Kita-Gebühren und Mieten in Bonn: "Wir können uns Bonn nicht leisten"

Kita-Gebühren und Mieten in Bonn : "Wir können uns Bonn nicht leisten"

Eine junge Mutter kritisiert die hohen Kita-Gebühren und teuren Mieten in Bonn. Die Rückzahlung von Studienkrediten belastet das Familienbudget zusätzlich.

Eigentlich hat Imke Minrath alles richtig gemacht: Sie studierte in Bonn Geographie, machte ihren Abschluss und bekam zwei Kinder. Nach einiger Zeit fand sie einen passenden Arbeitsplatz. Heute ist sie halbtags an der Fachhochschule in Aachen tätig und pendelt dafür mehrmals die Woche hin und her.

Während des Studiums lernte sie ihren späteren Mann kennen. Auch er fand nach dem Examen schnell eine Anstellung, allerdings keine volle Stelle. "Wir sind wirklich sehr bescheiden. Doch wir können uns das teure Leben in Bonn nicht leisten", erzählt die junge Mutter. Miete, die Rückzahlung von Studienkrediten und die für sie viel zu hohen Kosten für die Betreuung der beiden Söhne - trotz Studienabschluss muss Familie Minrath jeden Monat ganz genau kalkulieren.

Eine Ursache dafür sind nach Ansicht der Geographin die Studiengebühren, die sie und ihr Mann während ihrer Ausbildung an der Bonner Uni zahlen mussten. "Zum Glück sind sie heute abgeschafft, doch wir tragen noch die Last", rechnet sie vor. Dadurch hat die Familie derzeit Schulden von rund 15.000 Euro. Die Rückzahlung von Studiengebühren und Bafög werden das Familienbudget in den nächsten sechs Jahren mit 250 Euro monatlich belasten.

Familie muss tief in die Tasche greifen

Zu den sehr hohen Mieten - "für die Dreizimmerwohnung mit 73 Quadratmetern bezahlen wir warm 1033 Euro" - kommen jedoch noch die, wie Imke Minrath meint, völlig überhöhten Kita-Gebühren. Zwar ist der ältere Sohn im nächsten Jahr schulpflichtig und besucht die Einrichtung kostenlos, doch für seinen zweijährigen Bruder muss die Familie tief in die Tasche greifen: Zusätzlich zum Elternbeitrag von 230 Euro für eine 45-stündige Betreuung pro Woche legen die Minraths noch einmal die gleiche Summe für die Verpflegung drauf.

"Sicher würden wir dafür in einer städtischen Einrichtung weniger bezahlen", so die junge Mutter. "Aber wir haben für unsere Jungs keinen Platz in einer städtischen Tagesstätte bekommen." Dazu kommt auch, dass Imke Minrath ihre wöchentliche Arbeitszeit in Aachen gerade aufgestockt hat. "Dadurch sind wir in eine andere Berechnungsgruppe gerutscht. Deshalb werden wir wohl auch noch einen Batzen an Betreuungskosten nachzahlen müssen."

Im Gespräch mit Kollegen in Aachen habe sie erfahren, dass Eltern dort etwas weniger für die Betreuung bezahlen. "Schlimmer finde ich die Tatsache, dass keiner nachfragt, wie junge Familien das stemmen können. Bei der Festsetzung der Elternbeiträge wird nur auf das Bruttoeinkommen geschaut. Posten wie überteuerte Mieten und Rückzahlungsverpflichtungen werden einfach ignoriert. Ich würde mir wünschen, dass auch die soziale Lage der Familien eine Rolle bei der Festsetzung spielt", so die Geographin.

Stadt: "Beitragsberechnung ist rechtmäßig"

Denn: "Es leben so viele junge Familien in Bonn, denen es sicher nicht anders geht als uns. Eigentlich sollte man sie doch unterstützen, oder?", fragt sie. "Es kann nicht sein, dass schon eine gut verdienende Familie solche Probleme in Bonn hat." Die Beitragsberechnung sei rechtmäßig, stellt die Stadt dazu fest.

"Der in der Satzung der Stadt verwendete Einkommensbegriff verweist auf das Einkommensteuerrecht, lässt aber tatsächlich für alle Beitragspflichtigen nur den Abzug von Werbungskosten sowie der Kinderbetreuungskosten vom Bruttoeinkommen zu. Ein Abzug weiterer Ausgaben der Eltern wie zum Beispiel Studiengebühren oder Bafög-Rückzahlungen ist danach nicht möglich," so Andrea Schulte vom Presseamt. Im Einzelfall bestehe jedoch die Möglichkeit, in schwierigen Lagen eine Stundung zu prüfen.

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