Wissenschaftsrallye der Universität Bonn: Wespen-Scheren unterm Mikroskop

Wissenschaftsrallye der Universität Bonn : Wespen-Scheren unterm Mikroskop

Mehr als 200 Schüler absolvieren die Wissenschaftsrallye an der Universität.

Unter dem Mikroskop im Biologischen Institut kann Linus Remy (13) genau erkennen, was ihm Professorin Anette Scheersoi gerade erklärt hat: Wespen haben keinen Rüssel, mit dem sie süßen Nektar aus Blüten schlürfen können. Stattdessen sieht er auf einem Bildschirm, zu dem die Bilder übertragen werden, zwei massive Scheren. "Sie sind dafür da, um Fleisch klein zu schneiden", sagt Scheersoi zu ihm und seinem Freund Jakob Pungel.

Die beiden Achtklässler besuchten am Samstag die Wissenschaftsrallye der Bonner Universität, die durch die verschiedenen naturwissenschaftlichen Institute führte. "Das ist besonders interessant, weil man sonst nie so einen Einblick bekommt und die Türen für Schüler eher verschlossen sind", sagte Linus. Insgesamt gab es zwölf Stationen, an denen rund um das Poppelsdorfer Schloss Experimente und Rätsel aufgebaut waren. So galt es bei den Biologen herauszufinden, welche Werkzeuge Wespen, Schmetterlinge und Bienen für die Nahrungsaufnahme haben. Bei Schmetterlingen ist der Rüssel nämlich besonders lang, um auch an tiefen Blüten erfolgreich zu sein.

Anstatt sich an den Laufzettel mit seinen Nummerierungen zu halten, gingen Moritz Thelen und Amon Nießen den kürzesten Weg. Amons Mutter, die Lehrerin in Bonn ist, hatte die Jungs auf die Rallye aufmerksam gemacht. "Und da wir sowieso was zusammen machen wollten, ist Moritz von Köln hergekommen", sagte der 13-jährige Amon. Die Jungs hatten ihren Spaß, als sie im Geographischen Institut an einem Flussbett-Model anhand von Beschreibungen Begriffe zuordnen mussten. So wird eine Flussschleife auch als Mäander bezeichnet; eine verstellte Uferböschung in einer Flusskurve, an der durch die Strömung viel Material abgetragen wird, ist ein Prallhang.

Sein Pendant ist der Gleithang, die flachere Uferböschung auf der Innenseite. "Hier lagert sich das Material ab, weil das Wasser ruhiger ist", erklärte der Geograf Oliver Schlömer. Das Modell hatte er mit Kommilitonen vorbereitet, statt Sand nahmen sie als Material einen speziellen Kunststoff. Weil der eine kaum größere Dichte als Wasser hat, schwimmt er nicht auf und stellt die Bewegungen im Fluss viel schneller dar. "Das ist im Prinzip wie ein Zeitraffer", sagte Schlömer.

Mehr als 200 Schüler zwischen 13 und 16 Jahren durchliefen innerhalb von sechs Stunden die Stationen. "Dabei geht es nicht um Zeit, sondern um das, was die Mädchen und Jungen interessiert", sagte Andrea Grugel, die die Wissenschaftsrallye organisiert. Die Freundinnen Lena und Miriam machten das genauso: Sie suchten sich die Stationen selbst aus und blieben an manchen länger. "Das ist gut, weil wir uns nicht so hetzen müssen", sagte sie. Zeit ließen sie sich draußen vor dem Poppelsdorfer Schloss, wo die Meteorologen das Wetter untersuchten. Am Morgen hatten sie schon einen Wetterballon steigen lassen, der nach drei Stunden 25 Kilometer nach Siegburg geflogen und eine Sonde in 10 000 Meter Höhe getragen hatte. Während am Boden Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschten, war es dort oben minus 52 Grad Celsius kalt.

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