Unfälle auf dem Rhein: Wie sicher ist der Schiffsverkehr in Bonn bei Hochwasser?

Unfälle auf dem Rhein : Wie sicher ist der Schiffsverkehr in Bonn bei Hochwasser?

Auf dem Rhein herrscht reger Schiffsverkehr. Mit dem hohen Pegel des Flusses steigt auch die Unfallgefahr. Im Januar waren zwei Schiffe mit Rheinbrücken kollidiert. Wie steht es um die Sicherheit des Schiffverkehrs auf dem Rhein?

Der Rhein ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt und ein wichtiger Verkehrsweg für den Gütertransport. Rund 400 Schiffe im Durchschnitt verkehren laut der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt täglich im Raum Köln/Bonn. Die Flotte der auf dem Rhein verkehrenden Schiffe beziffert die Organisation mit Sitz in Straßburg auf 6900.

Mit solch hohem Verkehrsaufskommen steigt auch die Gefahr von Unfällen. Im Jahr 2016 zählte die Wasserschutzpolizei auf 220 Rheinkilometern in Nordrhein-Westfalen 112 Unfälle, durchschnittlich seien es weniger als 100 im Jahr. Auf Bonn würden davon 30 Unfälle entfallen, 2017 seien es 21 gewesen. 90 Prozent davon beziehen sich auf festgefahrene Schiffe.

Der Grund für die hohe Zahl in Bonn: Sie bezieht sich auf den Zuständigkeitsbereich der Wasserschutzpolizei von Wesseling bis hoch zur Landesgrenze vor Bad Honnef. Zudem sei der Niederrhein für die Schifffahrt unkomplizierter, weil der Rheinpegel dort höher ist. Während das Schiffsaufkommen auf dem Rhein aber seit Jahren steige, sinke die Zahl der Schiffsunfälle, so die Wasserschutzpolizei.

Doch die Gefahr eines Unfalls steigt wiederum bei Hochwasser. So rammte Ende Dezember vergangenen Jahres ein Kreuzfahrtschiff bei Duisburg eine Autobahnbrücke. Am 10. Januar fuhr ein Schiff gegen eine Eisenbahnbrücke in Köln. Erst kurz zuvor war der Schiffsverkehr wieder freigegeben worden, nachdem dieser aufgrund von Hochwasser zuvor zum Erliegen kam. Nach statischer Prüfung wurden die Brücken wieder freigegeben. Doch wie gut sind die Rheinbrücken, von denen drei auch in Bonn über den Fluss führen, gegen solche Vorfälle gewappnet?

Bauform der Brückenpfeiler soll Gefahr minimieren

Die baulichen Voraussetzungen für Brücken regelt die Bundesanstalt für Wasserbau. Dort heißt es, ein Schiffsanprall auf Brücken, deren Pfeiler oder Überbau komme nur sehr selten vor. Während bei neueren Brücken auf Pfeiler im Flussbereich weitestgehend verzichtet wird oder diese dicht am Ufer gebaut werden, sollen bei älteren Brücken wie der Kennedybrücke in Bonn die Bauform der Pfeiler die Gefährdung minimieren.

So seien die Brückenpfeiler der Kennedybrücke so konzipiert, dass sie zugespitzt verlaufen. Dies mache einen Frontalaufprall fast unmöglich, so Monika Frömbgen, stellvertretende Leiterin des Bonner Tiefbauamts.

Zusätzlich würden durch die Schifffahrtsämter die nutzbaren Fahrrinnen durch Tonnen markiert und der Schiffsverkehr im Regelfall gezielt an Gefahrenstellen vorbeigeführt. "Wenn dennoch Schiffe mit einem Brückenpfeiler kollidieren, wird die Aufprallenergie durch die Bauform abgeleitet und nur ein Teil dieser Energie wird im Bauwerk aufgenommen." Größere Schäden könnten hierdurch weitestgehend verhindert werden.

Laut der Generaldirektion für Wasserstraßen und Schifffahrt sind die Rheinbrücken zudem so gestaltet, dass sowohl Brücken als auch Pfeiler im Radarbild erkennbar sind. Die Pfeiler müssen grundsätzlich beleuchtet sein. Zudem gelte eine Mindestdurchfahrtshöhe von 9,10 Meter.

Grundsätzlich müssen Schiffe auf dem Rhein nach Angaben der Wasserschutzpolizei zudem einen Mindestabstand von zehn Metern zu Brücken einhalten. Abhängig vom Rheinpegel wird der Schiffsverkehr auf dem Rhein bei Hochwasser eingeschränkt. Ab einem Pegel von 6,20 Metern dürfen Schiffe etwa nur die Mitte des Rheins befahren und nicht schneller als 20 Stundenkilometer fahren. In Köln wird der Schiffsverkehr bei 8,30 Metern gestoppt.

Die Bonner Brücken sind von Zusammenstößen mit Schiffen bislang verschont geblieben. Lediglich 2016 gab es laut Stadt einen Vorfall: Ein zu hoher Schiffsausleger hatte das unter der Kennedybrücke installierte Taubenschutznetz beschädigt. Auf die Statik des Bauwerk dürfte dies allerdings keinen Einfluss gehabt haben.