Hackathon in Bonn: Wie Farbenblinde die richtigen Klamotten finden

Hackathon in Bonn : Wie Farbenblinde die richtigen Klamotten finden

Ideen für mehr Inklusion: Aktion Mensch lädt Digital-Tüftler nach Bonn ein. Die App „Flash Call“ wurde vorgestellt, die es Menschen mit motorischen Einschränkungen erleichtert, Telefonanrufe zu beantworten.

Auch sehbehinderte oder farbenblinde Menschen möchten gut gekleidet sein. Der Griff in den Kleiderschrank kann da Probleme bereiten. Dafür möchten Sebastian Schroth, Jonas Jung und Christoph Speier eine Lösung bieten. Mit ihrer App kann jedermann Kleidungsstücke scannen; eine Stimme erklärt dann, was man in welchen Farben vor sich hat.

Die Drei aus Erlangen sind Mitglieder der Gruppe „Birne7“, bestehend aus Entwicklern und Kreativen, die sich für Inklusion einsetzen. Mit zehn weiteren Mitstreitern waren sie zum dritten sogenannten Hackathon ins Social Impact Lab der Aktion Mensch an der Heinemannstraße gekommen. Von Freitag bis Sonntag waren die Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet kreativ und programmierten Ideen, die Menschen mit Behinderungen helfen sollen.

Natürlich kann man in so kurzer Zeit keine komplexe App fertigstellen. Deshalb hatten die drei Erlanger Entwickler nur fünf Kleidungsstücke eingescannt, mit denen sie ihre Idee präsentieren konnten. Diese App war nach Einschätzung der Jury einer der drei Gewinner des Hackathons. „Uns ist das nutzerorientierte Arbeiten wichtig“, sagte Jung. Denn die beste App nützt nichts, wenn die Zielgruppe sie nicht vernünftig verwenden kann. Das gilt auch für die anderen Ideen, an denen die Teilnehmer arbeiteten.

Johannes Schleicher, Fabian Simmank und andere Teilnehmer wollen die Webseite der Deutschen Bahn für Sehbehinderte zugänglicher machen. Sie sollen über eine Sprachausgabe nicht erst sämtliche Menüpunkte durchgehen müssen, bevor sie eine Reise buchen können. „AnnaBahn“ nennen die Tüftler das; sie arbeiten mit leichter Sprache und und simpler Bedienung. Die Seite der Deutschen Bahn sei zwar barrierearm, sagte Schleicher, aber eben nicht einfach genug.

Julian Zilker hat sich an eine Weiterführung der Wheelmap-App gemacht. Die führt auf Stadtplänen barrierefreie Geschäfte und Restaurants auf. Zilker will eine „Rolemap“ entwickeln, auf der man barrierefreie Wege zu diesen Stätten einträgt. Auch hier gilt das Prinzip der Reduzierung, damit solche digitalen Stadtpläne nicht mit Informationen überladen werden. Auch Zilker kürte die Jury zum Gewinner.

Unter anderen wurde zudem die App „Flash Call“ vorgestellt, die es Menschen mit motorischen Einschränkungen erleichtert, Telefonanrufe zu beantworten – die App nimmt entweder selbst ab oder bietet leichtes Abheben über ein Headset.

Dritter Sieger war eine Kalender-App für Menschen mit Lernbehinderung: Wichtig ist, dass diese Menschen ganz einfache Bedienelemente mit Piktogrammen zur Verfügung haben, um ihren Alltag über einen digitalen Kalender zu organisieren. Die Idee brachte Benjamin Freese vom Projekt „Wir machen mit“ ein. Er war als Vertreter des Inklusiven Netzwerks für Teilhabe- und Partizipationsstrukturen in Düsseldorf-Wersten zu Gast beim Hackathon und begeistert von der Energie beim Hackathon.

„Das ist gut, damit Menschen mit Behinderung Teil der digitalen Gesellschaft werden“, sagte er. Er lobte auch die Idee, Entwickler und Betroffene zusammen zu bringen – vor Ort waren auch Menschen mit verschiedenen Behinderungen. „So können die Entwickler direkt die Rückmeldungen in ihre Lösungen einbauen.“ Und die Entwickler würden sensibilisiert.