Festspielhaus: Wie sicher sind die 39 Millionen Euro für Beethoven?

Festspielhaus : Wie sicher sind die 39 Millionen Euro für Beethoven?

Das millionenschwere Versprechen aus Berlin ist schon sieben Jahre alt. Im November 2007 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestages, "für international bedeutsame Kulturinvestitionen" großzügige Zuschüsse bereitzustellen.

Mit 77,5 Millionen Euro stand die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ganz oben auf der Liste. Gleich danach: Das Beethoven-Festspielhaus in Bonn, für das die Abgeordneten 39 Millionen Euro reservierten, um die Pflege des Beethoven-Erbes in der Geburtsstadt des Komponisten zu unterstützen. Den Geldsegen gibt es aber nur unter einem Vorbehalt: "Alle Fördermaßnahmen", so der Beschluss, "bedürfen der angemessenen Mitfinanzierung durch Länder, Kommunen oder Private". Und genau an dieser Stelle könnte das Festspielhaus-Projekt nun ins Wanken geraten.

Denn die NRW-Landesregierung lehnt eine finanzielle Beteiligung am Konzerthausbetrieb ab, wie ein Sprecher des Kulturministeriums auf Anfrage unmissverständlich erklärte. Die Baukosten müssen ohnehin privat finanziert werden (siehe "Das Projekt"). Die Frage ist nun: Zahlt der Bund seine 39 Millionen Euro auch dann ins Kapital der geplanten Festspielhaus-Betriebsstiftung ein, wenn das rot-grün regierte Land NRW - anders als noch unter dem früheren NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) signalisiert - keinen Zuschuss gewährt? Reicht der Bundesregierung und dem Ausschuss auch eine "angemessene Beteiligung" durch die Stadt Bonn oder private Dritte, die das Festspielhaus mitfinanzieren?

Auf diese Frage war gestern in Berlin keine Antwort zu bekommen. Die Millionen stünden weiter bereit, ließ die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters (CDU), von ihrem Sprecher erklären - unter der Bedingung einer "angemessenen Mitfinanzierung". Auch habe sich der Haushaltsausschuss seine Zustimmung vorbehalten. Eine Entscheidung des Landes sei nicht bekannt. "Insofern bleiben aktuelle Meinungsbildungsprozesse zwischen den Kulturverwaltungen von Stadt, Land und Bund abzuwarten", so der Sprecher.

Am Ende wird vom politischen Willen im Haushaltsausschuss abhängen, wie eng der Bund den Mitfinanzierungsvorbehalt auslegt. Dass Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag die Pflege des Beethoven-Erbes als nationale Aufgabe definiert haben, dürfte dabei eine Rolle spielen. Denn den Bundestagsabgeordneten ist zweifellos klar, dass das umstrittene Projekt ohne die 39 Millionen Euro kaum umsetzbar ist.

Im Bonner Stadthaus gab man sich gestern betont gelassen. "Die Haltung des Landes ist der Stadt bekannt", sagte Sprecherin Monika Hörig. Es liefen aber weitere Gespräche. "Das Land prüft die Bereitstellung von Finanzmitteln für einzelne Projekte, die ja dann auch der Finanzierung des Betriebes eines Festspielhauses dienen." Noch vor wenigen Wochen hatte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) die Erwartung geäußert, das Land NRW möge sich mit rund zehn Millionen Euro am Betrieb beteiligen.

Mit der Absage aus Düsseldorf zerschlägt sich offenbar seine Hoffnung, mit Hilfe des Landes die Deckungslücke bei den Betriebskosten deutlich zu verkleinern. Der Entwurf des Konzerthaus-Businessplans geht - ohne Landesbeteiligung - von einem Jahresdefizit von zwei Millionen Euro aus. Einen großen Teil davon will die Telekom als Sponsor für fünf Jahre decken. Das Festspielhaus-Defizit könnte aber auch größer ausfallen, falls das Kapital der Betriebsstiftung geringere Erträge abwirft, als der Businessplan vorsieht. Drei Prozent Rendite werden dort ab 2019 kalkuliert, unter anderem gestützt auf eine Einschätzung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Andere Experten haben da Zweifel. Was bis 2019 weltpolitisch geschehe, könne niemand prophezeien, sagte Peter Anders, Geschäftsführer des Deutschen Stiftungszentrums. "Aber im Moment sehen wir keinen Hinweis auf steigende Zinsen in Europa." Das Zentrum, das über 600 Stiftungen mit 2,6 Milliarden Euro Kapital verwaltet, wolle im nächsten Jahr 2,5 Prozent ausschütten.

Das gehe aber nur, weil das Geld global diversifiziert angelegt sei, auch in Immobilien und Aktien. Außerdem profitiere man von Anlagen, die schon einige Jahre laufen und deshalb eine bessere Verzinsung haben. "Bei Neuanlagen steht eine Null oder eine Eins vor dem Komma", betonte der Geschäftsführer. Nach seiner Einschätzung sei eine Rendite von drei Prozent ab 2019 nur möglich, wenn man mit hohem Risiko investiere.

Das meint auch Ulrich Heide, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Aids-Stiftung. "Vor zehn Jahren hätte man eine dreiprozentige Ausschüttung bei sicheren Anlagen als konservativ bezeichnet, vor fünf Jahren als optimistisch, aber nicht ganz unrealistisch", so Heide. "Im Licht der Entwicklung der letzten Jahre ist eine solche Annahme bei als sicher bewerteten Rentenanlagen solange unrealistisch, bis eine nachhaltige Zinswende erfolgt. Und die ist erst einmal nicht in Sicht."

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