unter dem Vertrag stehen.

Die Diskussionskultur zwischen der Bonner Stadtspitze und dem Kölner Investor Ewald Hohr ist jedenfalls genauso empfindlich gestört, wie die Navigation nahezu aller gesamtstädtischer Bauvorhaben. Wie gesagt: Leider gibt es keinen Reset-Knopf! Bonn benötigt dringend eine personelle Auffrischung.

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