Kommentar zum Defizit des Beethovenfestes: Werben statt anzeigen

Kommentar zum Defizit des Beethovenfestes : Werben statt anzeigen

Erst die Aufregung um den Vorschlag aus der Stadtspitze, den Zuschuss zu kürzen, dann die Bauverzögerungen in der Beethovenhalle. Und am Ende das dicke Minus im Budget, weil die Konzerte zu wenig Zuhörer anlockten.

Wer Intendantin Nike Wagner jetzt ein zu elitäres Programm vorhält, ist etwas spät dran. Sie tut genau das, was sie vorher beim Kunstfest Weimar gemacht und auch für Bonn angekündigt hat: Sie verfolgt ein anspruchsvolles Konzept, das nicht massentauglich zu sein scheint. Seit 2014 hätte auch jeder Politiker wissen können, dass weniger verkaufte Karten die logische Folge sein würden.

Wenn aber zugleich die Kosten steigen, kann das nur in roten Zahlen enden. Die Hoffnung, dafür höhere Sponsorengelder einzuwerben, ist nicht aufgegangen. Dass die Intendantin sich zu gesellschaftlichen Anlässen in der Stadt nur selten sehen lässt, dürfte die Suche nach Mäzenen nicht vereinfachen. Zwar hat sie laut Vertrag nur während des Beethovenfestes Präsenzpflicht in Bonn; aber für ein Jahresgehalt von 150.000 Euro dürfte man trotzdem mehr werbeträchtige Sichtbarkeit erwarten. Immerhin trägt Nike Wagner einen großen Namen.

Ihr Vertrag in Bonn läuft bis 2020. Danach bietet sich die Chance für einen Neustart. Der designierten Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger ist eine glückliche Hand für die Nachfolge zu wünschen, denn das Beethovenfest ist wichtig für Bonn. Nie standen die Chancen besser, den Bund für eine dauerhafte Förderung zu gewinnen. Defizite sind da kontraproduktiv – ebenso wie die völlig überzogene Strafanzeige, um einen „Maulwurf“ im Aufsichtsrat aufzuspüren. Dem Beethovenfest würde im Gegenteil mehr Transparenz guttun, wie die Ereignisse zeigen. Denn: In dieser GmbH stecken Steuer-Millionen.

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