Initiative "Zero Waste": Wie Bonner ohne Verpackungsmüll leben

Initiative "Zero Waste" : Wie Bonner ohne Verpackungsmüll leben

Die bundesweite Initiative "Zero Waste" versucht, jeglichen Abfall zu vermeiden. Auch in Bonn stößt sie auf große Resonanz. Das nächste Treffen der Bonner Gruppe ist am 28. August auf dem Gelände der Ermekeilkaserne.

Deutschland kann einpacken: Wie das Umweltbundesamt Ende Juli mitteilte, produziert kein anderes Land in Europa so viel Verpackungsmüll wie Deutschland. Eine Tatsache, die nicht alle tatenlos hinnehmen möchten. Unter dem Motto „Zero Waste“ (zu deutsch: kein Müll) stellen sich weltweit Menschen gegen den Verpackungswahn und versuchen, komplett auf Verpackungsmüll zu verzichten. In Bonn haben sich nun Anhänger dieser „Zero-Waste“-Bewegung zum ersten Mal getroffen, um sich untereinander zu vernetzen und Ideen für gemeinsame Projekte zu finden.

Zahnputztabletten in Mehrweggläsern

„Das betrifft wirklich alles“, erklärte die Initiatorin des Treffens, Annalena van Beek, die Folgen im Alltag, „sei es Plastikmüll, Papiermüll, Restmüll oder Biomüll, aber zum Beispiel auch Kleidung, die man dann gebraucht kauft.“ Statt der Plastiktüte wird der Jutebeutel benutzt, statt Zahnpasta Zahnputztabletten, die in Mehrweggläser gefüllt und abgewogen werden. Genau so funktioniert es auch mit Nudeln.

Das Problembewusstsein in der Öffentlichkeit steige schon, erklärte die junge Studentin: „Vor drei Jahren hatte ich das Gefühl, dass das noch nicht wirklich eine Sache war, die in aller Munde war.“

Das habe sich mittlerweile geändert. Dafür sprechen auch die rund 50 Teilnehmer, die zu dem Treffen kamen und den Raum damit an seine Grenzen brachten. Immer wieder mussten neue Stühle aufgestellt werden. „Überwältigend, wie groß das Interesse ist. Ich bin begeistert!“, begrüßte van Beek die Teilnehmer. Das gesteigerte Interesse ist gerade vor dem Hintergrund kürzlich veröffentlichter Zahlen bemerkenswert. Ende Juli 2016 gab das Umweltbundesamt bekannt, dass Deutschland wieder „Europameister“ im Produzieren von Verpackungsmüll geworden ist. 18,16 Millionen Tonnen fallen in Deutschland jährlich an Verpackungsmüll an. Das entspricht 220,5 Kilogramm Müll pro Kopf. „Ein trauriger Spitzenplatz“, kommentierte die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, diese Zahlen. Zwischen 2000 und 2016 stiegen die Zahlen um 19 Prozent an, auch zum Vorjahr gab es 2016 eine Steigerung. Das ergibt sich aus Zahlen des Statistischen Amts der EU.

Setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort, wird Deutschland auch 2017 und 2018 an der Spitze der Liste stehen. Offizielle Zahlen für 2017 wurden noch nicht veröffentlicht.

Fehlt es den Deutschen an Sensibilität für das Müllsparen? „Man wird schon eher mal als Öko abgestempelt, aber die meisten finden das super“, widerspricht van Beek. Viele würden sich sogar verteidigen, warum sie selbst noch nicht angefangen hätten. Das sei Schwachsinn, findet sie: „Jeder hat seine eigene Zeit, wann er mit etwas anfängt, und jeder muss von selbst auf die Idee kommen, das machen zu wollen.“ In Bonn ließe sich der Lebensstil jedenfalls gut umsetzen. In jedem Supermarkt könne man Obst und Gemüse einfach an die Kasse legen, es gibt in Duisdorf den Unverpacktladen „Deinet“ und auch beim Bio-Supermarkt „Basic“ wird das unverpackte Angebot ausgeweitet. „Das Einzige, was vielleicht schwerer ist, sind Snacks und Süßigkeiten, aber auch da gibt es Alternativen“, erklärte sie. Ansonsten steige die Lebensqualität sogar. Man trete etwa viel stärker mit den Verkäufern in Läden und den Lebensmittelproduzenten in Kontakt, was auch die Verbundenheit mit dem Essen selbst steigere.

Tipps und Tricks zur richtigen Umsetzung

Die Zero-Waste-Gruppe in Bonn gab es bisher nur auf Facebook (www.facebook.com/zerowastebonn). Tipps und Tricks zur richtigen Umsetzung wurden auch auf dem Treffen ausgetauscht, dazu sammelten die Teilnehmer konkrete Projektideen: Für Interessierte sollen Listen erstellt werden, wo man in Bonn verpackungsfrei einkaufen kann, Infovorträge über den Lebensentwurf oder Umfragen zu Strohhalm-Kampagnen vor Supermärkten sind angedacht. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 28. August, auf dem Gelände der Ermekeilkaserne statt.

Autor Matthias Beckonert ist einer von neun Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in einem Seminar in Kooperation mit dem General-Anzeiger aktuellen Themen nachgegangen sind. Ihre Texte erscheinen in loser Folge im GA.

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