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Hitze an Bord, niedriger Pegelstand: Wetter macht Schiffsgästen in Bonn zu schaffen

Hitze an Bord, niedriger Pegelstand : Wetter macht Schiffsgästen in Bonn zu schaffen

Eine Rheinpartie bei Sonnenschein – das wünscht sich jeder. Aber die Hitze dieser Tage macht allmählich auch den Gästen der Bonner Personen-Schifffahrt (BPS) zu schaffen. Der tiefe Rheinpegel ist für die Schiffe indes kein Problem.

„Ich geh mal rauf, bleib du bloß drinnen“, ruft eine ältere Dame ihrer Freundin zu. Beide sind gemeinsam zum Senioren-Nachmittag an Bord der „Filia Rheni“ gekommen. Vier Stunden auf dem Wasser zu den heißesten Stunden des Tages. Unter dem Sonnensegel hinter dem Führerhaus geht eine leichte Brise. Da kann man es aushalten. Aber die weißen Tische am Bug des Schiffes, wo sonst die Fotografen und Neugierigen sitzen, bleiben leer.

Kapitän Clemens Schmitz hat schon lange vor der Abfahrt die Maschine angeworfen. Mit voller Leistung bringt die Klimaanlage den geräumigen Salon auf angenehme Temperaturen, bei denen auch der heiße Kaffee mit gedecktem Apfelkuchen wieder schmeckt. Der Landstromanschluss, den die vier Schiffe der Bonner Personen-Schifffahrt sonst am Alten Zoll nutzen, reicht dafür nicht aus. „Der würde mir durchglühen“, ist Schmitz überzeugt.

Dafür nutzt die komplette Flotte nun einen innovativen Treibstoff aus verflüssigtem Erdgas, der den stinkenden, rußenden Schiffsdiesel ersetzt. Dieser GTL-Kraftstoff – die Abkürzung steht für Gas to Liquid (Gas zu Flüssigkeit) – wird von Shell in einer speziellen Anlage nur in Katar synthetisiert. „Er verbrennt sauberer als herkömmlicher Dieselkraftstoff auf Erdölbasis und produziert somit weniger lokale Emissionen an Partikeln Stickoxiden, NOx; Schwefeloxid und SOx“, schreibt der niederländische Raffinerie-Konzern auf seiner Homepage.

Umweltfreundlicher Sprit

Schmitz ist nach einem Testlauf seit Ostern begeistert: „Die Maschine läuft viel runder und fast nicht mehr hörbar leise“, sagt er. Schwarze Rauchwolken und Diesel-Gestank am Heck gehörten der Vergangenheit an. Und eine Umrüstung von Motoren sei ebenfalls nicht nötig. Auch Busse, Fähren oder Lastwagen könnten damit umweltfreundlicher fahren, glaubt Schmitz. Den Mehrpreis von bis zu zehn Cent je Liter sei ihm und seinen BPS-Kollegen das wert. Einziger Nachteil bisher: Der im Nahen Osten produzierte Treibstoff ist bislang nur in Arnheim erhältlich, wo Shell ein Lager dafür betreibt.

Sorgen bereitet dem Kapitän in den kommenden Wochen eher der Rhein. Der ausbleibende Sommerregen hat den Strom bereits merklich abschwellen lassen. Die Fahrrinne im Bonner Raum ist damit derzeit noch rund 2,70 Meter tief, etwa 1,1 Meter tiefer als der offizielle Bonner Pegel. Für die BPS-Schiffe ist das kein Problem.

Das Nadelöhr sind die Anleger, die außerhalb der Fahrrinne liegen. „Wir haben mit neuen, längeren Stegen schon reagiert und lassen auch baggern“, erklärt Schmitz. Aber die Stationen Mondorf, Bad Breisig und Sankt Goarshausen an der Loreley können jetzt schon nicht mehr angefahren werden. Demnächst werden wohl auch Bad Honnef und Unkel dazukommen. Die Hauptausstiegspunkte Königswinter, Linz und der Alte Zoll in Bonn sind hingegen nicht betroffen.

Rheinnixe fährt im Zickzack

Probleme hat schon eher die Rheinnixe, die auf ihrer Fahrt über den Strom inzwischen im Zickzack fahren muss, um ihren Anleger auf Beueler Seite im Niedrigwasser zu erreichen und nicht aufzusetzen. „Wir müssen schon länger in Beuel rückwärts rausfahren“, erklärt Geschäftsführer Max Dornau. Noch laufe der Betrieb aber weitgehend normal, auch wenn bei der Hitze manche Fahrgäste fernblieben.

Da die meisten Gäste die BPS-Schiffe nicht als Transportmittel, sondern für Rundfahrten nutzen, sieht die Genossenschaft der Entwicklung gelassen entgegen. Die anhaltend gute Witterung habe dem Unternehmen ein Besucherplus von rund zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr beschert, vermutet Schmitz.

Allzu lange dürfe die Hitzewelle indes nicht anhalten, „sonst trauen sich die Leute gar nicht mehr raus“. Im Rekordsommer 2003 seien die Schiffe nach einigen Wochen fast komplett leer gefahren – und das nicht nur auf dem Sonnendeck.