Bonner Rock- und Popkultur: "Wir sind eine Macht"

Bonner Rock- und Popkultur : "Wir sind eine Macht"

Ein gestärktes Selbstbewusstsein - das war ein zentrales Ergebnis des ersten Treffens der Veranstalter und Spielstättenbetreiber von Rock-, Pop- und Subkultur, zu dem der Beauftragte für Rock- und Popmusik der Stadt Bonn, Hans-Joachim Over, in die Harmonie eingeladen hatte.

Mehr als 60 Akteure waren gekommen, um erstmals den Versuch gemeinsamer Lobbyarbeit zu unternehmen, um sich auszutauschen und um nach gemeinsamen Lösungen für so manche Probleme zu suchen.

Dass kollektive Anstrengungen eher zum Erfolg führen als Einzelkämpfertum, konnten die Teilnehmer nur bestätigen. "Wir sind eine Macht", brachte Kunst!Rasen-Betreiber Martin Nötzel es auf den Punkt. "Wenn wir als Einheit auftreten, können wir was bewegen." In der Diskussion zeigte sich, dass sich die meisten Teilnehmer in vielen Punkten einig waren. So war nicht etwa die fehlende Förderung durch Stadt und Land das Thema Nummer eins, sondern vielmehr das Gefühl der Missachtung der lebendigen Kulturszene durch Bürgerschaft und Politik. "Wir müssen das Bewusstsein der Leute wecken, dass in Bonn jede Menge los ist", fasste Over zusammen.

"Viele Bonner tun sich schwer damit, mal nach Beuel oder Endenich zu fahren und dann vielleicht fünf Euro Eintritt zu zahlen, haben aber kein Problem mit einer Fahrt nach Köln", sagte auch Elvin Ruic von der Initiative für Freiraum und Subkultur. "Dabei haben wir hier unglaublich viele gute Kreative." Insbesondere in der Jugendszene, wie Maria Hülsmann von der RockAue betonte. "Bei mir auf dem Schreibtisch liegen momentan 750 Bewerbungen, fast alle von Bands aus der Region." Leider würde die Politik es gerade in diesem Bereich verschlafen, dieses Potenzial auszuschöpfen.

"Es fehlt an einer Ü-15-Kultur", merkte Jürgen Harder vom Brückenforum an und verwies auf die Vergangenheit mit dem Aus für Bonner Sommer und Rheinkultur. Eine Aussage, die Hülsmann nur bestätigen konnte. "Viele junge Bands fühlen sich in Bonn allein gelassen. Wenn man sich ihrer aber annimmt, sind sie sehr dankbar und sehr motiviert."

Auch andere Aspekte aus der jüngeren Vergangenheit kamen unweigerlich zur Sprache: Die Lärm-Debatte kam wieder auf, drehte sich aber vor allem um die manchmal offenbar übereifrigen Mitarbeiter des Ordnungsamts. In der Kritik standen beispielsweise die bürokratischen Hürden für besondere Veranstaltungen: "Wenn eine Veranstaltung um 22 Uhr enden muss, und das Ordnungsamt schon um 19.30 Uhr auf der Matte steht, weil fünf Leute mit Gitarren zu laut seien, fühle ich mich verarscht", hieß es unverblümt.

Indes artete die Veranstaltung nicht zur bloßen Beschwerderunde aus, sondern brachte erste positive Ansätze: Ein gemeinsamer Veranstaltungskalender wurde angedacht, kreative neue Werbewege wurden ins Auge gefasst, Arbeitskreise gebildet. Over zeigte sich denn auch erfreut von dem Feedback der Teilnehmer und versprach, diverse Punkte in der nächsten Sitzung des Kulturausschusses der Stadt zur Sprache zu bringen. Auch ein weiteres Treffen ist geplant - nach Möglichkeit mit den dann hoffentlich feststehenden OB-Kandidaten. "Wir müssen den Dialog führen, mit den Bürgern, mit der Stadt", forderte Nötzel zum Abschluss.

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