Vier Corps an Karneval: Wieder mehr Pferde beim Rosenmontagszug in Bonn

Vier Corps an Karneval : Wieder mehr Pferde beim Rosenmontagszug in Bonn

Anders als im vergangenen Jahr tritt die Bonner Ehrengarde wieder mit Pferden beim Rosenmontagszug an. Vier Corps bilden eine eigene Reiterabteilung. Die Auflagen für den Einsatz der Tiere werden immer höher.

Nach dem Verzicht im vergangenen Jahr tritt die Bonner Ehrengarde beim Rosenmontagszug am 4. März wieder mit vier Pferden an. Die Reiter gesellen sich zu 18 Kavalleristen der Bonner, der Beueler und – ganz neu – der Rheinbacher Stadtsoldaten. Die bunt gemischte Truppe will vorn im Zug durch die Stadt ziehen. Die Reiter müssen sich allerdings an die 2018 festgelegten Auflagen halten, die sich in Zukunft wohl noch einmal verschärfen werden. Wie berichtet, ist das die Konsequenz von Unfällen mit Pferden bei den Umzügen in Köln und Bonn. In dem Zusammenhang hatten Tierschützer den Verzicht auf die Vierbeiner im Straßenkarneval gefordert.

„Wir hatten aufgrund eines Vorstandsbeschlusses 2018 keine Pferde dabei“, sagt Ehrengardekommandant Thomas Janicke. In der Session hatten sich nur Reiter der Bonner und Beueler Stadtsoldaten als kleine Abordnung in den Sattel gewagt – unabhängig von zahlreichen Kutschpferden. Diesmal sieht es anders aus. „Die Kavalleristen hatten den Wunsch mitzureiten.“ Laut Janicke hat das auch mit der Daseinsberechtigung der Abteilung zu tun. So beschloss die Vereinsspitze, eine kleine Abordnung aufs Pferd zu setzen.

Alle Reiter müssen – was als Übergangslösung in diesem Jahr noch gilt – entweder den Reitpass (siehe „Reitpass wird Pflicht“) oder einen Nachweis über 25 Reitstunden vorlegen. Zwei der vier Kameraden hätten das Papier bereits, die acht Reiter der Bonner Stadtsoldaten haben laut Kommandant Ralf Wolanski die Prüfung schon im Herbst absolviert. Zugleiter Axel Wolf ist überzeugt, dass die Oder-Lösung 2020 nicht mehr gelten wird.

Gefahr geht vom Publikum aus

Der Nachweis der Reitstunden reiche dann nicht mehr. „Die Leute hatten zwei Jahre Zeit, den Reitpass zu machen“, argumentiert Wolf. Vor Kurzem hatten sich die Garden getroffen, um zu besprechen, wie sie ihre Reitabteilungen zusammenwürfeln können. In dem Zuge hatten sich auch die Rheinbacher bei Wolanski gemeldet und angefragt, ob sie mitreiten könnten.

Für den Festausschuss Bonner Karneval (FA) sei das kein Problem gewesen, so der Kommandant. Getreu dem Sessionsmotto „Mir all sin Bönnsche“ erlebten die Narren am Straßenrand am Rosenmontag ein farbenfrohes Bild mit 22 Reitern. Janicke pflichtet Wolanski bei, dass dieses Prozedere die Corps zusammenschweiße. „Wir pflegen alle dasselbe Hobby.“

Den Gardechefs zufolge bietet sich das Reiten am Anfang des Zuges an, weil dann am Straßenrand alles noch etwas ruhiger sei und auch noch nicht so viele Kamelle auf dem Boden lägen. „Die größte Gefahr geht vom Publikum aus“, meint Wolanski zu Unfällen mit Pferden. Noch immer ist nicht abschließend geklärt, warum 2017 nach Ende des Zuges an der Dorotheenstraße ein Pferdegespann der Ehrengarde durchgegangen war, man vermutet Fremdeinwirkung.

Pferde werden nicht sediert

Wolanskis Truppe wird Rosenmontag auch mit 30 Bagagepferden unterwegs sein. Auch die Kutscher müssen dafür einen Führerschein vorlegen. Verzichten muss er allerdings auf die eigentlich geplante berittene Musik: Das Ensemble aus Norddeutschland muss zu Hause bleiben, weil der Festausschuss seinen Auftritt ablehnte. „Das ist nicht, was ich mir unter Pferdesicherheit vorstelle. Das hat Köln auch nicht mehr“, sagt Zugleiter Wolf.

Am kritischsten bei solchen Kapellen sei das Paukenpferd. Wolanski glaubt, dass auch in den nächsten Jahren Pferde im bönnschen Karneval zu sehen sein werden. Er plant derzeit, dass einige Bonner Stadtsoldaten auch im Beueler Zug mitreiten werden. Laut Janicke werden die Tiere bei ihren Einsätzen nicht sediert: „Das ist komplett verboten. In Bonn kontrolliert das Veterinäramt.“

„Ich muss alles dafür tun, um das Wohl der Tiere, Teilnehmer und Gäste am Straßenrand zu gewährleisten“, sagt Wolf. Die Kölner hätte ihre Regeln in diesem Jahr noch einmal verschärft, etwa was die Anzahl der Pferdebegleiter an Kutschen angehe.