Architektur in Bonn: Werkstatt Baukultur erklärt das Stadthaus

Architektur in Bonn : Werkstatt Baukultur erklärt das Stadthaus

Die Werkstatt Baukultur lud anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Verwaltungstürme zu einem Rundgang ein. Nach vier Jahrzehnten ist das Hochhaus bereits marode. Ob es saniert oder neu gebaut wird, steht noch nicht fest.

Schon vor seiner Eröffnung am 20. Mai 1978, sorgte das Stadthaus am Berliner Platz für hitzige Diskussionen. Jetzt wird erneut diskutiert: Politik und Verwaltung überlegen, ob Abriss und Neubau oder die Sanierung der in die Jahre gekommenen Verwaltungstürme die bessere Variante ist. Zum 40-jährigen Bestehen des Stadthauses hatte am Wochenende die Werkstatt Baukultur eingeladen, um das Gebäude genauer in den Blick zu nehmen.

Die Führung war die letzte Etappe der Reihe „Baukultur-Jubiläen 2018“, in der unter anderem auch der Lange Eugen und die Lukaskirche in der Nordstadt besucht worden waren. Das Stuttgarter Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner sah einst das Stadthaus als sichtbaren Blickpunkt und Zentrum der Stadt. Für den Bau musste damals ein ganzer Block Wohnhäuser und Gewerbebetriebe weichen.

Die Ausmaße des neuen Stadthauses passen nicht zu den Nachbargebäuden, kritisierten damals Anwohner – und auch heute gibt es deswegen immer wieder Kritik. „Von vielen wird das Stadthaus als Fremdkörper wahrgenommen“, sagte Alexander Kleinschrodt von der Werkstatt Baukultur. Die heute so trist anmutende Fassade sei aber kein Zufall, sondern ein Relikt damaliger Denkweisen: „In den 1970er Jahren herrschte die Annahme, Verwaltungsgebäude müssten seriös aussehen. Nur wenige Jahre nach dem Bau des Stadthauses begann aber ein Umdenken“, erklärte der Kunsthistoriker.

Ebenso oft als Makel wahrgenommen werde die Optik der Fassade. Bis vor wenigen Jahren war sie noch mit Glasscheiben verkleidet gewesen, diese mussten aus Sicherheitsgründen abgehängt werden. „Mit dem Glas hatte das Gebäude früher einen anderen Glanz“, erinnerten sich Bürger während der Führung.

Auch ein Platz für Kunst

Das Stadthaus ist nicht nur Verwaltungsstandort, sondern auch ein Haus der Kunst: Wer mit offenen Augen durch das Gebäude geht, entdeckt Skulpturen verschiedener Künstler. Ins Auge fällt die bunte Fassade der Kneipe „Em Stadthüsje“ oder das verglaste Foyer. Die Glasfront sei aus dem Gedanken heraus entstanden, Verwaltung transparent zu machen, erklärte Kleinschrodt. „Es ist ein offener Raum, wo sich die Bürger und die Stadt präsentieren können. Im Foyer werden Ausstellungen gezeigt, auch Podiumsdiskussionen können hier stattfinden“, so Kleinschrodt.

Einige Teilnehmer der Führung erzählten von ihrem Blick auf das Stadthaus: „Man hat immer draufgeschaut, mochte es aber eigentlich nicht. Nach dieser Führung denke ich jetzt anders. Wenn man hier zum Beispiel ein Café eröffnen würde, das wäre toll“, sagte Grete Hartmannsberger, die in der Maxstraße gleich hinter dem Stadthaus wohnt und damit täglich auf die Verwaltungstürme blickt. So könnte man das Gebäude besser in die Umgebung und den Stadtteil integrieren, meinte sie.

Ein anderer Vorschlag lautete, anstelle der oberen Garagen eine Zeile mit Geschäften einzurichten. Josephine Christ ist ebenfalls Anwohnerin. Ihr ging es nach der Führung ähnlich wie ihrer Nachbarin aus der Maxstraße: „Nun denkt man anders über das Stadthaus. Wie war das noch: Putzen und benutzen“, zitierte sie Alexander Kleinschrodt mit Verweis auf die Stadt Siegburg: Bei einer Abstimmung über die Zukunft des Rathauses hatten sich, wie berichtet, 70 Prozent der Siegburger Bürger für eine Sanierung und gegen den Abriss des Rathauses ausgesprochen.

Zukunft ist ungewiss

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